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Mittwoch, 15. Juli 2015

Alpstein Sigelpfeiler - Bahnersatz (7b)

Tour Datum: 11.07.2015
Mit diesem Bericht möchte ich eine neue, lohnende Route am Sigelpfeiler im Alpstein vorstellen. Die Route 'Bahnersatz' ist im aktuellen Alpsteinführer als Projekt mit 3 Seillängen dokumentiert und wurde in der Zwischenzeit fertiggestellt und umfasst nun 6 Seillängen.
Ich wollte schon länger mal am "Alp Sigel" die klassiche Route 'Sigelpfeiler' und die neue 'Bahnersatz' klettern und wusste von Werner Küng, dass es zudem noch weitere neue Routen hat. Als ich das neue Topo von Werner dann bekam, war ich mir aber nicht mehr so sicher, ob die Bahnersatz überhaupt machbar ist für uns, da die 3 Seillängen, welche vorher bis 6c bewertet waren, nun mit bis zu 7a+ eincheckten und zudem noch eine 7b-Länge folgte. Werner hat mich dann aber doch überzeugt, die Route zu klettern.


Die schöne neue Alp Sigel Bahn.
Zustieg
Von den 2 Möglichkeiten, welche im Alpsteinführer beschrieben sind, wählten wir den Zustieg von Brülisau mit der Alp Sigel Bahn
Da von dieser Seite alles ziemlich flach ist, ist es gar nicht so einfach, die Abseilstelle unterhalb der Scharte zu finden. Von der Bergstation dem Alpweg folgen, bis dieser abwärts zur Alp Sigel führt, nun leicht ansteigend über die Wiese zum Bergweg Richtung Zahme Gocht-Brülisau hoch, diesem ca. 100-200 m folgen bis zu Wanderwegpfeil. Nun links weg und rechts der markanten Rippe und Rinne, teils auf Weg, immer die Säntisantenne im Blick, genau zum Gipfel wandern (ca. 40 Minuten). Beim Gipfel mit dem Gipfelkreuz ist man schon zu weit; das ist der Hauptgipfel P. 1769 m; das Ziel, der Westpfeiler ist aber P. 1743 m. Der Zugang zur Abseilstelle  ist im Topo beschrieben.
Abseilstelle 15m unterhalb des Sattels. Der Westpfeiler und Gipfel sind links davon.

Die 2.Abseillänge ist ziemlich luftig.
Der Sektor Sigelpfeiler
Unser Plan war, zuerst die Bahnersatz und nachher, wenn es wärmer wird den einfacheren Sigelpfeiler (6b) zu klettern. Das Los entschied: Dani S. 'darf' in der ersten Seillänge vorsteigen. Kurz nach 10 Uhr konnten wir im angenehmen Schatten der Westwand starten.

Bahnersatz, 6 SL, 7b (6b+ obl.)

L1, 7a+, 20m, Kaltstart schon ab dem 2.Bolt. Anhaltend schwer und pumpig in schönem kompakten Fels, man sollte sich aber an die Bolts und den Routenverlauf im Topo halten, da es neben der Route teilweise ziemlich brüchig ist. Auch aufgewärmt und RP sicher ein Ausdauerproblem. Wir hatten beide einige Hänger, konnten aber wenigstens alles frei klettern.
L1, 7a+, Dani bereits beim 3.Bolt; hier sollte man nicht in den verlockend einfacheren aber brüchigen linken Teil klettern. 
L2, 6c+, 20m,  Anfangs sind bereits schon die Crux-Passagen in feingriffigem und etwas splitterigem Fels zu bewältigen, oben dann einfacher mit meist guten Strukturen (dort noch 6a-6b).

L2 6c+, unten steil und kompakt, flacht es oben etwas ab.
L3, 7a, 20m,  Super schöne und kompakte, technische und anhaltende Steilplattenkletterei (meist ca. 6c). Die Crux gegen Ende mit Unterseitgriff rechts (sehr harter Zug), wobei es schon schwer ist, diesen zu erreichen. Ich fand das die schönste Seillänge der Route.


L3, 7a, beinahe wie an den Wenden! Aber mehr Bolts.
L3, 7a, Crux-Passage, Dani krallt den Unterseitgriff.
L4, 7b/A0 2 p.a., 20m, Sehr kompakt und strukturlos scheinen die folgenden Platten nicht kletterbar zu sein. Anfangs noch grossgriffig und einfacher mit grossem Abstand zum 2.Bolt (ist aber ok vom Sturzgelände), kommt dann die sehr feine 7b-Platte (A0 gut möglich), welche wir nicht frei klettern konnten. Wenn man genauer schaut hats doch ein paar Strukturen und der Riss rechts hoch ist oben dann auch gut. Werner hat hier eine, gemäss seinen Aussagen, "grossartige" Lösung gefunden (das Highlight). Wir haben (leider) angesichts der abschreckend glatten Platten gar nicht richtig nach einer Lösung gesucht.
Der obere Aufschwung dann mit 2 p.a. (2 Bolts darf man halten). Diese Linie folgt den kompaktesten aber auch schwersten Strukturen. Am Schluss wieder einfacher, ca. 6b.
Nachtrag: Anfangs Juli 2016 durch Daniel Benz Rp geklettert; Vorschlag: 7c+



L4, 7b/2 p.a Die Route geht links hoch durch den kompaktesten Teil des oberen Aufschwungs.
L4 im einfacheren Ausstiegsbereich
L5, 6c, 20m, Anfangs ist der Fels etwas brüchig und hierfür hat es zwischen 1. und 2.Bolt einen zu grossen Abstand, da zudem ein Grounder auf das Band möglich ist (vorsichtig klettern!). Prompt hatte Dani einen Trittausbruch (faustgrosser Stein, den er auch als Griff verwendete); zum Glück hatte er den 2.Bolt schon gehängt. Auch zum 3.Bolt ist der Abstand noch gross. Diese Abstände passen nicht so recht zu dem sonstigen Charakter der Route (sonst super abgesichert). Nach athletischen Passagen folgt oben noch eine obligatorische Steilplattenstelle im 6b/c-Bereich. 
L5, 6c, Anfangs der athletischen Passagen
L5, 6c,  und hier dieselbe Länge im oberen Teil, vor der Steilplatte.
Vor der letzten Seillänge kommt das grosse Band auf dem rechts von der Route einige weitere schöne Seillängen zu finden sind.
L6, 6c, 30m, schöne Seillänge in meist kompaktem Fels. Anfangs athletisch ca. 6b, die Crux-Passage kommt dann in der Mitte in kompakter und steiler Wandkletterei.
L6, 6c, Dani im steilen Aufschwung, welcher grossgriffig und gut zu klettern ist.
L6, 6c, im oberen Teil
Top of  'Bahnersatz'; ziemlich unspektakulär und kontrastreich. Hinten der Hohe Kasten; in dieser Richtung liegt die Bergstation der Sigelbahn.
Dank einer guten Teamarbeit sind wir die anspruchsvolle und schöne Route dann doch noch gut durchstiegen; jeder hatte jedoch so zwei Stürze zu verzeichnen.
Mit beinahe 6 h hatten wir allerdings sehr lange für die nur 6 Seillängen (mit total nur ca. 130 m!), wobei wir fast 1 h in L5 und mit einer Querband-Pause (inkl. Gipfelbuchlesen!) verloren. D.h. gut 5 h hätten wir auch gehabt, wenn alles gut gelaufen wäre, was auch noch lange ist und durch die anhaltend hohen Schwierigkeiten (für uns) zu erklären ist.
Ich konnte alle Stellen ausser der 7b-Passage frei klettern; allerdings mit insgesamt einigen Hängern bei/ab 7a. 
Es war nicht so, dass wir am Schluss total ausgepumpt waren, aber wir hätten jetzt nicht noch, wie ursprünglich gedacht, die Route Sigelpfeiler klettern wollen (abgesehen von der fehlenden Zeit).


Und hier der Blick in die andere Richtung West.
Nach einer längeren Pause und nachdem wir die schöne und für mich ungewohnte Aussicht genossen hatten wanderten wir wieder zurück zur Sigelbahn und haben grad noch eines der letzten Bähnli kurz vor 18 Uhr erwischt.
Vom Sigelpfeiler-Wandfuss Richtung Säntis und Seealpsee. Rechts oben sieht man die langgezogenen Äscher-Felsbänder. 
Facts:
Alpstein, Sigelpfeiler
Bahnersatz 
 6 SL, 7b/A0 2 p.a. (6b+ obl.), 130 m, Manuel Siegl, Sepp Ulmann, 2010 (erste 3  SL), Werner Küng, Sepp Ulmann, 2012 (obere 3 SL).
Nachtrag: Anfangs Juli 2016 durch Daniel Benz Rp geklettert; sein Vorschlag: 7c+

Material: 12 Express, 2 x 50m Seil
Schwierigkeiten: 6c sollte man schon gut klettern können damit es noch etwas Spass macht; mit/ab 7a-Niveau macht es dann erst richtig Spass.
Absicherung: 4x bis 5x (super) mit Ausnahme Anfangs 5.SL. 
Die Absicherung ist sehr durchdacht und solide angebracht, welche meist einen guten Klettergartenstandart erreicht.
Schönheit: 3*, m
eist in sehr kompaktem Fels, gibt es doch immer wieder etwas brüchige Stellen in denen sorgfältig geklettert werden muss.

Die Route eignet sich auch an einem warmen Sommertag, da erst um ca. 13-14 Uhr die Sonne die Westwand wärmt.

Topo
- Alpsteinführer 2011 (Gebietsbeschreibung und Zugang)
- Das aktuelle und sehr gute Topo von Werner Küng kann hier Sigelpfeiler pdf heruntergeladen werden.

Zu erwähnen ist noch, dass im oberen Wandbereich in den letzten Jahren weitere schöne 1-Seillängen-Routen eingerichtet wurden (siehe Topo).
Vielen Dank an die Erschliesser!


Fazit:
Die Bahnersatz bietet abwechslungsreiche, anspruchsvolle und schöne Kletterei an Aufschwüngen und Steilplatten. Eine empfehlenswerte Route mit einem alpinen und sehr schönen Ambiente im Alpstein.

Samstag, 19. April 2014

Äscher - Neutouren Gasthauswand

Tour Datum: 04.04.2014
Am Äscher klettert man im Sektor Gasthauswand am besten in der Nebensaison, wenn es keine Wanderer hat. An diesem Tage konnte ich mit Werner unter idealen Bedingungen seine neuen Routen 'Zimmerstunde', 6c und 'Prost Mahlzeit', 7a+ testen, wobei Werner die erste Rotpunkt-Begehung der Schlüsselseillänge der Prost Mahlzeit und der ganzen Route gelang.

Endlich wieder mal draussen im Alpstein auf der Ebenalp am Äscher klettern! Werner war in diesem milden Winter jedoch bereits schon mehrere Male hier und hat einige alte Routen saniert und auch 2 neue tolle Routen im Sektor Gasthauswand erschlossen, welche im folgenden beschrieben werden.

Gasthaus Äscher mit Werner der sich aufwärmt und die Routen in der Gasthauswand begutachtet. Links hinten der Altmann.
Die älteren, etwas einfacheren Routen eignen sich ideal zum Einklettern.

Sanierte Routen 

Folgende Routen sind wir geklettert (es hat noch mehr sanierte Routen hier; siehe aktuelles Topo):
Fürobedweg/Veltlinerweg 6b
SL1, 6b Anfangs noch einfacher aber schon bald müssen geeignete Lösungen im kompaktem und etwas slopperigem aber doch meist griffigem Kalk gesucht werden.
Fürobedweg, SL1, 6b, sehr lohnende Route in kompatem Fels. Die Neutouren sind rechts davon.
SL2, 6b Diese Seillänge ist relativ kurz; Werner hat sie gleich mit der SL1 zusammengehängt. Der Fels ist hier teilweise ziemlich scharf, da meine Finger durch den Felskontakt kalt und gefühllos geworden sind muss ich ins Seil hängen um sie aufzuwärmen; ich bin wohl vom Hallenklettern noch etwas verweichlicht... Anschliessend waren wir aber aufgewärmt und es wurde auch wärmer, sodass die Temperaturen kein Problem mehr darstellten.
SL3, 6a+ Der Fürobedweg endet hier. Links geht nun der Plätteleweg weiter (welcher von rechts unten kommt), wir wählen jedoch den Veltinerweg, welcher in homogener Plaisirkletterei gerade hoch führt. Diese Route wurde bei der Sanierung vorteilhaft begradigt, sodass auch bei kurzen Exen nun kein unangenehmer Seilzug mehr entsteht.
Veltlinerweg 6a+ Bester Fels und sehr gut saniert.
Äscherwand 6c+, 2 SL
Wir haben nun nur eine Seillänge bis Mitte Wand abgeseilt um die frühere A0-Route 'Äscherwand', welche nun auch sehr gut saniert ist, zu klettern. 
SL1, 6c+ Anfangs noch einfacher an einer grossen Schuppe entlang hoch. Die markante und interessante Crux-Stelle kommt im mittleren Teil und ist onsight nicht einfach zu haben (ich konnte sie jedenfalls nicht punkten).

Route 'Äscherwand' 6c+. Rechts davon führt im gelbbraunen Fels die 3.SL von der neuen Route Zimmerstunde hoch.

 'Äscherwand' 6c+ ,Werner kurz vor der Crux welche er sauber durchziehen kann.
SL2, 5b Diese für den angegebenen Grad gar nicht so einfache Seillänge wurde auch mit einigen gut platzierten Bolts saniert und führt am Schluss über eine Platte bis ans obere Ende der Wand.

Mit 2x Abseilen im überhängenden Gelände sind wir wieder unten und geniessen bei einem Picknick die schöne und ruhige Stimmung bei der Gasthauswand.

Neutour "Prost Mahlzeit"  7a+

Nun geht es wieder zur Sache; Werner will seine Neutour nach einem gescheiterten Versuch nun Rotpunkt klettern.
SL1, 6b+ Die erste SL ist wie beim Fürobedweg oder der Zimmerstunde kurz; es empfiehlt sich hier jedoch Stand zu machen, da die nachfolgende Seillänge die Crux-SL ist. Sie eignet sich gut um wieder auf Betriebstemperatur zu kommen.
"Prost Mahlzeit", SL1, 6b+, Werner im schönen und griffigen Kalk
SL2, 7a+ Anfangs noch einfacher mit ca. 6b kommt man zu einem markanten Dächli an welchem man links entlang hochklettert. Dann quert man rechts in die steile Platte mit der ersten sehr schweren Crux. Es bleibt anschliessend steil und anspruchsvoll mit immer wieder einigermassen guten Griffen - beinahe wie die 'Patent Ochsner' in den Wenden - sehr schön!. Werner gelingt mit vollem Einsatz die erste Rotpunkt-Begehung dieser Seillänge. Ich habe bei der ersten Crux-Stelle keine Chance und finde auch mit auschecken keine stabile Lösung für mich (beim Abseilen hat mir Werner erklärt wie er es gemacht hat - wenn ich mal sehr gut in Form bin werde ich es vielleicht versuchen...). Auch den oberen steilen Teil kann ich nicht sauber klettern (ist aber eher machbar, jedoch ein Ausdauerproblem).
"Prost Mahlzeit", SL2 7a+,  ab hier geht es richtig los. 
"Prost Mahlzeit", SL2 7a+,  Werner schon nach der ersten Crux in der leicht überhängenden Wand.  
SL3, 6c Die Wand flacht hier ab, steilt dann gegen Ende der Seillänge jedoch wieder auf. Auch diese Seillänge ist sehr schön und abwechslungsreich. Ich persönlich habe diese SL gut erwischt; ich fand sie einfacher wie die Zimmerstunden-SL3 (auch 6c).
"Prost Mahlzeit", SL3 6c, auch die letzte SL bietet nochmals interessante und schöne Kletterei.
Werner ist alle 3 Seillängen sauber im Vorstieg das erste mal Rotpunkt geklettert - herzliche Gratulation!
Mit 2x Abseilen sind wir dann wieder unten.

Neutour Zimmerstunde 6c

Wir hatten noch nicht genug und Werner liess mich noch seine Neutour 'Zimmerstunde' im Vorstieg klettern, wobei mir eine Onsight-Begehung gelang (diese Route ist natürlich schon wesentlich einfacher wie die Prost Mahlzeit).
SL1, 6b Schöne und kurze Seillänge; den Stand kann man auslassen (am Stand keine Exe einhängen wegen Seilzug) und gleich die SL2 anhängen.
SL2, 6c Nach dem Stand steilt die Wand wieder auf mit teilweise etwas athletischen und auch etwas technischen Stellen im grauen Kalk.
Zimmerstunde, SL2, 6c, Werner im Bereich der Crux-Stelle.
SL3, 6c Ab hier ändert der Charakter des Felses markant; er wird braungelb und ist teilweise etwas scharf (aber das ist problemlos) ähnlich wie in anderen Äscher-Sektoren (z.B. gelbe Wand). In diesem ersten, sehr schönen Teil hatte ich mehr Mühe als in SL2 und benötigte mehr Zeit bis ich gute Lösungen fand. Im oberen Teil geht die Route dann in den grauen Schlussteil der Route 'Äscherwand' über.

Mit 2x Abseilen sind wir wieder unten und packen unsere Sachen zusammen. Mit total ca. 10 Seillängen sind wir heute ein Pensum geklettert was in etwa einer mittleren alpinen Mehrseillängen-Route entspricht. Das war sehr schön!

Facts:
Äscher - Neutouren an der Gasthauswand
Prost Mahlzeit 7a+, 3 SL, 6b+, 7a+, 6c, Werner Küng, 2014, 
XXXX, 1.RP durch Werner Küng 4.4.2014
Zimmerstunde 6c, 3 SL, 6b, 6c , 6c, Werner Küng, Erik Zubler, 2014XXXX
Persönliche Einschätzung: Mit den vorgeschlagenen Bewertungen der 2 neuen Routen stimme ich in etwa überein. Man kann natürlich immer über ein "+" mehr oder weniger diskutieren. Schönheit: 4*
Material: 13 Exen
Topo: Neutouren/Sanierung Gasthauswand: PDF-TopoGasthauswand2014 oder auf JO-Säntis
Vielen Dank an Werner für die schönen neuen Routen und die präzisen Topos.
Ebenfalls vielen Dank 
für die umsichtigen Sanierungen an Werner, Erik Zubler und Sepp Ulmann.
Achtung: Vom 1. Mai bis 1. November an Wochenenden und während den Ferien soll an der Gasthauswand nicht geklettert werden (Steinschlag auf die Wanderwege).
Alle weiteren Infos - auch über die anderen Sektoren - finden sich im Kletterführer Alpstein von Werner Küng.

Fazit
Die Gasthauswand ist durch die Sanierungen und die neuen Routen zu einem sehr attraktiven Sektor am Äscher geworden. Im meist grauen und griffigen Kalk finden sich 3-Seillängen-Routen von 6a+ bis 7c. Die Felsstrukturen sind abwechslungsreich und enthalten Elemente von den Äscher-Sektoren Pilastro (slopprig), Kleiner Zahn / Young John (griffig/plattig/teilweise etwas scharf) bis zum braungelb, eher scharfem Fels von Sektor Fritz / Gelbe Wand (Routen 'Kampf der Gummibärchen' oder Zimmerstunde/SL3).   
Blick beim Abseilen in der Gasthauswand auf die schöne, noch einsame Terrasse des Gasthaus Äscher. Schon herrlich gelegen diese Beiz!

Freitag, 30. November 2012

Schafbergwand - Piccolo + Bridge of Light (6c)

Tour Datum: 16.11.2012 

Das schöne Herbstwetter haben Ruedi H. und ich nochmals genutzt für eine MSL-Tour im Alpstein an der Schafbergwand. Um diese Jahreszeit hat es meist keine anderen Kletterer unterwegs, was bei diesen Routen sicher ein Vorteil ist.

Eine sehr gute und detaillierte Beschreibung dieser MSL-Touren von Marcel, welcher die Tour in diesem Frühjahr gemacht hat, findet man hier Schafbergwand-piccolo-bridge-of-light 
Bezüglich der Beurteilung der Schönheit, Absicherung und Schwierigkeit stimme ich mit Marcel's Beurteilung weitgehend überein.
An dieser Stelle poste ich ein paar ergänzende Fotos und einige persönliche Bemerkungen.

Piccolo (6a+, 6a obl.), 4 SL
Eine ideale Aufwärmroute und sicher angenehmer als die Schlucht direkt hoch zur Route "Bridge of Light".
Piccolo, SL 3, 6a+, Ruedi in der Platten-Crux-Querung
Abseilen am Ende von Piccolo (etwas rechts unterhalb des Südturms)  in die Schlucht
Am Ende der Route Piccolo hat es eine gute Abseilstelle von der man mit ein mal Abseilen (2 x 50 m Seil) in die Schlucht gelangt. Unten nehmen wir das Seil auf und steigen problemlos hoch zum Einstieg von Bridge of Light. Sichern bringt hier nichts; so ist man auch einiges schneller.

Bridge of Light (6c, 6b obl.), 5 SL
Von der 1.SL/6c haben wir leider keine Bilder. Sie ist ziemlich pumpig und auch etwas technisch über eine Länge von ca. 15 m aber ich kann sie im Vorstieg punkten. Nachher im oberen Teil wirds einfacher.

Die Seillängen 2-4 folgen dann der Verschneidung entlang, wobei wir meist piazen. Hier kann man die grossen Friends gut brauchen. Man könnte wohl auch 2 Seillängen zusammen hängen (da kurze Seillängen). Teilweise hats eine etwas unangenehme Krümmelschicht auf dem Fels. 
Bridge of light, SL 2 6b, Ruedi nach dem 1.Piaz
Bridge of Light, SL 3, 5c+, Hans für einmal nicht am Piazen

Bridge of Light, SL 4, 6a, weiter gehts mit piazen 
SL 5, 40m, 6c: Das lief ja bisher gut und der Anfang der letzten Seillänge scheint nur ein kurzes Stück wirklich schwierig zu sein. Dem ist auch so, aber hier schätze ich am Ende der Querung einen Griff als gut ein, was aber leider nicht der Fall ist und schwups bin ich weg und habe mein Routen-OnSight vergeben. Anschliessend kann ich die Stelle zwar problemlos klettern, ich ärgere mich aber doch über diesen Patzer; obwohl Plattenkletterei im 6b/6c-Bereich immer ein Restrisiko beinhaltet, war die Stelle jetzt nicht wirklich so schwer. Oben dann bei der 2.Crux beim Überhang nach dem 3.BH (nach dem guten Griff) rutsche ich bei der Querung am Ende einer difficilen Körperverschiebung nach rechts mit dem Fuss ab und hänge schon wieder ein paar Meter tiefer im Seil. Auch dies schien mir wiederum ein unnötiger Abgang zu sein; so kann man natürlich nicht punkten. Insgesamt fand ich diese SL eigentlich einfacher als die SL1 (auch 6c). Vielleicht war ich hier ja schon etwas müde und die Konzentration liess nach...
Bridge of Light, Anfangs SL5, 6c, bei der Plattencrux. anschliessend kommt oben ein längeres grasiges Stück.

Bridge of Light, SL5 6c, kurz vor der 2.Crux; der kleine Überhang ist nicht das Problem sondern nachher
Oben angekommen machen wir uns ans Abseilen über die benachbarte Route "Tanz auf dem Regenbogen".Beim ersten Abseilen klemmt jedoch das Seil beim Abziehen nachdem wir schon ziemlich weit abgezogen haben, aber das andere Seilende ist zum Glück noch nicht durch. Alle Tricks helfen aber nichts; ich muss ca. 15 m hochprusiken und hier sehe ich: ziemlich Pech gehabt; ein Seil hat sich links in einem Ast verhängt, das andere wurde durch einen Grasbüschel rechts aussen gehalten und nach dem Knoten im oberen Teil sind die Seile ineinander verdreht. Nach lösen des Ast- und Grasbüschel-Verhänger und entdrehen des Seils konnten wir das Seil dann gut abziehen. Dies hat uns beinahe 1/2 Stunde gekostet.
Das Abseilen durch die Schlucht gestaltete sich als ziemlich heikel, da Steinschlag kaum zu vermeiden ist; gut ist keine andere Seilschaft unterwegs.
Der letzte Abseilstand in der Wand (2 Haken mit Rapid Mailons drin) kann man von der Farbe her leicht übersehen; am Baum links unten kann man aber auch noch abseilen.

Abseilen; Ruedi im unteren Teil der Schlucht
Achtung: Die Schlucht ist Steinschlag-gefährdet; vor allem wenn mehrere Seilschaften unterwegs sind, sollte man sehr vorsichtig sein oder besser dann nicht einsteigen.

Fazit: Es war interessant mal wieder in diesem Sektor der Schafbergwand zu klettern. Insgesamt sind die Routen aber schon etwas grasig; die klassischen bekannteren Routen Sandührliweg, "Sandi in the moon" oder Frospfeiler an der Schafbergwand scheinen mir doch noch schöner zu sein.
Trotzdem war es ein sehr schöner Tag mit einem gewissen alpinen Erlebniswert. 

Facts: siehe Facts von Schafbergwand-piccolo-bridge-of-light 

Sonntag, 28. Oktober 2012

Moor-Moorphium 7b/6c

Klettern am Moor im Alpstein
Tour Datum: Donnerstag 25.10.2012

Das letzte Mal war ich vor ca. 15 Jahren am Moor als ich den damals unsanierten KCG-Weg kletterte, welcher mich aber bzgl. der Absicherung (alte, rostige Schlaghaken) gar nicht überzeugte. In der Zwischenzeit wurden jedoch einige Routen am Moor saniert und es hat neue - meist sehr anspruchsvolle - Routen gegeben (bis zu 8a+). Die Route Moorphium hatte ich schon länger auf dem Radar.
Zustieg zum Moor von der linken Seite, teilweise etwas ausgesetzt (T4)
So freute ich mich sehr, kursfrisitig mit Ruedi, dem Erschliesser der Moor-Route 'Teddy und Thomas', und sehr guten "Moor-Kenner" einen geeigneten Partner für diese Route zu finden.
Wir trafen uns dann um 7:20 in Wildhaus. Den Zustieg hatten wir in knapp 2 Stunden bewältigt und sind um 9:40 in die Route eingestiegen mit dem Ziel am Ende über diese wieder abzuseilen.
Ganz rechts im Bild startet die Route Moorphium und zieht links hoch
SL 1, 6c, 35 m: Entgegen meinen Erwartungen fängt die erste Seillänge einfach an und auch die Crux vor dem kleinen Überhang (der Überhang dann relativ grossgriffig) fand ich eher soft bewertet. Die Wand sieht vom Einstieg her gar nicht so steil aus; aber da täuscht man sich...
Ruedi in SL 1 nach der Plattencrux im kleinen Überhang
SL 2, 6c+, 25 m: Frohen Mutes steig ich in die 2.SL ein, muss aber schon nach einigen Meter beim ersten Überhang kapitulieren da ich direkt über den Haken leicht rechts hochsteige und dort nicht weiter komme. Schliesslich finde ich die Lösung; am besten gehts links rüber an den guten Griff in der Platte oben; das ist aber auch nicht so einfach, da zuerst an kleinen Griffen unterhalb des etwas brüchigen Überhanges gequert werden muss. Aber auch anschliessend ist die Kletterei steil und technisch anspruchsvoll sodass ich nochmals 1-2 Hänger habe. Kleine Friends können/sollten gelegt werden. Diese SL fand ich nicht nur ein "+" schwerer als SL 1.
Ruedi folgt in SL 2 und befindet sich in der 1.Crux

In der SL 2 kurz vor dem Stand; abwechslungsreiche Kletterei in super Fels
SL 3, 6c+, 40 m: Es geht weiter wie in SL 2: Anspruchsvoll, steil und anhaltend mit teilweise weiten Bolt-Abständen. Ich jedenfalls kam ziemlich an den Anschlag und musste schwer atmend 2 mal längere Erholungs-Hänger einlegen aber immerhin konnte ich alles frei klettern. Die Runouts können manchmal mit kleinen Friends entschärft werden, sofern man den Power noch hat diese zu setzten. Um diese SL OnSight zu klettern braucht es schon ziemlich Ausdauer und eine gute Übersicht. Stürzen ist wohl aufgrund der Steilheit eine Option aber 3-5 m über dem letzten Bolt wohl kaum angenehm.
Ruedi sichert den Autor in SL 3, welcher bei einem "Erholungs-Hänger" ein Foto vom bisherigen Verlauf macht. Auch hier super, teilweise scharfer Fels 
Nachdem wir 3 Stunden für die ersten 3 SL hatten war ich mir nicht mehr sicher, ob wir heute noch ganz durchkommen, doch Ruedi, der die Route schon kannte, ist optimistisch.

SL 4, 7b oder 6b/A0 , ca. 30 m: Anfangs gehts einfach rechts hoch zu den grossen Schuppen wo noch vor dem 1.Bolt ein Friend gesetzt werden kann. Beim 2.Bolt dann die 7b rsp. 6b/A0-Stelle, welche recht gut mit Hilfe eines Bolts überwunden werden kann. Die 7b-Stelle habe ich (wie wohl viele andere) gar nicht ernsthaft versucht zu klettern; sie ist aber relativ kurz (2-3 m) an einer sehr feingriffigen Platte (sieht etwas splitterig aus). Wenn ich gewusst hätte, dass die meisten Hauptschwierigkeiten vorbei sind, hätte ich die Stelle schon noch etwas ausgecheckt (aber wohl erfolglos...).
Ruedi in SL 4 nachdem er eben die 7b-Stelle mit A0 überwunden hat
Der Autor im Nachstieg im oberen Teil in SL 4 , wo es nicht mehr schwerer als 6b ist.
SL 5, 6c , 35 m: Das Gelände ist nicht mehr so steil und eher etwas plattig; mit etwas Geduld und Übersicht ist diese SL gut OS kletterbar. Ich empfand sie eher als soft für den Grad.
Ruedi folgt in der gutmütigen aber ebenfalls schönen SL 5 (6c)
SL 6, 6b , 50 m: Anfangs über längere Passagen grasig/einfaches Gehgelände hat es dann doch noch einige Felsaufschwünge welche zwar Bolts haben, ein Sturz aber wohl auf einem Bödeli enden kann. Vor allem der 6b-Quergang am Schluss sollte sicher geklettert werden, da man infolge der Seildehnung auf unschönes Gelände stürzen würde. Ruedi meistert die Stellen aber sicher, als Nachsteiger kann man hier diesbezüglich entspannt klettern. Entgegen der Angabe im Topo (45 m) reicht 50 m nur knapp; ich musste mich jedenfalls am Schluss aus dem Stand lösen, was aber unproblematisch ist (50 m Doppelseil ist ok). Auf Seilzug achten (Exen im unteren Teil verlängern). Die Bewertung 6b fand ich ok.
SL 6 ist Anfangs über längere Passage einfach mit Grasabschnitten....
SL 6 hat aber gegen Ende noch eine schwere Stelle auf  Lager: Ruedi in der Linksquerung
Hans an derselben Stelle von SL 6: die Herausforderung ist hier auf das Band zu stehen, wobei die Wand oberhalb grifflos ist. Meine Lösung, welche gut funktionierte: Rechts den guten Griff krallen (Bild) und links möglichst hoch auf den Rand des Bandes stehen und hochdrücken; man ist zwar kurz ziemlich zusammengeklappt aber so muss man nicht auf den Knien das Band hochrobben. Kurz vor dem Stand wartet dann noch eine feingriffige Linksquerung-Stelle (verschiedene Lösungen entweder eher von unten oder für Grosse direkt queren).
SL 7, 6c+ , 20 m: Da die athletische Crux gleich am Anfang beim 1.Bolt ist kann man sie gut auschecken und falls man sie - wie ich - nicht auf Anhieb durchziehen kann, kann man gut nochmal zurück und einen weiteren OS-Versuch planen. Beim 3 mal hab ich dann die Stelle so geklettert: Mit links hoch an den guten Griff (nur für die Finger) ziemlich oberhalb des Bolts, möglichst hoch stehen und mit rechts in das grosse aber slopperige Loch hoch, welches man anschliessend auch weiter oben nach links belasten könnte und mit links an den breiten Griff unterhalb des Grasbüschels greifen kann. Da es nichts zum stehen mehr hat braucht dies ziemlich Power und ich umgehe dies mit einem dynamischen Schnapper mit Links an den Griff oben (was ich nur wage weil die Stelle so gut abgesichert ist). Ruedi findet eine wohl einfachere, stabilere Lösung ca. 1-1.5 m links vom Haken; ich denke aber, dass dies kaum die 'Idee' der Erstbegeher war (wobei in alpinen MSL das nicht so genau genommen wird ;-). Der Rest der Seillänge ist dann einfacher im Bereich 6b/6b+ mit guten Rastpunkten.
Die Crux (6c+) gleich Anfangs von SL7 : das Ziel ist der Griff links oben unterhalb des Grasbüschels! Die Absicherung ist hier für einmal super (Klettergartenmässig) und stürzen problemlos.
Blick vom Ausstieg der Route ins Toggenburg zu den Churfirsten; genial so an der Sonne  über dem Nebel im T-Shirt zu klettern!
Ruedi freut sich in der Schluss-SL 7 über die schönen Kletter-Moves und dass er gleich oben ist.
Am Ausstiegs-Stand hat es ein komfortables Felsplateau wo wir uns gemütlich hinsetzen, etwas essen und trinken, plaudern und die tolle Aussicht geniessen. Sogar ein Adler kommt kurz auf Besuch!
Mit knapp 5 1/2 Stunden Kletterzeit haben wir im oberen einfacheren Teil doch eine noch vernünftige Zeit erreicht. Während wir für die ersten 3 SL volle 3 h hatten, benötigten wir für die oberen 4 SL nur knapp 2 1/2 h; das sagt doch auch einiges über die Schwierigkeiten der Seillängen.
Am Ausstieg der Route kreist dann noch als Highlight ein Adler über uns! Beurteilt er uns als leichte Beute weil wir so abgekämpft aussehen? ;-) Nein, in den oberen Seillängen konnten wir uns wieder erholen. Hinten das Rheintal im Nebel.
Dann machen wir uns nach einer längeren Pause ans Abseilen. Hierbei ist es entgegen dem Topo nicht notwendig zuerst nach links zu queren, sondern man kann problemlos direkt vom Ausstieg der Moorphium nach links unten zum nächsten Abseil-Stand queren. In knapp 1 Stunde sind wir unten.
Abseilen an den Stand von SL 3; hier bekommt man einen Eindruck von der Steilheit von SL 3 welche links hochgeht.
Unten am Einstieg geniessen wir nochmals ausgiebig die Sonne und die Aussicht und haben gar keine Lust ins Tal in den Nebel zu steigen. Schliesslich machen wir uns doch auf den Weg und erreichen in knapp 1 1/2 Stunden kurz vor 19 Uhr beim Eindunkeln Wildhaus. Das war wieder einmal ein super schöner Herbst-Klettertag im Alpstein!

Facts

Alpstein, Moor, Moorphium 7b (6c obl.), 7 SL, Dominik und Lukas Dürr, Christoph Looser, 1998
Meine Bewertung gemäss Marcel: Schönheit: ****, Absicherung: xx - xxx
Material: 12 Express, Friends 1-2 wobei ca. 1 auch doppelt, Schlingen, 2 x 50m Seile
Topo: SAC Alpsteinführer (2011)
Insgesamt eine sehr schöne Route mit meist super und kompaktem Fels, welche aber wegen der fehlenden Homogenität meiner Meinung nach nicht die vollen 5 Sterne verdient. Chico Mendez am Zuestoll ist z.B. homogener. Die Route lässt sich mit Äscher-Kletterei vergleichen, wobei die Absicherung natürlich wesentlich anspruchsvoller/weiter ist. Vor allem ist 6c in den SL 2 und 3 obligatorisch und sollte nicht unterschätzt werden; in diesen Seillängen hat es auch ein paar Maillon Rapid's in den Bolts von ungeplanten Rückzügen hängen. Die Bolts sind aber sehr gut gesetzt.