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Donnerstag, 14. August 2014

Zervreilahorn - Braveheart (6c)

Tour Datum: 08.08.2014
Nachdem wir bereits vor 3 Wochen am Zervreilahorn waren und die 'Con todo guerrero' geklettert sind wollten wir noch die als 5* klassierte Route mit dem schönen aber etwas respekteinflössenden Namen 'Braveheart' klettern.

Die Verhältnisse waren ähnlich wie beim letzten Mal ausser dass das Wetter nicht so stabil angesagt war. Angaben bezüglich Zustieg etc. sind im Bericht Con todo guerrero zu finden; hier vor allem noch einige Bilder von der Route und eine kurze Beschreibung der Seillängen. 


Der Einstieg der Route ist ca. 30 m links der Nanouk (rsp. der 'Con toto guerrero'); es hat dort 1 Bolt.
SL1, 6b, 35m, Oben ein sehr schöner Piaz welcher mit wenigen Bolts gesichert ist, man muss sich entscheiden ob man über eine längere Strecke durchpiazzen oder doch noch was dazwischen legen soll. Durchziehen mit etwas 'Braveheart' ist wohl besser.
Braveheart, SL1, 6b sehr schöne Start-Seillänge
SL2, 6c35m, Der feingriffige Quergang ging mir gut und bis zum nächsten Bolt kann man dann auch gut im Riss selber absichern. In der Mitte wartet aber ein grosser, unangenehmer Grasbüschel den ich mangels Alternativen im Fels als Griff verwende (3 m über dem Bolt - hält er oder hält er nicht? Er hielt...). Sonst aber eine sehr schöne, vielfach plattige Seillänge. 
Braveheart, SL2, 6c, Ruedi schon im oberen Teil.
SL3, 7a+ oder 6b+/A0 (oder ca. 6c+)35m, Anfangs noch einfacher im 6a/b-Bereich kommt die Crux am Schluss. Ruedi quert beim letzten Bold rechts hinaus ohne 1pa (er schätzt ca. 6c+); gemäss Topo ist hier 1pa mit Pendelquergang nach rechts angesagtVielleicht hat Ruedi hier die Querung nach rechts als erster (?) frei geklettert. Ich versuche im Nachstieg direkt die 7a+ hoch, muss aber ins Seil hängen. Nach etwas auschecken der feingriffigen Crux kann ich dann am Limit durchsteigen. Die Stelle schien mir machbar, wobei im Vorstieg dies natürlich auch nochmal was anderes ist. Auch diese Seillänge ist wunderschön.
SL3, 6b+/1pa bis 7a+ je nach Variante. Die Platten-Crux ist noch weiter oben.
SL4, 6c, 25m, Die schön aussehende Verschneidung klettert sich besser als es den Anschein macht. Oben beim sehr schönen Fingerschuppen-Piaz hatte ich dann einen unnötigen Sturz weil ich auf eine Flechte gestanden und gerutscht bin - selber Schuld. Beim zweiten Versuch ging es dann gut.
SL4, 6c, die Verschneidung sieht ziemlich grifflos aus, es geht aber besser als man denkt.
SL4, 6c, Dieselbe Seillänge im oberen Teil. Ruedi im anstrengenden, steilen Fingerschuppen-Piaz.
SL5, 6b40m, Sehr schön und im mittleren Teil eindrücklich steil, wobei es ein etwas unübersichtliches Dach zu überwinden gilt. Oben dann herrliche Plattenkletterei.
SL5, 6b, Anfangs noch einfacher wird es ab hier athletisch und speziell.
SL5, 6b,  Hier dieselbe SL schon nach dem Dach; herrlich schöner Granit.
SL6, 6c30m, Diese Seillänge hätte ich vorsteigen sollen; ich war dann aber froh als Ruedi aufgrund meiner skeptischen Blicke die doch recht spezielle und anspruchsvolle Verschneidung übernahm. Souverän meistert er diese abwechslungsreiche aber steile und schwierige Seillänge in der manchmal in der Mitte gespreizt, dann links oder rechts geklettert werden kann (vermutlich gibt es einige verschiedene Lösungen). Ich habe in dieser Seillänge grosse Mühe und muss ins Seil hängen; für mich war dies die schwerste Seillänge der ganzen Route. Aber ich bin auch kein Verschneidungs-/Riss-Spezialist im Granit. Anyway ... diese SL braucht im Vorstieg einiges an "Braveheart".
SL6, 6c, Die eindrückliche, dunkle Verschneidung muss bis zum 1.Bolt selber mit 2 Cams gesichert werden.
SL6, 6c, Es müssen unterschiedlichste Klettertechniken eingesetzt werden, hier zur Abwechslung links am Pfeiler.
SL7, 6b, 25m, Diese SL bietet Platten und etwas Piaz-Technik. Die Crux ist beim Bolt am Ende der Platte. Mit einer langen Bandschlinge am Ende der Platte kann ein allfälliger Pendler des Nachsteiger verhindert werden (die Route geht links weiter). Vor dem Stand dann nochmal eine kurze etwas schwerere Stelle, welche aber gut selber abgesichert werden kann.
SL7, 6b, Anfangs sehr schöne, relativ kurze Platte am Pfeiler
SL7, 6b zum Schluss noch eine fotogene Stelle mit dem Zervreilastausee
SL8, 6c30m, Der berühmte Zick-Zack-Riss ist wirklich genial aber auch recht anstrengend. Bei der total flachen Platte fackelt Ruedi nicht lange und klemmt den rechten Fuss hoch oben in den Riss rein. Da dies etwas schmerzhaft ist, versuche ich es erst mit der flachen Platte alleine, was aber sehr viel Kraft kostet und nicht klappte, sodass ich schlussendlich auch den Fuss in den Riss klemmte. 
SL8, 6c, am Anfang des genialen Zick-Zack-Riss (unten noch einfacher)
SL8, 6c, Der Zick-Zack-Riss am Ende der Crux mit der spiegelglatten Platte
SL9, 5c+, 25m (nicht 40m wie im Topo), Gleich Anfangs die Crux, welche sich nicht gut absichern lässt und ein Grounder auf das Band droht (man kann aber schon bald einen grossen Camalot legen). Dann ein schöner Riss/Verschneidung. Im oberen Teil noch 1 Bolt, anschliessend kann man nicht mehr gut absichern (stumpfe Risse); es ist aber auch nicht mehr schwer und der Ausstieg-Stand folgt schon bald.
SL9, 5c+ Nochmals ein schöner Riss/Verschneidung
Nach gut 5 Stunden sehr abwechslungsreicher, toller und spannender Kletterei erreichen wir den Ausstieg. Das Wetter hat zum Glück gehalten; ein Rückzug mittels Abseilen über die Route wäre auch sehr gut möglich gewesen (sehr gute Stände mit Abseilringen).
Der Ausstieg von Braveheart, hinten der langgezogene Gipfel des Zervreilahorns.
Abgeseilt sind wir dann auch wieder über die 'Fahnenroute'.

Facts:
Zervreilahorn,  Südostwand
Braveheart, 9 SL, 6c 1pa (6c obl.) oder 7a+, Fritz Humm / Michael Illien, 2005

Material: 10 Express, Camalot 0.1-3, 2 x 50m Seil
Persönliche Einschätzung: Die Bewertungen empfand ich als in etwa angemessen ausser der SL6 (Verschneidung), welche ich schwerer fand (Ruedi, der Verschneidungsspezialist ist nicht dieser Meinung). Die Route ist solide mit Bohrhaken eingerichtet und kann gut zusätzlich mit mobilen Sicherungsmitteln abgesichert werden (XXX) , sodass an den schwierigeren Stellen (über 6a) keine längeren Runouts zu befürchten sind.
Schönheit:  4-5*; die vollen 5* (*****) würde ich jetzt nicht gerade geben.

Topo
- SAC Kletterführer Graubünden (2013) 
- Sehr gutes Braveheart-Topo (PDF) von Michael Illien mit treffenden Bemerkungen auf adventure laentaclimb
- Schweiz extrem ost

Fazit
Die Route Braveheart wird zu Recht für ihre Schönheit gelobt.
Während Ruedi die Route schon zum zweiten Male sauber klettern konnte, hatte ich an 3-4 Einzelstellen doch Mühe aber es hat doch noch viel Spass gemacht. Im Vergleich zu der Hammerbruch am Salbit fand ich die Braveheart schöner und auch etwas schwerer.
Michael 
Illien hat folgende recht treffende Beschreibung auf bergtour.ch gemacht:
"Der Routenname spricht schon Bände...hier ist wirklich Herz und Einsatz gefragt. Die Route ist wohl die abwechslungsreichste Tour am Zervreilahorn. 9SL zwischen 6a+ bis 6c, 1 Stelle pa. (6c obl.) oder 7a+. Jede einzelne Seillänge ist anders. Es werden vom Vorsteiger immer wieder ganz unterschiedliche Qualitäten gefordert und man muss so ziemlich das gesamte Kletterrepertoire ausgraben, damit man in dieser Tour an Höhe gewinnt. Die Stände sind alle bestens gebohrt und auch dazwischen stecken immer wieder solide Bolts. Die mobile Absicherung fällt hier aber doch mehr ins Gewicht, und die Psyche wird mehr gefordert als bei der "Nanouk"..."

Donnerstag, 31. Juli 2014

Zervreilahorn - Con todo guerrero (6c)

Tour Datum: 17.07.2014
Das Zervreilahorn ist ein sehr schöner Berg mit ebenso schönen Kletterrouten im Granit. Da Ruedi die meisten Routen dort schon kannte, entschieden wir uns für die 'Con todo guerrero', eine Clean-Climb-Route, d.h. die Route muss komplett selber abgesichert werden. Leider haben wir jedoch die Route im oberen Teil nicht gefunden, sodass wir dort dann die 'Lord of Camalot' geklettert sind. 

Da im Mittelland Temperaturen bis zu 30 Grad angesagt waren und noch viele Gebiete nass waren, entschieden wir uns 
für die Südostwand des Zervreilahorn (2'898m) als geeignetes Tourenziel . In die Clean-Route 'Con todo guerrero' hätte ich mich nicht getraut aber mit dem erfahrenen USA-Risskletterer Ruedi können solch abenteuerlichen Routen schon angegangen werden.

Mit dem Auto sind wir via Vals zum Zervreilasee hochgefahren und vom Parkplatz bei der Kapelle kurz nach 7 Uhr mit den Bikes über die Canalbrücke und rechts dem See noch ein kleines Stück entlang bis zu den Wegweisern gefahren, von wo wir zu Fuss auf dem Wanderweg Richtung Furggelti hochgestiegen sind.
Das Zervreilahorn von der Ebene oberhalb des Zervreilasees. Links die Südostwand mit den alpinen Sportkletterrouten.
Auf dem Weg zum Furggelti muss man im richtigen Moment rechts abzweigen und unten dem Band entlang bis hinauf zu einem grossen Steinmannli wandern (Zustieg siehe SAC-Kletterführer Graubünden). 
Zustiegsrinne zu den Routen in der Südostwand. Oben quert man dann nach links dem Wandfuss entlang. 
Hier geht man rechts hoch bis zu einer geeigneten Zustiegsrinne und diese hoch (T5) und dann links dem Wandfuss entlang zu den Kletterrouten. Mit dem Bike benötigten wir 2 Stunden für den ganzen Zustieg, ohne hätte man noch ca. 1/2 Stunde länger.

Con todo guerrero (6c, 8 SL)

Den Einstieg haben wir nicht sofort gefunden, da gemäss dem SAC-Kletterführer die Route etwas links der Nanouk (1 Bolt am Stand, der Routenname ist kaum mehr lesbar) beginnt; dort hat es jedoch mehrere Risse welche in Frage kommen. Gemäss dem Foto-Topo ist jedoch der Riss unmittelbar links der Nanouk der richtige (das Foto-Topo hatten wir nicht dabei). Dort sind wir - auf gut Glück - um ca. 9:30 eingestiegen.

SL1, 6a+, 40m, Anfangs ist das Risssystem breit, wird dann aber zu einem sehr schmalen Fingerriss. Da Ruedi diese Stelle schwerer als 6a+ einschätzt und wir nicht sicher sind ob dies der richtige Riss ist da er oben voller Dreck ist, quert er links (schwierig) zum nächsten Risssystem, welches athletisch an grossen Griffen gut zu klettern ist (Achtung: lose Blöcke). Dieses und auch das links davon liegende Risssystem ist jedoch oben nicht besonders lohnend weshalb er mit viel Seilzug wieder in das rechte Risssystem hochklettert (Teilabbau der Cams notwendig) wo er dann auch den Stand-Bolt findet. 
Con todo guerrero,  SL1, 6a+, An dieser Stelle ist Ruedi links um den Block geklettert; richtig wäre jedoch  weiter dem Fingerriss rechts entlang zu folgen. Gleich rechts davon verläuft die Route Nanouk (mit Bolts).
Con todo guerrero,  SL1, 6a+, Hans im oberen Teil
SL2, 6a+35m, In einem schönen, langen und athletischen Riss müssen die verschiedensten Rissklettertechniken angewendet werden. Ich empfand es schwerer; mindestens 6b. 
Con todo guerrero,  SL2, 6a+, Körperriss-Stelle; gut geeignet zum platzieren des Cams, aber der Nachsteiger muss auch in den Riss hinein zum Einsammeln.
Con todo guerrero,  SL2, 6a+, Hans in einer längeren Piaz-Stelle. Schön aber anstrengend.
SL3, 6a+35m, Zuerst links weg einfacher ins grosse Risssystem, oben dann wieder rechts an weiteren Rissen hoch. Nicht ganz so schön wie SL2 aber teilweise auch anstrengend und anforderungsreich. Auch diese SL empfand ich hart bewertet.
Con todo guerrero,  Stand SL3. Den Bolt kann man durch einen Cam ergänzen (dies ist bei den meisten der 1-Bolt-Ständen gut möglich).
Con todo guerrero,  SL3, 6a+, zuerst etwas einfacher wird es oben wieder anspruchsvoller. Dort klettert man dann eher rechts haltend  hoch.
Con todo guerrero,  SL3, 6a+, oberer Teil; teilweise wieder Piaz-Risse.
SL4, 5a50m,  rsp. Variante links 6a-6b, ca. 55m Diese SL hat uns sehr viel Zeit gekostet, da Ruedi oben den Stand-Bolt einfach nicht finden konnte und schliesslich in einer linken neuen Variante an den Stand von SL6 der 'Lord of Camalot' geklettert ist, wobei er diesen mit 50m nicht erreichte (wir mussten ein paar Meter gemeinsam klettern). Im mittleren Teil ging er gemäss Topo rechts einfach hoch, hat aber keinen Stand-Bolt gefunden und ist wieder im unangenehmen, etwas brüchigen Gelände zurückgeklettert (und dies mehrmals!). Schlussendlich hat er sich links für eine schwere, neue Variante (ca. 6a bis 6b) entschieden, welche einem Risssystem etwa 10 m rechts der 'Lord of Camalot' folgt (siehe Fotos).
Con todo guerrero,  SL4, 5a, Anfangs noch in der richtigen Route im 5a-Bereich, oben flacht das Gelände ab und ist über längere Stecken alpin/einfacher (3-4) aber auch schwerer zum Absichern.
Con todo guerrero,  SL4, 5a,  mittlerer Teil; gemäss Topo sollte die Route eigentlich rechts vom Spitz oben verlaufen.
Con todo guerrero,  SL4, Variante links, welche Ruedi dann gewählt hat, was wohl eine Erstbegehung ist (?). Die Original-Route ginge hier wohl rechts von der braunen Spitze vorbei (?).
Con todo guerrero,  SL4, neue Variante links von oben betrachtet, den schönen Riss würden wir im Bereich 6a bis 6b bewerten. Rechts unten auf dem Band ist der Stand SL5 von 'Lord of Camalot'.
Con todo guerrero,  SL4, neue Variante vermutlich links der Originalroute im letzten, oberen Teil. Auch hier nochmals schön im Bereich von 6a
SL5, 5c+20m, rsp. Variante links 6b-6c, ca. 40m zum Stand SL7 von 'Lord of Camalot'.
Ruedi versucht nochmals einen Anlauf um wieder in die 
'Con todo guerrero' zu gelangen und klettert rechts der Route 'Lord of Camalot' in den grossen Riss, welcher gemäss Topo durchaus die SL5 sein könnte. Sobald man im Riss ist, merkt man jedoch, dass dies nie 5c+ ist sondern eher im Bereich 6b-6c. Auch anschliessend folgt nochmals ein ähnlich anspruchsvolles Risssystem, wobei nicht klar ist, welches man am besten wählt. Ruedi wählt den schmalen Ausstiegs-Riss links; rechts wäre es einfacher gewesen aber zum Absichern hat es dort dafür kaum Möglichkeiten. Im oberen Teil hat Ruedi dann von Clean-Climbing genug und ist in die mit Bolts bestückte SL6 (6c+) der 'Lord of Camalot' gewechselt, welche auch oben noch im Bereich 6b-6c liegt (Pfeiler, siehe Foto).
Stand SL6 von 'Lord of Camalot'
Vom Stand SL6 von 'Lord of Camalot' die herrliche Aussicht Richtung Zervreilasee. Rechts in der Wand führt die eindrückliche Route Nanouk hoch.
Con todo guerrero,  SL5, Ruedi in der neuen Variante links. Die SL6  (6c+) der 'Lord of Camalot' geht links davon dem eindrücklichen, schmalen Riss hoch (mit den schlechten Normalhaken). 
Con todo guerrero,  SL5, linke Variante, ca. 6b-6c, der untere Rissteil gleich nach dem Stand von SL6  'Lord of Camalot' . Auf den ersten Blick sieht es nicht so schwer aus, was aber täuscht da die Wand rechts voll glatt ist.

Con todo guerrero,  SL5, linke Variante, ca. 6b-6c, der obere Rissteil mit den verschiedenen Risssystemen. Auch diese Risse sind schwierig zu klettern (spreizen, klemmen) und müssen zudem wie die ganze Route selber abgesichert werden.  
''Lord of Camalot' SL6 (6c+) oberer Teil (mit Bolts). Dieser relativ einfach aussehende Pfeiler ist sehr dificil mit vielen unangenehmen Flechten und man findet die richtigen Griffe nicht sofort (ich jedenfalls nicht).
'Lord of Camalot', SL7, 6a+20m, Zuerst klettert man hinunter um dann an das linke Risssystem und den 1.Bolt in der Wand zu queren. Anschliessend den Riss hoch bei dem der Ausstieg nochmals etwas tricky ist. Oben muss man dann rechts halten damit beim grossen braunen Block rechts der Stand erreicht wird.
''Lord of Camalot' SL7, 6a+,  Die Crux ist am Anfang die Querung nach links und der Riss-Ausstieg. 
'Lord of Camalot', SL8, 6a, (20m), Zuerst klettert man etwas ausgesetzt rechts hinunter und dann rechts die Platte hoch um links dann wieder am Riss hochzukommen. Nach dem Ausstieg wird's dann einfacher und man kann gleich bis auf den breiten Gipfelbereich weiterklettern (Stand an grossen Felsbrocken mit Cams gemacht). Im Topo hat es noch einen Stand dazwischen mit einer SL 5a/20m aber diesen Stand haben wir nicht gesehen.
''Lord of Camalot' SL8, 6a, Ruedi freut sich, dass der Gipfel bald erreicht ist. Well done und Gratulation! 
Um 15:20, nach beinahe 6 Stunden anspruchsvoller und teilweise anstrengender Kletterei sind wir beide am Ausstieg angekommen. Die relativ lange Kletterzeit ist hauptsächlich die Folge vom Suchen der Route im oberen Teil, aber auch durch das selber setzten aller moblien Sicherungspunkte bedingt.
Dort sind wir dann in einfacherem, blockigem Gelände zum grossen Steinmann auf den nördlichen Gipfel (ca. 2800 m) gestiegen, wo wir gemütlich was Kleines gegessen und die schöne Aussicht genossen haben. Mit 5 problemlosen 
Abseilmanövern über die Fahnenroute (Nanouk) erreichen wir in gut 1/2 Stunde wieder den Einstieg.


Zervreilahorn nördlicher Gipfel mit Zervreilasee, Steinmannli und dem Autor.
Zervreilahorn, oberste Abseilstelle Fahnenroute
Nun wanderten wir gemütlich mit einem Verpflegungshalt an der Sonne zum Bike-Depot-Platz zurück, von wo es nochmals mit dem Bike ca. 130 Hm zum Parkplatz hochgeht, den wir um ca. 18:30 nach total ca. 11:30 Stunden erreichen. Wieder einmal ein sehr schöner, erlebnisreicher Tag in den Bündner Bergen; vielen Dank, Ruedi für die Idee und die Ausführung/Lead

Nachtrag 15.8.2014: Das Topo vom neuen SAC-Führer ist im oberen Teil ziemlich sicher falsch. In der nachträglichen Begehung der Braveheart haben wir oben einen "Con todo guerrero"-Stand-Bolt links der "Lord of Camalots" gesehen; gemäss dem Topo müsste die "Con todo guerrero" immer rechts der "Lord of Camalots" verlaufen. In der 5. SL kreuzt unseres Erachtens die "Con todo guerrero" die "Lord of Camalots". Die Verschneidung ist wahrscheinlich gemeinsam. Die 6. SL der "Con todo guerrero" verläuft weitgehend 2-3 m rechts der "Braveheart". Zudem ist die "Lord of Camalots" zu kurz gezeichnet: 
     - Der 5. Stand von "Con todo guerrero" und "Lord of Camalots" liegen z.B. gleich hoch. 
     - Die "Lord of Camalots" geht auch ganz auf den Gipfelgrat. Die letzte SL ist rechts der markanten gelben Platte.
Das sieht dann in etwa so aus:
Die 'Con todo guerrero' ist rot gezeichnet (Foto-Topo von Michael's Website); die 'Lord of Camalot' verläuft im oberen Teil rechts davon (und nicht links) 
Ruedi hat Thomas Wälti, Michael Illien und Lukas Dürr informiert. Michael denkt, dass unsere Einschätzung vermutlich stimmt; von Lukas haben wir noch keine Antwort erhalten.

Facts:
Zervreilahorn,  Südostwand
Con todo guerrero, 8 SL, 6c, Lukas Dürr / Martin Ruggli, 2005, Alles Clean, Stände jeweils ein Bohrhaken.

Material: Klemmkeile und 2 Sätze Friends
Persönliche Einschätzung der ersten 3 Seillängen: Die Bewertungen empfand ich auf der harten Seite. Die Route kann gut mit mobilen Sicherungsmitteln abgesichert werden (XXX) wobei hierzu viel Erfahrung notwendig ist.
Schönheit: unterschiedlich; 2-4*
In SL4 und SL5 ist Ruedi wohl teilweise neue Linien in anspruchsvollen Rissen (6a-6c) geklettert.
Lord of Camalot, 8 SL, 7a+, Simon Oswald / Sandro Meier 2007XXX. Wir sind nur die letzten 2 1/2 SL geklettert, welche weniger spannend als die unteren SL sind.

Topo
- SAC Kletterführer Graubünden (2013) ; Achtung: das Topo stimmt für diese Route im oberen Teil nicht.
- Foto-Topo auf adventure-laentaclimb von Con todo guerrero Die Route ist nicht enthalten im Kletterführer Valsertal 2004 von Michael Illien (da sie später entstand).
Infos und News: adventure laentaclimb , aktuell (Mitte 2014) scheint die Website nur bis ca. 2011 upgedatet zu sein.

Fazit
Eigentlich sind wir nur die ersten 3 1/2 Seillängen der 'Con todo guerrero' geklettert; die folgenden 2 SL waren dann wohl teilweise neue Linien zwischen der 'Con todo guerrero' und der  'Lord of Camalot' und die letzten 2 1/2 SL sind wir die  'Lord of Camalot' geklettert. Wir wissen nicht sicher, wo genau die 'Con todo guerrero' im oberen Teil durchführt... (siehe oben)
Sachdienliche Hinweise nehmen wir gerne entgegen!
Ruedi's Fazit für den unteren Teil der 
'Con todo guerrero'  ist jedenfalls klar auf der negativen Seite; es sei die unlohnendste Route gewesen, welche er in diesem Sektor bisher geklettert ist.
Ich finde die Route bezüglich den Anforderungen an die Rissklettertechnik, die Routenfindung (!) und den Umgang mit mobilen Sicherungsgeräten sehr anspruchsvoll und war froh, dass Ruedi den Vorstieg gemacht hat. Aber so war es für mich doch eine sehr schöne und spannende Tour mit einem eindrücklichen Ambiente.

Samstag, 19. April 2014

Äscher - Neutouren Gasthauswand

Tour Datum: 04.04.2014
Am Äscher klettert man im Sektor Gasthauswand am besten in der Nebensaison, wenn es keine Wanderer hat. An diesem Tage konnte ich mit Werner unter idealen Bedingungen seine neuen Routen 'Zimmerstunde', 6c und 'Prost Mahlzeit', 7a+ testen, wobei Werner die erste Rotpunkt-Begehung der Schlüsselseillänge der Prost Mahlzeit und der ganzen Route gelang.

Endlich wieder mal draussen im Alpstein auf der Ebenalp am Äscher klettern! Werner war in diesem milden Winter jedoch bereits schon mehrere Male hier und hat einige alte Routen saniert und auch 2 neue tolle Routen im Sektor Gasthauswand erschlossen, welche im folgenden beschrieben werden.

Gasthaus Äscher mit Werner der sich aufwärmt und die Routen in der Gasthauswand begutachtet. Links hinten der Altmann.
Die älteren, etwas einfacheren Routen eignen sich ideal zum Einklettern.

Sanierte Routen 

Folgende Routen sind wir geklettert (es hat noch mehr sanierte Routen hier; siehe aktuelles Topo):
Fürobedweg/Veltlinerweg 6b
SL1, 6b Anfangs noch einfacher aber schon bald müssen geeignete Lösungen im kompaktem und etwas slopperigem aber doch meist griffigem Kalk gesucht werden.
Fürobedweg, SL1, 6b, sehr lohnende Route in kompatem Fels. Die Neutouren sind rechts davon.
SL2, 6b Diese Seillänge ist relativ kurz; Werner hat sie gleich mit der SL1 zusammengehängt. Der Fels ist hier teilweise ziemlich scharf, da meine Finger durch den Felskontakt kalt und gefühllos geworden sind muss ich ins Seil hängen um sie aufzuwärmen; ich bin wohl vom Hallenklettern noch etwas verweichlicht... Anschliessend waren wir aber aufgewärmt und es wurde auch wärmer, sodass die Temperaturen kein Problem mehr darstellten.
SL3, 6a+ Der Fürobedweg endet hier. Links geht nun der Plätteleweg weiter (welcher von rechts unten kommt), wir wählen jedoch den Veltinerweg, welcher in homogener Plaisirkletterei gerade hoch führt. Diese Route wurde bei der Sanierung vorteilhaft begradigt, sodass auch bei kurzen Exen nun kein unangenehmer Seilzug mehr entsteht.
Veltlinerweg 6a+ Bester Fels und sehr gut saniert.
Äscherwand 6c+, 2 SL
Wir haben nun nur eine Seillänge bis Mitte Wand abgeseilt um die frühere A0-Route 'Äscherwand', welche nun auch sehr gut saniert ist, zu klettern. 
SL1, 6c+ Anfangs noch einfacher an einer grossen Schuppe entlang hoch. Die markante und interessante Crux-Stelle kommt im mittleren Teil und ist onsight nicht einfach zu haben (ich konnte sie jedenfalls nicht punkten).

Route 'Äscherwand' 6c+. Rechts davon führt im gelbbraunen Fels die 3.SL von der neuen Route Zimmerstunde hoch.

 'Äscherwand' 6c+ ,Werner kurz vor der Crux welche er sauber durchziehen kann.
SL2, 5b Diese für den angegebenen Grad gar nicht so einfache Seillänge wurde auch mit einigen gut platzierten Bolts saniert und führt am Schluss über eine Platte bis ans obere Ende der Wand.

Mit 2x Abseilen im überhängenden Gelände sind wir wieder unten und geniessen bei einem Picknick die schöne und ruhige Stimmung bei der Gasthauswand.

Neutour "Prost Mahlzeit"  7a+

Nun geht es wieder zur Sache; Werner will seine Neutour nach einem gescheiterten Versuch nun Rotpunkt klettern.
SL1, 6b+ Die erste SL ist wie beim Fürobedweg oder der Zimmerstunde kurz; es empfiehlt sich hier jedoch Stand zu machen, da die nachfolgende Seillänge die Crux-SL ist. Sie eignet sich gut um wieder auf Betriebstemperatur zu kommen.
"Prost Mahlzeit", SL1, 6b+, Werner im schönen und griffigen Kalk
SL2, 7a+ Anfangs noch einfacher mit ca. 6b kommt man zu einem markanten Dächli an welchem man links entlang hochklettert. Dann quert man rechts in die steile Platte mit der ersten sehr schweren Crux. Es bleibt anschliessend steil und anspruchsvoll mit immer wieder einigermassen guten Griffen - beinahe wie die 'Patent Ochsner' in den Wenden - sehr schön!. Werner gelingt mit vollem Einsatz die erste Rotpunkt-Begehung dieser Seillänge. Ich habe bei der ersten Crux-Stelle keine Chance und finde auch mit auschecken keine stabile Lösung für mich (beim Abseilen hat mir Werner erklärt wie er es gemacht hat - wenn ich mal sehr gut in Form bin werde ich es vielleicht versuchen...). Auch den oberen steilen Teil kann ich nicht sauber klettern (ist aber eher machbar, jedoch ein Ausdauerproblem).
"Prost Mahlzeit", SL2 7a+,  ab hier geht es richtig los. 
"Prost Mahlzeit", SL2 7a+,  Werner schon nach der ersten Crux in der leicht überhängenden Wand.  
SL3, 6c Die Wand flacht hier ab, steilt dann gegen Ende der Seillänge jedoch wieder auf. Auch diese Seillänge ist sehr schön und abwechslungsreich. Ich persönlich habe diese SL gut erwischt; ich fand sie einfacher wie die Zimmerstunden-SL3 (auch 6c).
"Prost Mahlzeit", SL3 6c, auch die letzte SL bietet nochmals interessante und schöne Kletterei.
Werner ist alle 3 Seillängen sauber im Vorstieg das erste mal Rotpunkt geklettert - herzliche Gratulation!
Mit 2x Abseilen sind wir dann wieder unten.

Neutour Zimmerstunde 6c

Wir hatten noch nicht genug und Werner liess mich noch seine Neutour 'Zimmerstunde' im Vorstieg klettern, wobei mir eine Onsight-Begehung gelang (diese Route ist natürlich schon wesentlich einfacher wie die Prost Mahlzeit).
SL1, 6b Schöne und kurze Seillänge; den Stand kann man auslassen (am Stand keine Exe einhängen wegen Seilzug) und gleich die SL2 anhängen.
SL2, 6c Nach dem Stand steilt die Wand wieder auf mit teilweise etwas athletischen und auch etwas technischen Stellen im grauen Kalk.
Zimmerstunde, SL2, 6c, Werner im Bereich der Crux-Stelle.
SL3, 6c Ab hier ändert der Charakter des Felses markant; er wird braungelb und ist teilweise etwas scharf (aber das ist problemlos) ähnlich wie in anderen Äscher-Sektoren (z.B. gelbe Wand). In diesem ersten, sehr schönen Teil hatte ich mehr Mühe als in SL2 und benötigte mehr Zeit bis ich gute Lösungen fand. Im oberen Teil geht die Route dann in den grauen Schlussteil der Route 'Äscherwand' über.

Mit 2x Abseilen sind wir wieder unten und packen unsere Sachen zusammen. Mit total ca. 10 Seillängen sind wir heute ein Pensum geklettert was in etwa einer mittleren alpinen Mehrseillängen-Route entspricht. Das war sehr schön!

Facts:
Äscher - Neutouren an der Gasthauswand
Prost Mahlzeit 7a+, 3 SL, 6b+, 7a+, 6c, Werner Küng, 2014, 
XXXX, 1.RP durch Werner Küng 4.4.2014
Zimmerstunde 6c, 3 SL, 6b, 6c , 6c, Werner Küng, Erik Zubler, 2014XXXX
Persönliche Einschätzung: Mit den vorgeschlagenen Bewertungen der 2 neuen Routen stimme ich in etwa überein. Man kann natürlich immer über ein "+" mehr oder weniger diskutieren. Schönheit: 4*
Material: 13 Exen
Topo: Neutouren/Sanierung Gasthauswand: PDF-TopoGasthauswand2014 oder auf JO-Säntis
Vielen Dank an Werner für die schönen neuen Routen und die präzisen Topos.
Ebenfalls vielen Dank 
für die umsichtigen Sanierungen an Werner, Erik Zubler und Sepp Ulmann.
Achtung: Vom 1. Mai bis 1. November an Wochenenden und während den Ferien soll an der Gasthauswand nicht geklettert werden (Steinschlag auf die Wanderwege).
Alle weiteren Infos - auch über die anderen Sektoren - finden sich im Kletterführer Alpstein von Werner Küng.

Fazit
Die Gasthauswand ist durch die Sanierungen und die neuen Routen zu einem sehr attraktiven Sektor am Äscher geworden. Im meist grauen und griffigen Kalk finden sich 3-Seillängen-Routen von 6a+ bis 7c. Die Felsstrukturen sind abwechslungsreich und enthalten Elemente von den Äscher-Sektoren Pilastro (slopprig), Kleiner Zahn / Young John (griffig/plattig/teilweise etwas scharf) bis zum braungelb, eher scharfem Fels von Sektor Fritz / Gelbe Wand (Routen 'Kampf der Gummibärchen' oder Zimmerstunde/SL3).   
Blick beim Abseilen in der Gasthauswand auf die schöne, noch einsame Terrasse des Gasthaus Äscher. Schon herrlich gelegen diese Beiz!