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Samstag, 7. März 2015

Selun Brisi Schneebrett

Tour Datum: 6.3.2015

Der Brisi ist eine beliebte, mittelschwere Skitour, welcher gemeinhin bezüglich der Lawinengefahr als relativ sicher eingestuft wird. Es gibt einige, welche behaupten, auf dem Brisirücken sei es sicher und sie hätten noch nie ein Schneebrett dort gesehen; ich widerspreche dann jeweils. Hier nun der Beweis. 

Eigentlich wollte ich an diesem ersten schönen Tag nach einer längeren Schneefallperiode mit Lawinenstufe 'erheblich' (slf-Archiv vom 201503060800) nur auf den Selun und dann vielleicht noch ins Frümseltäli, aber es kam anders.

Selun

Von Starkenbach (Posthaltestelle) bin ich um ca. 9:15 hochgelaufen. Auf dem Weg im steilen Wald waren die Verhältnisse sicher; da es kalt war bestand keine Schneerutschgefahr und zudem war der Weg nirgends eisig und auch noch nicht verfahren.
Brisi, Frümsel und der flache Selunrücken vom Vorderselun aus.
Vom Vorderselun bis weit den Selunrücken hoch hatte es 20-30 cm schönen Pulverschnee, im oberen Teil dann war er wie üblich teilweise hart und abgeblasen. Der Selunrücken ist nie gefährlich, da er die Steilheit von 30 Grad kaum übersteigt.
Blick vom Selun Richtung Westen, man beachte die grossen Wächten vorne von den starken Winden der letzten Tage.
Vom Selun Richtung Osten mit Walensee und Seeztal, links der Brisi.
Auf dem Selun habe ich dann bei schönstem Wetter die super Aussicht genossen und gemütlich zu Mittag gegessen. Die Abfahrt war dann Anfangs etwas ruppig (wie üblich) mit einem Steinkontakt, dann in eher schwerem Schneebrettschnee und in den flacheren Teilen super Pulverschnee; also insgesamt für den Selun sehr gute Verhältnisse. Auf dem Vorderselun habe ich mich aufgrund der guten Verhältnisse und da ich nicht die langweilige und eher unschöne Waldwegabfahrt nach Starkenbach machen wollte, entschlossen, noch Richtung Frümseltäli hochzugehen. Bis Strichboden und dann östlich hinab nach Rugg/Wildmannlisloch, ca. 1580 m, wo ich die Felle anzog und einer eben von 2 anderen Skitourengänger gut angelegten Spur folgte.
Chalttal mit Frümsel und Selun. Hier gehts nochmal hoch. Bei sicheren Verhältnissen kann man rechts im Bild bereits früher in die Mulde abfahren.
Bis ca. Punkt 1862 m hoch und dort Richtung Nord-West hinunter querend bis unterhalb des Brisi (von unten rechts) auf ca. 1650 m gefahren. Zwischen Selun und Brisi gibt es einige grössere, teilweise steile Bachtobel welche bei diesen Verhältnissen besser gemieden werden.
Unterhalb des Frümsels Richtung Brisi. Hier bin ich links runter gefahren. Die Spur rechts führt in exponiertes Gelände unterhalb steilen Frümselhängen.
Beim Hinabfahren habe ich den Brisi-Rücken genauer angeschaut und sah, dass bereits wenige Skitourenfahrer runtergefahren sind und vor allem war in der Mulde ein kleiner Lawinenkegel sichtbar. Statt ins Frümseltäli hab ich dann entschieden auf den Brisi zu gehen.  

Brisi

Den Brisi kenne ich gut und weiss, dass im linken meist abgeblasenen Teil (von unten gesehen) eigentlich fast immer ein lawinensicherer Weg möglich ist, wobei das Hauptproblem vielfach darin besteht, dass der Rücken sehr hart oder gar eisig ist (ich ging schon mit den Steigeisen hoch). Bei der Schlüsselstelle unten an der Fels-Steilstufe waren die Verhältnisse sehr gut; insbesondere war ein Schneebrett rechts davon schon abgegangen (dies ist eine bekannt kritische Stelle). Auch der Rest des Rückens war auf einer guten Spur problemlos zu begehen (ohne Harscheisen). Wie am Selun hatte es allerdings auch hier teilweise kompakte Schneebretter von 20-30 cm Dicke, welche von den starken Winden und dem Schneefall der letzten Tage herrührten; die typischen Warnsignale für eine Triebschnee-Situation wie vom Lawinenbulletin gemeldet. Die vorhandene Aufstiegsspur war aber sicher gelegt (dafür etwas viele Spitzkehren).
Schöne Stimmung auf dem Brisi Richtung Walensee und die Glarner Alpen.
Hier haben die Dohlen das Sagen!
Auf dem Brisi erneut eine herrliche Rundsicht. Nun war ich gespannt auf die Abfahrt. Man fährt meist links die Mulde hinunter, wobei Anfangs die steilen Passagen (deutlich über 30 Grad) bei 'erheblich' tunlichst gemieden werden sollten. Der windgepresste Schnee von ca. 20-30 cm auf harter Oberfläche war gut fahrbar. Vorsichtshalber bin ich zwei bereits existierenden Spuren nachgefahren, welche vom Gelände gut und relativ sicher gewählt waren. In der Mitte der Mulde (auf ca. 2040 m) rechts (von oben gesehen) dann das kleine Schneebrett (ca. 100 m x 20 m) mit dicker Abrissstelle (1-2 m) und unten teilweise relativ grossen Schneebrett-Teilen.

Brisi-Mulde Schneebrett-Anrisstelle auf ca. 2040 m. Hier wurde lokal eine sehr dicke Schneebrettschicht verfrachtet.
Das kleine Schneebrett vom selben Punkt aus.
Der untere Teil des Schneebrettes; die grossen Klötze stammen wohl von der dicken Anrisstelle.
Haben dieses Schneebrett die Vorgänger heute ausgelöst? Ganzverschüttet wird man wohl eher nicht, aber verletzten könnte man sich schon! Bei noch mehr Neuschnee (z.B. 50 cm) wäre es jedoch entsprechend gefährlicher. Viel befahrene Hänge gelten gemäss der aktuellen Lawinenkunde als weniger gefährlich weil die Oberfläche zerfurcht ist. Allerdings kann bei sehr vielen Befahrungen (am Brisi kann es auch mal 50 Skitourengeher an einem Tag haben) der Hang so abgefahren sein, dass er wie auf einer Piste glatt wird und sich grössere Gleitflächen bilden können, wie dies heute der Fall war. 
Danach bin ich rechts hinüber gefahren und im Aufstiegsbereich den Rest des Rücken hinuntergefahren. Der Felsabsatz konnte gut überwunden werden (nach links hinaus); vor 3 Wochen mussten wir noch dem Sommerwanderweg nach, da es links direkt hinunter zu wenig Schnee hatte. Bei viel Schnee ist dieser Bereich sehr kritisch; mir sind hier 2 Unfälle aufgrund von Schneerutschen bekannt, wobei ein Sturz über den ca. 20 m-Felsriegel sehr unangenehm sein kann.
Brisi-Rücken mit dem Schneebrett im oberen Bildbereich. Unten die ebenfalls kritische Felsriegel-Schlüsselstelle. Im steilen Gipfelbereich ist ein dritter, lawinenmässig kritischer, Bereich zu erkennen. 
Nach dem Rücken hatte ich dann nochmals super Pulverschnee. Bei genügend Schnee kann man direkt nach Horb hinunterfahren, was heute möglich gewesen wäre. Da ich in Alt St.Johann abgemacht habe, fahre ich jedoch auf der Langlaufloipe nach Selamatt. Um ca. 17 Uhr war ich dann wieder im Tal. 
Das war ein herrlicher Tag mit für einmal noch unverspurten schönen Abfahrten!

Fazit: Obwohl der Brisi sehr viel befahren wird, können Lawinen zwar selten aber doch ab und zu auftreten. Aufgrund der Steilheit des Rückens, welcher meist 30 Grad, teilweise aber auch steiler ist, erstaunt dies eigentlich nicht. 
Selun (2204 m) und Brisi (2279 m) lassen sich gut kombinieren wenn man die mind. 2'000 Hm nicht scheut; die beschriebene Variante ergibt ca. 2'200 Hm. (Ok, man könnte es von der Sellamatt her auch einfacher haben). 
Zwischen Selun und Brisi muss auf die steilen Bachtobel geachtet werden (Schneebrett-Gefahr), weshalb dieses Gelände bei schlechter Sicht besser gemieden wird (ausser man geht nach einem genauen GPS-Track).

Sonntag, 25. August 2013

Zuestoll - Solitaire (7a)

Tour Datum: 22.8.2013
Ursprünglich hatten wir geplant am Chäserrugg klettern zu gehen, aber nachdem ich von Marcel vernommen hatte, dass er seine neue Route Solitaire am Zuestoll gepunktet und freigegeben hat,  haben wir uns kurzfristig umentschieden.
Die Beschreibungen von Marcel in seinem sehr guten  Erstbegehungs-Blog will ich hier nicht wiederholen sondern beschränke mich auf Ergänzungen und unsere persönlichen Erlebnisse.

Nachdem ich vor langer Zeit (vor 16 und 18 Jahren) die super schöne Chico Mendez geklettert bin, war ich erst vor 1 Woche wieder einmal an der Zuestoll-Südwand um die Route Allerheiligen zu klettern (Bericht von Robert). Ausser Marcel, der seine neue Route fertiggestellt hat, hatten wir sonst niemand in der Zuestoll-Südwand getroffen, weshalb ich angenommen habe, dass auch an diesem Donnerstag niemand in der Wand sein wird.
Deshalb - und weil wir genügend Zeit hatten - haben wir uns entschieden die Route Verdon-mässig zu klettern, d.h. vom Gipfel abzuseilen um ohne schwere Wanderschuhe und ohne die exponierte Bandquerung von Paliisnideri an den Einstieg zu gelangen. Der grosse Nachteil dieser Variante ist jedoch, dass man hierfür fast 1 1/2 Stunden länger benötigt. Im Abschnitt 'Taktik' von Marcel sind effizientere Zustiegsmöglichkeiten beschrieben (welche uns schon auch bekannt waren). 
Um 10:15 sind wir dann über die Chico Mendez  in 6 x  zum Stand der SL 2 abgeseilt (SL1, 3b ausgelassen).
Blick vom Stand der Crux-SL von Chico Mendez (beim Abseilen) Richtung Walenstadt. Links in der Wand verläuft die steile neue Route Solitaire.
Leider sind aber diesmal schon 2 Seilschaften vor uns in der Route, welche auf dieselbe Idee gekommen sind; 2 Deutsche (welche gleich nach uns bei der Breitenalp parkiert haben) und 2 Franzosen.

Start um ca. 11:15 nachdem wir uns bereit gemacht und noch etwas gewartet haben.
Trotz der super schönen Route fängt mein Bericht hier leider nicht sehr positiv für mich an, da ich in den ersten 2 Seillängen gleich 2 Stürze infolge Felsausbruch in Kauf nehmen musste. Anschliessend lief aber alles 'normal' und wir haben die Route sehr genossen.

SL2 25m, 6b,  Der Start der Solitaire ist am gleichen Stand wie bei der Route Allerheiligen aber die Solitaire verläuft gerade hoch über die Platte. Nach der ersten Reebschnur in einer Sanduhr folgt eine schöne Plattenstelle. Nach dem 3 Bolt  dann sehr unerwartet ein Seitgriff-Ausbruch einer mindestens handgrossen Schuppe links mit einem Sturz von ca. 4-5 m. Zum Glück macht es uns nichts (ausser kleinen Schürfungen). Die Stelle ist deshalb nun aber nicht viel schwerer, oberhalb des Ausbruchs geht die - dort besser mit dem Fels verwachsene - Schuppe weiter.
Solitaire, SL2, 6b, Griffausbruch: Hans zeigt auf die Stelle des Ausbruchs (siehe rote Pfeile, unterhalb des nächsten und letzten BH). Die Franzosen am Stand von SL3.  Man beachte auch den grossen Rucksack des Nachsteigers.
SL3 20m, 7a, Die Franzosen haben etwas lange, sodass wir schon nach der ersten Seillänge warten mussten. Zuerst gerade hoch, die Querung nach rechts, bis man die grosse Schuppe gefasst hat, ist nicht ohne. Als ich von dort dann weiter hochklettern will, ein sehr unerwarteter Trittausbruch im kompaktem Fels links der Schuppe aber noch in der Platte (noch nicht im Aufschwung): eine etwa fussgrosse, quadratische, ca. 2 cm dicke Platte gleich unterhalb des Aufschwungs, noch auf der geneigten Platte, bricht bei der Gegendruckbelastung (mit den Händen an der Schuppe oben) aus und ich stürze ein weiteres Mal ins Seil; allerdings diesmal  wegen der vielen Bolts an dieser Stelle nicht weit.
Nachher bin ich bei der Crux (am Ende des Aufschwungs) leider auf den Bolt gestanden; ich wollte nicht gerade nochmal einen Sturz riskieren. Die SL ist wohl eher 6c+, aber ich kann es nicht richtig beurteilen nach dem Sturz und meinem Hakentritt-'Bschiss'.
Solitaire, SL3 7a, Sturz vor der Crux wegen Trittausbruch. Etwas seltsam, dass die Franzosen ihr Seil meist die Route runterhängen lassen... (was für die Nachsteiger natürlich störend ist)
SL3 7a, Zoomansicht.,der Autor zeigt auf den Trittausbruch in der geneigten Platte (roter Pfeil; das rechte Seil von der oberen Seilschaft schneidet die Trittausbruchfläche, welche man aber aus dieser Perspektive kaum sieht).

SL4 20m, 6c, Die Crux besteht darin, beim Dach an den grossen Henkel zu gelangen (Grosse sind im Vorteil); Die Bewertung 6c ist wegen dieser Stelle ok. Gegen Schluss noch etwas lose scheinende grossen Schuppen, welche aber stabil waren. Vorsichtig jedoch an den Stellen mit etwas splittrigem Fels. 
Der Bolt oben vor dem Linksquergang ist vorbildlich gesetzt um einen Pendelsturz des Nachsteigenden zu vermeiden.
Solitaire, SL4 6c, wenn man diesen Henkel hat, dann hat man die Crux bereits geschafft.
SL5 30m, 6b+ , Sehr schön und anhaltend, aber man findet auch immer wieder Ruhepunkte. Bei der athletischen Crux ist nicht sofort klar ob links oder rechts klettern am besten ist; ich verrate es jetzt mal nicht :-)
Solitaire, SL5 6b+, steil aber meist relativ grossgriffig.
SL6 25m, 6c, Die Crux war für mich die technische Stelle beim 2.-letzten Bolt wo man irgendwie nach links an den kleinen aber guten Wandgriff gelangen muss, dann nach links um die gute Schuppe von links belasten zu können und in die Wand links stehen. Da brauchte ich einige Zeit um eine Lösung zu finden. 
Viel einfacher ginge es, wenn man rechts ausweicht, wie dies die vor uns kletternde Seilschaft vormachte, was aber sehr schade und auch gefährlicher ist und man zudem ein allfälliges Onsight/Rotpunkt dadurch vergibt (man kommt nicht mehr an den letzten Haken ran) .
Solitaire, SL6 6c, Abwechslungsreiche Kletterei in kompaktem Fels
Solitaire, SL6 6c, die Linksquerung an dieser Stelle hinauf zur Schuppe ist die Crux-Stelle
SL7, 35m, 6b Lange und wunderschöne SL. Der direkte Ausstieg am Schluss dann ein weiter Zug an kleinen Griffen, ich habs etwas dynamisch geklettert; diese Stelle schien mir etwas über 6b aber wenn man alle Griffe finden würde soll es 6b sein.
Die vor uns kletternde Seilschaft ist immer wieder ziemlich nach links an die Schuppen ausgewichen und auch am Schluss sind sie bei der Crux-Stelle links ausgewichen; es kann aber ziemlich alles in direkter Linie den BH entlang geklettert werden (für den 1.Bolt ging ich auch links an den Riss).
Solitaire, SL7 6b, super schöner Fels. An einigen Stellen könnte an die Schuppen links ausgewichen werden.
SL7 6b, diesmal von oben. Ignaz noch einige Meter vor der direkten Ausstiegs-Crux. Rechts erkennt man gut die einfachere Umgehungsvariante.
SL8 35m, 6c, Sehr schön und athletisch; die Crux dort wo der Riss gegen oben schmaler wird; ich habe die Stelle mit Hand-/Fingerklemmer geklettert. 
Oben dann nochmals anspruchsvolle Aufschwünge und Reibungsstellen (einfach immer in der Linie bleiben, dort ist der Fels auch fest), die letzten paar Meter dann zwar einfach, aber mit teilweise splittrigem und unzuverlässigem Fels. Mir schienen die Hakenabstände im oberen Teil relativ gross (für xxxx).
Solitaire, SL8 6c, Hans vor der athletischen Crux (dem Seilverlauf folgend, links dem Riss nach hoch)
SL8 6c, im oberen, etwas splitterigen Teil (Selbstfoto von Hans während dem klettern)
SL9 40m, 6b, Der 1.Bolt steckt hier ziemlich hoch für das der Fels doch etwas splittrig und das Gelände für einen Sturz auch nicht optimal ist (zudem Sturz in den Stand). Der Henkel-Wulst war etwas nass im Loch/Riss, d.h. vor allem ein nasser aber guter Griff musste verwendet werden, das ging bei uns aber gut, die Seilschaft vor uns tat sich jedoch schwer damit und haben noch einen Friend gesetzt. Hier mussten wir ziemlich lange auf die vor uns kletternde Seilschaft warten.
Im oberen Teil dann eine senkrechte Platte in der die Bolts stecken. Ich habe im unteren Teil der Platte auf Anhieb keine gute Lösung (mit 6b) gesehen und bin links in das Gras gestanden. Anschliessend weiter in der Platte und oben rechts an die gute Kante und an dieser hoch.
Solitaire, SL9 6b,  Anfangs etwas splitteriger Fels. Das Loch rechts des Seiles war nass.
SL9 6b,  diesmal gezoomed erkennt man die obere Platte gut. Rechts davon der Abschluss der genialen letzten Seillänge der Patriot welche ich vor einer Woche als Ausstieg der Allerheiligen geklettert bin.
SL9 6b, dieselbe Platte aber von oben mit Ignaz an einer schönen (kurzen) Piaz-Stelle.
SL9 6b, Ausstieg; die Hauptschwierigkeiten der Solitaire sind geschafft! Unten der Walensee.
SL10 25m, 5b Die Kletterei wäre zwar schön; ich empfand den Fels aber als etwas brüchig und für mich schwer einschätzbar (man sieht, dass in letzter Zeit einige Brocken ausgebrochen sind) und empfand die Hakenabstände deshalb als etwas zu gross. Ich bin deshalb im unteren Teil links im Gras 'geklettert'. Einen kleinen, zuverlässig wirkenden Griff hatte ich dann einmal bereits bei geringer Belastung einfach so in der Hand. Für im alpinen Gelände erfahrene Kletterer ist es aber kein Problem ziemlich soliden Fels zu finden und die Bolts sind auch solide gesetzt.
SL10 5b, Ignaz in der letzen, bzgl. Felsqualität eher zweifelhaften Seillänge.
Um 17:25 sind wir beide am Ausstiegsstand; wir benötigten ca. 6:10 für die 9 SL (ohne Vorbau-SL). Wir haben aber mind. 1/2 h mit Warten auf die vor uns kletternde Seilschaft gebraucht und waren auch sonst eher gemütlich unterwegs (schneller Klettern hätte auch nichts gebracht).
Nachdem wir uns verpflegt hatten wanderten wir über den Nordrücken zurück zur Breitenalp.

Allgemeines: 

  • Gemäss dem Wandbuch haben wir die 5.Begehung gemacht, nach Marcel/Kathrin (Gratulation!), Dani/Ilja (1.Onsight, Gratulation!) und den 2 Seilschaften (nicht onsight) von heute vor uns.
  • Ich habe fast ein Onsight geschafft und konnte alles sauber im Vorstieg klettern ausser die 7a-SL3 wo ich auf einen Bolt gestanden bin und dann eben die 2 Felsausbruch-Stürze (SL2 und SL3). N.B. den Erstbegeher-Blog von Marcel haben wir noch nicht gekannt.
  • Mehrere Seilschaften gleichzeitig in der Route: Die meisten Stände sind zwar einigermassen geschützt, das gilt aber nur bedingt für jenen nach SL2, derjenige nach SL4 ist Steinen aus den beiden folgenden SL und auch aus dem Bereich der letzten 3-4 SL von Baustop ausgesetzt und der nach SL5 ist voll in der Schusslinie von SL6. Deshalb sollte man diese Situation möglichst vermeiden (wie in den meisten anderen Routen).
    Vorsicht vor Steinschlag auch beim Vorbau, falls Leute in der Route(n) sind.
  • Da die Route vermutlich sehr beliebt sein wird, lohnt es sich auch mobile Sicherungsmittel mitzunehmen sodass man auch eine der daneben liegenden Routen klettern kann falls bereits jemand in der Route ist.
  • Die Crux-Stellen sind immer sehr gut gesichert und können meist mit A0 überwunden werden, an wenigen Stellen kann man die Schwierigkeiten auch umgehen. Ca. 6b ist obligatorisch aber erst wenn man 6c gut klettert macht es m.E. wirklich Spass.
  • Die vor uns steigende Seilschaft war etwas überfordert (viele Hänger) und vor allem der Nachsteigende mit dem schweren Rucksack war zu bedauern. Ein solch schwerer Rucksack sollte in der doch teilweise ziemlich athletischen Route vermieden oder dann mittels Haulbag nachgezogen werden. 
Facts
Zuestoll - Solitaire 7a (6b obl.) - 10 SL, 295m - Marcel Dettling 2011-2013 - ****, xxxx; Meine Bewertung: xxxx (Passagen über 6b)/ xxx (sonst)
Material: 10 Express, Keile und Friends nicht nötig (trotzdem evtl. mitnehmen um in eine andere Route ausweichen zu können)
Topo: Erstbegehung (super gutes Topo) oder 'Schweiz Extrem Ost'

Vielen Dank an Marcel für diese wirklich tolle und interessante Route und die super gute Beschreibung mit dem sehr genauen Topo! Und vor allem ist noch erwähnenswert, dass Marcel diese Route von unten alleine eingerichtet hat.

Fazit:
Super schöne Route, die es mit der Chico Mendez durchaus aufnehmen kann, aber etwas athletischer und schwieriger ist. Dennoch, der Zuestoll ist alpines Gelände, d.h. es hat wie in allen Routen dort auch einige etwas splittrige Stellen, die man sicher bewältigen können sollte. Man lasse sich auch bzgl. der Absicherung nicht täuschen: obwohl keine mobilen Sicherungsmittel notwendig sind und an den schweren Stellen keine weiten Abstände warten, handelt es sich keineswegs um eine Klettergarten-Plaisir-Route.
Die Bewertung der Schwierigkeiten von Marcel teile ich durchwegs.

Freitag, 7. Dezember 2012

Spezielle Lawinensituation März 2012 Gluristal

Tour Datum: 10.3.2012

Aus meinem Archiv will ich hier über eine eigentlich banale Skitour ins Gluristal vom letzten März 2012 berichten. Das spezielle war aber die Lawinensituation, welche ich an diesem Ort so noch nie gesehen habe.

Die Skitour im Toggenburg von der Sellamatt ins Gluristal ist eine einfache Tour, welche ich seit über 20 Jahren mindestens einmal im Jahr unternehme. 
Die Route kann man meist auch bei "erheblich" machen wobei bei kurzen steilen (lichten) Waldpassagen sowie unterhalb des Glurissattels Vorsicht geboten ist. Vor allem unterhalb des Glurissattels war mir auch schon nicht so wohl wegen den Triebschneeansammlungen in den Flanken (Hinterrugg und Schibenstoll) oben. Kleinere harmlose Trockenschnee-Lawinenabgänge von den Flanken habe ich zwar schon beobachtet aber bis anhin noch nie was grösseres. Die Hauptgefahr sind ja bekanntlich durch Skitourengeher selbst ausgelöste Schneebretter und weniger Lawinen 'von oben'.

An diesem Tag war ich dann erstaunt, dass die Aufstiegsspur im unteren Teil  ziemlich rechts (westlich) von der üblichen Spur hochführte. Erst bei der Abfahrt zeigte sich, was die Ursache dafür war: 2 grosse Nasschnee-Lawinenkegel bedeckten die übliche Aufstiegsspur etwas nördlich von 'Gluris'/Pkt. 1694 und führten ziemlich weit in die Mulde hinunter. Die Kegel waren wegen den grossen Blöcken schwierig zu überqueren; halt wie typische Frühlings-Nasschnee-Lawinenkegel. Der Hang oberhalb ist nur ca. 100-150 m hoch und weist meist steiles, felsiges Gelände auf und konnte doch diese grossen Lawinenkegel erzeugen! Da war ich schon sehr erstaunt! Offensichtlich hatte sich in diesen Hängen, d.h. in den relativ kleinen grasigen Hangteilen zwischen den Felsen eine grosse Menge an Triebschnee angesammelt.
Lawinenkegel  oberhalb Gluris noch vor den Schären. Im Rücken des Fotografen hatte es nochmal einen ähnlich grossen Kegel.
Die Ursache dieser Nasschnee-Lawinenkegel war eine vorhergehende starke Erwärmung, was dann später auch im  SLF-Bericht in folgender Form nachgelesen werden konnte:

  • 24. Februar bis 01. März 2012
    Starke Erwärmung, zwei Zyklen mit hoher Aktivität von Nass- und Gleitschneelawinen
  • 02. bis 08. März 2012
    Zunächst noch Nass- und Gleitschneelawinen, dann Anstieg der Gefahr für trockene Lawinen

Oberhalb der Schären, hinten das Gluristal ohne grössere Lawinenkegel obwohl das Potential in diesem Bereich grösser wäre.

Blick vom Gluristal oben Richtung Westen mit Tödi und schönem Nebelmeer. Das Foto entstand am 29.1.2012 (um zu zeigen wie schön es dort oben ist...)
Fazit: Auch im Gluristal sollte man je nach Gefahrenstufe defensiv auf Skitouren gehen, insbesondere bei starker Erwärmung. Und Lawinen sind eben doch unberechenbarer als man denkt.

Sonntag, 11. November 2012

Klettergarten Gluristal

Tour Datum: 20.10.2012

Hier soll 'unser' Klettergarten im Gluristal vorgestellt werden. Ich finde, dass er eigentlich sehr attraktiv ist und mehr Begehungen verdient hat und zudem noch einiges Felspotential für Neuerschliessungen vorhanden wäre.
Diesen Herbst konnte ich seit langem wieder einmal die Routen in unserem Klettergarten im Gluristal klettern und war begeistert wie gut der Fels dort ist. Er ist durchaus mit dem Äscher zu vergleichen; nur hat es bisher leider erst wenige Routen. Der einzige Nachteil ist, dass es im Bereich 4c - 6a keine Routen hat (weil wir keine einfache Route gefunden haben).
Auf unserer SAC-Uzwil-Sektions-Seite haben wir den Klettergarten oberhalb unseres Clubheims schon seit über 12 Jahren beschrieben inkl. Topos. Hier will ich einige ergänzende Informationen, insbesondere auch über den Zustand der Routen, veröffentlichen. Generelle Angaben wie Zugang etc. findet man am Schluss dieses Posts (Facts).

Zaubertrank, 6a+, 1 p.a. oder 6c+, 30 m (linker Wandteil)
Dies war die erste Route, welche wir 1997 von unten eingerichtet haben. Alle anderen Routen haben wir dann von oben gebohrt. Die 6c+-Crux kommt gleich nach dem 2.Bolt (unaufgewärmt nicht so zu empfehlen), kann aber gut mit A0 geklettert werden. Oben dann eher plattig mit Bändern unterbrochen und einem kleinen Piaz. 
Route Zaubertrank, Hans am Einbohren von unten; ein 'historisches'  Bild von 1997 ;-)


Zaubertrank, unterer Teil mit der Crux nach dem 2.Haken (oben in der Bildmitte); es gilt an die Schuppe hoch mit Untergriff zu kommen wobei die Platte vorher kaum Griffe hat.
Zaubertrank, Viktor bereits nach der Crux, welche gut auch mit A0 überwunden werden kann.
Zaubertrank, oberer Teil, auf den Bändern kann man sich gut erholen. Die Route zieht von links nach rechts hoch, weshalb am besten ein Nachsteiger die Exen rausholt.
Miraculix, 6c, 1 p.a. oder ca. 7a-7b, 25 m (linker Wandteil)
Gleich nach dem ersten Bolt kommt eine 6c-Stelle; die Lösung ist nicht sofort ersichtlich: rechts unten mit der Untergriffschuppe und dann hoch an die Strukturen geht es. Die 1 p.a.-Stelle beim 4.Bolt konnten wir bisher nicht klettern, ich habe nun aber eine Lösung gefunden, welche kletterbar ist (im Bereich ca. 7a bis 7b), die geht etwa so: von guten Griffen an der Schuppe rechts etwas höher stehen, mit rechts an den noch relativ guten Griff weit rechts oben in der Platte, Foodhook links an die Schuppe unten (zum stabilisieren), mit links an feinen Griff, links hochstehen, links an 2-Fingergriff weit hoch, höher stehen rechts, an Unterschuppe rechts aussen hoch greifen, rechts eindrehen und mit links an guten Griff weit oben schnappen (Crux-Move). That's it. Nach dem vielen probieren der Einzelstellen schmerzten mir die Finger leider zu sehr um alles aneinander im RP zu hängen.
Oben kann man dann entweder die Variante eher links oder rechts klettern, wobei die rechte Variante noch eine Piazzschuppe hat. Beide Varianten sind sehr schön.

Miraculix, Hans versucht die Crux-Stelle frei zu klettern. Super Fels
Miraculix, in der Variante rechts geklettert. 
Hinkelstein, 6b, 30 m (rechter Wandteil)
Der erste Teil ist eher plattig, die Herausforderung dann an die grosse Schuppe zu kommen. Wenn man direkt nach dem 3.Bolt an die grosse Schuppe nach rechts klettert und an dieser weiterpiazzt,  ist der 4.Bolt viel zu tief gesetzt und kann kaum mehr geklinkt werden (eine Möglichkeit ist den 4.Bolt zuerst zu klinken und dann zurück und tief unten rechts an die Schuppe queren). Besser wäre ein Bolt an der Schuppe oben (den sollte man evtl. noch bohren). Aber vielleicht war unsere Idee damals direkt hoch zum 4.Bolt zu klettern (und erst dann an die Schuppe), was mir jedoch deutlich schwerer erschien. Die längere Piazz-Schuppe erfordert dann athletische Ausdauer. Oben dann immer noch steil mit meist guten Griffen, welche man aber nicht immer sofort sieht. Ein paar Meter vor dem Stand noch ein kleiner Überhang (gutgriffig). Eine wirklich abwechslungsreiche Seillänge und wohl eher eine 6b der alten Schule (6b+ oder 6c fänd ich heute auch ok).
Hinkelstein, abwechslungsreich und athletisch mit längerem Piaz an der grossen Schuppe

Y2K, 7a, 1 p.a. oder ? (auch 6c obl., 3 p.a. möglich), 1.SL 12 m (6b, alt 6a+), 2.SL 22 m, (7a) (rechter Wandteil)
Diese Route haben wir im Jahre 2000 kreiert, der Name ist die Abkürzung für 'Year 2000' und spielt auch auf die Computerprobleme an, welche wegen dem Jahrtausendwechsel damals ein grosses Thema waren.
Wir hatten heute leider keine Zeit mehr, diese Route zu klettern. In der 2.SL hat sie aber noch eine schwere Stelle welche wir bisher nicht frei klettern konnten. Es wäre natürlich interessant zu wissen, ob sie frei kletterbar ist und wenn ja, welche Schwierigkeit. 

Y2K, auch hier super Fels
Wie erwähnt, hat es vor allem zwischen dem linken und rechten Sektor noch viel Felspotential (ca. 200 - 300 m) für neue Routen, wobei diese wohl aber eher im oberen Schwierigkeitsbereich liegen. Die im Topo als 'Projekt' bezeichnete Linie geben wir gerne frei; der untere Teil ist einfacher aber oben haben wir (von unten betrachtet) keine für uns kletterbare Lösung gesehen. Aber man müsste es halt versuchen. Es würde mich freuen, wenn noch ein paar zusätzliche gute Routen entstehen würden!

Facts:

Originalpublikation: SAC-Uzwil-Website http://www.sacuzwil.ch/Klettergarten

Zugang (siehe Skizze):
Direkt am Wanderweg von der Sellamatt ins Gluristal unterhalb vom Sattel auf der Westseite des Hinderrug. Die Sektoren befinden sich rechts und links der "Schlucht", auf ca. 1780 m.
Koordinaten: 741 200 / 225 180
1 Stunde (gemütlich) von der Bergstation Sessellift Selamatt, 
45 Min. ab Clubheim SAC Uzwil



Sektor A: Kinder-/Uebungsklettergarten rechts des Weges, Höhe 6-12 m, Schwierigkeiten: 2-4, oben und unten flach, Abseilstellen. Beschreibungen siehe SAC-Uzwil-Website

Sektor B: Klettergarten mit meist schwierigeren (ab 6a+) und bis zu 30 m langen Routen. 2 Felsriegel, welche zum Teil je bis zu ca. 40 m hoch sind und durch ein grosses Grasband unterbrochen sind. Der rechte, obere Sektor ist ca. 20 m vom Wanderweg entfernt.
Auch im Winter am Nachmittag sonnig!

Achtung: von den oberen Grasbändern ist Steinschlag möglich (auch auf den Wanderweg); am Besten hält man sich direkt an der Wand von Sektor B oder in der Nähe von Sektor A auf.
Wandansicht Sektor B mit den Routen



Topos Sektor B

Routen Sektor B: 
Zaubertrank, 6a+, 1 p.a. oder 6c+, 30 m, 1 Bandschlinge (11 Express)
Sepp Kempter, Hans Tobler, 16.8./4.10.1997,
von unten eingerichtet, am 14.8.1999 nachgerüstet mit 2 BH
Schwierige Einzelstelle, 2 Grasbänder schmälern etwas den Genuss
Zustand 2012: Alle Haken und Stand in bestem Zustand.

Miraculix, 6c, 1 p.a. oder ca. 7a-7b , 25 m, (11 Express), oben 2 Varianten (links und rechts)
S.Kempter, H.Tobler, 14.8.1999
Athletisch, Ausdauer
Zustand 2012: Alle Haken und Stand in bestem Zustand.

Y2K, 7a, 1 p.a. oder ? (auch 6c obl., 3 p.a. möglich); evtl. aber auch einiges schwerer, 1.SL 12 m (6b), 2.SL 22 m, (7a), (10 Express); die 2 Seillängen können auch zusammengehängt werden.
I.Rüthemann, H.Tobler, 9.9.2000 (Jahr 2000-Anlass SAC Uzwil)
Die 2.SL ist athletisch, Ausdauer, technisch

Hinkelstein, 6b, 30m, (12 Express), etwas Seilzug (evtl. Halbseiltechnik)
S.Kempter, H.Tobler, 4.10.1997
Abwechslungsreich, Piaz, athletisch + homogen
Zustand 2012: Wenige Haken und ein Standhaken sind etwas rostig.

Die Schwierigkeitsangaben sind provisorisch! 
Miraculix und Y2K wurden noch nicht RP geklettert.
Rückmeldungen an den Autor sind sehr willkommen.