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Samstag, 7. März 2015

Selun Brisi Schneebrett

Tour Datum: 6.3.2015

Der Brisi ist eine beliebte, mittelschwere Skitour, welcher gemeinhin bezüglich der Lawinengefahr als relativ sicher eingestuft wird. Es gibt einige, welche behaupten, auf dem Brisirücken sei es sicher und sie hätten noch nie ein Schneebrett dort gesehen; ich widerspreche dann jeweils. Hier nun der Beweis. 

Eigentlich wollte ich an diesem ersten schönen Tag nach einer längeren Schneefallperiode mit Lawinenstufe 'erheblich' (slf-Archiv vom 201503060800) nur auf den Selun und dann vielleicht noch ins Frümseltäli, aber es kam anders.

Selun

Von Starkenbach (Posthaltestelle) bin ich um ca. 9:15 hochgelaufen. Auf dem Weg im steilen Wald waren die Verhältnisse sicher; da es kalt war bestand keine Schneerutschgefahr und zudem war der Weg nirgends eisig und auch noch nicht verfahren.
Brisi, Frümsel und der flache Selunrücken vom Vorderselun aus.
Vom Vorderselun bis weit den Selunrücken hoch hatte es 20-30 cm schönen Pulverschnee, im oberen Teil dann war er wie üblich teilweise hart und abgeblasen. Der Selunrücken ist nie gefährlich, da er die Steilheit von 30 Grad kaum übersteigt.
Blick vom Selun Richtung Westen, man beachte die grossen Wächten vorne von den starken Winden der letzten Tage.
Vom Selun Richtung Osten mit Walensee und Seeztal, links der Brisi.
Auf dem Selun habe ich dann bei schönstem Wetter die super Aussicht genossen und gemütlich zu Mittag gegessen. Die Abfahrt war dann Anfangs etwas ruppig (wie üblich) mit einem Steinkontakt, dann in eher schwerem Schneebrettschnee und in den flacheren Teilen super Pulverschnee; also insgesamt für den Selun sehr gute Verhältnisse. Auf dem Vorderselun habe ich mich aufgrund der guten Verhältnisse und da ich nicht die langweilige und eher unschöne Waldwegabfahrt nach Starkenbach machen wollte, entschlossen, noch Richtung Frümseltäli hochzugehen. Bis Strichboden und dann östlich hinab nach Rugg/Wildmannlisloch, ca. 1580 m, wo ich die Felle anzog und einer eben von 2 anderen Skitourengänger gut angelegten Spur folgte.
Chalttal mit Frümsel und Selun. Hier gehts nochmal hoch. Bei sicheren Verhältnissen kann man rechts im Bild bereits früher in die Mulde abfahren.
Bis ca. Punkt 1862 m hoch und dort Richtung Nord-West hinunter querend bis unterhalb des Brisi (von unten rechts) auf ca. 1650 m gefahren. Zwischen Selun und Brisi gibt es einige grössere, teilweise steile Bachtobel welche bei diesen Verhältnissen besser gemieden werden.
Unterhalb des Frümsels Richtung Brisi. Hier bin ich links runter gefahren. Die Spur rechts führt in exponiertes Gelände unterhalb steilen Frümselhängen.
Beim Hinabfahren habe ich den Brisi-Rücken genauer angeschaut und sah, dass bereits wenige Skitourenfahrer runtergefahren sind und vor allem war in der Mulde ein kleiner Lawinenkegel sichtbar. Statt ins Frümseltäli hab ich dann entschieden auf den Brisi zu gehen.  

Brisi

Den Brisi kenne ich gut und weiss, dass im linken meist abgeblasenen Teil (von unten gesehen) eigentlich fast immer ein lawinensicherer Weg möglich ist, wobei das Hauptproblem vielfach darin besteht, dass der Rücken sehr hart oder gar eisig ist (ich ging schon mit den Steigeisen hoch). Bei der Schlüsselstelle unten an der Fels-Steilstufe waren die Verhältnisse sehr gut; insbesondere war ein Schneebrett rechts davon schon abgegangen (dies ist eine bekannt kritische Stelle). Auch der Rest des Rückens war auf einer guten Spur problemlos zu begehen (ohne Harscheisen). Wie am Selun hatte es allerdings auch hier teilweise kompakte Schneebretter von 20-30 cm Dicke, welche von den starken Winden und dem Schneefall der letzten Tage herrührten; die typischen Warnsignale für eine Triebschnee-Situation wie vom Lawinenbulletin gemeldet. Die vorhandene Aufstiegsspur war aber sicher gelegt (dafür etwas viele Spitzkehren).
Schöne Stimmung auf dem Brisi Richtung Walensee und die Glarner Alpen.
Hier haben die Dohlen das Sagen!
Auf dem Brisi erneut eine herrliche Rundsicht. Nun war ich gespannt auf die Abfahrt. Man fährt meist links die Mulde hinunter, wobei Anfangs die steilen Passagen (deutlich über 30 Grad) bei 'erheblich' tunlichst gemieden werden sollten. Der windgepresste Schnee von ca. 20-30 cm auf harter Oberfläche war gut fahrbar. Vorsichtshalber bin ich zwei bereits existierenden Spuren nachgefahren, welche vom Gelände gut und relativ sicher gewählt waren. In der Mitte der Mulde (auf ca. 2040 m) rechts (von oben gesehen) dann das kleine Schneebrett (ca. 100 m x 20 m) mit dicker Abrissstelle (1-2 m) und unten teilweise relativ grossen Schneebrett-Teilen.

Brisi-Mulde Schneebrett-Anrisstelle auf ca. 2040 m. Hier wurde lokal eine sehr dicke Schneebrettschicht verfrachtet.
Das kleine Schneebrett vom selben Punkt aus.
Der untere Teil des Schneebrettes; die grossen Klötze stammen wohl von der dicken Anrisstelle.
Haben dieses Schneebrett die Vorgänger heute ausgelöst? Ganzverschüttet wird man wohl eher nicht, aber verletzten könnte man sich schon! Bei noch mehr Neuschnee (z.B. 50 cm) wäre es jedoch entsprechend gefährlicher. Viel befahrene Hänge gelten gemäss der aktuellen Lawinenkunde als weniger gefährlich weil die Oberfläche zerfurcht ist. Allerdings kann bei sehr vielen Befahrungen (am Brisi kann es auch mal 50 Skitourengeher an einem Tag haben) der Hang so abgefahren sein, dass er wie auf einer Piste glatt wird und sich grössere Gleitflächen bilden können, wie dies heute der Fall war. 
Danach bin ich rechts hinüber gefahren und im Aufstiegsbereich den Rest des Rücken hinuntergefahren. Der Felsabsatz konnte gut überwunden werden (nach links hinaus); vor 3 Wochen mussten wir noch dem Sommerwanderweg nach, da es links direkt hinunter zu wenig Schnee hatte. Bei viel Schnee ist dieser Bereich sehr kritisch; mir sind hier 2 Unfälle aufgrund von Schneerutschen bekannt, wobei ein Sturz über den ca. 20 m-Felsriegel sehr unangenehm sein kann.
Brisi-Rücken mit dem Schneebrett im oberen Bildbereich. Unten die ebenfalls kritische Felsriegel-Schlüsselstelle. Im steilen Gipfelbereich ist ein dritter, lawinenmässig kritischer, Bereich zu erkennen. 
Nach dem Rücken hatte ich dann nochmals super Pulverschnee. Bei genügend Schnee kann man direkt nach Horb hinunterfahren, was heute möglich gewesen wäre. Da ich in Alt St.Johann abgemacht habe, fahre ich jedoch auf der Langlaufloipe nach Selamatt. Um ca. 17 Uhr war ich dann wieder im Tal. 
Das war ein herrlicher Tag mit für einmal noch unverspurten schönen Abfahrten!

Fazit: Obwohl der Brisi sehr viel befahren wird, können Lawinen zwar selten aber doch ab und zu auftreten. Aufgrund der Steilheit des Rückens, welcher meist 30 Grad, teilweise aber auch steiler ist, erstaunt dies eigentlich nicht. 
Selun (2204 m) und Brisi (2279 m) lassen sich gut kombinieren wenn man die mind. 2'000 Hm nicht scheut; die beschriebene Variante ergibt ca. 2'200 Hm. (Ok, man könnte es von der Sellamatt her auch einfacher haben). 
Zwischen Selun und Brisi muss auf die steilen Bachtobel geachtet werden (Schneebrett-Gefahr), weshalb dieses Gelände bei schlechter Sicht besser gemieden wird (ausser man geht nach einem genauen GPS-Track).

Donnerstag, 20. November 2014

Gonzen - Aischans Weg (6c)

Tour Datum: 19.09.2014
Die Route "Aischans Weg" am Gonzen hatte ich schon längere Zeit auf meiner Wunschliste. Von den vielen schönen Touren, welche ich dieses Jahr unternehmen konnte, habe ich diese Tour ausgewählt, da sie im Internet noch kaum beschrieben ist und ich im nass-grauen November genug Zeit zum Schreiben habe. 

Da die Verhältnisse keine Tour in höheren Regionen zu lies entschieden wir uns für diese relativ kurze Route im oberen Wandteil des Gonzens.


Im lesenswerten Megusta-Topo ist der Zustieg sehr gut beschrieben. Von der Rieterhütten P.1576 geht man horizontal bis zur Abbruchkante bei der Wang, wo man beim grossen dörren Baum in exponiertem Gelände (T5) die Gemsweid hinuntersteigt, um aufs Band zu gelangen. Es sind teilweise alte Fixseile zur Sicherung vorhanden, welche man an gewissen Stellen gerne verwendet.
Dann quert man auf Wegspuren auf einem exponierten Band zu einem Couloir und zu abschüssigen Platten danach, welche man links gut umgehen kann.   

Es kann aber auch über die Route zum Einstieg abgeseilt werden, was im Megusta-Topo empfohlen wird.
Beim dörren Baum unten gehts in die Tiefe, hinten der obere Wandteil des Gonzen in welchem die Route verläuft.
Nach dem Couloir sollte man auf dem grünen Band in der Mitte links nach aussen queren. Früher ging ich auch schon mal die Platte gerade hoch und hinunter, was aber heikel ist.
Unser Kletterstart war dann um ca. 9:45
Blick in die L1, 6c; Aischans Weg führt hier in der Mitte gerade hoch unmittelbar rechts des braunen Dächli.
L1, 6c, 38m,  Anfangs ein Dächli, das schwerer aussieht als es dann ist. Die harte Platten-Crux kommt ca. beim 4.Bolt, wo wir unsere Onsight-Hoffnungen leider schon aufgeben mussten. Man kann hier auch gut A0 machen (wir nehmen uns aber Zeit die Stelle auszuchecken). Oben wird es dann etwas einfacher (6a) und die Sicherungsabstände weiter, wobei noch gut ein Cam in den schönen Querschlitzen gelegt werden kann. Eine sehr schöne aber anspruchsvolle Seillänge.
 L1, 6c, Ruedi in der plattigen Crux-Stelle
L2, 6c, 40m, Ziemlich unangenehm muss auf einer Platte mit feinen Querschlitzen links leicht hochquerend der erste, recht weit entfernte Bolt im 6b-Gelände erreicht werden ( Friend oberhalb des Standes setzten und verlängern, was aber die Pendlergefahr nur minimal entschärft).
Nach dem 2.Bolt geht es dann in ein Riss-/Verschneidungssystem hoch, wobei der Bolt links in der Wand dazu verführt, dorthin zu klettern, aber wegen starkem Seilzug nicht zu empfehlen ist. Anschliessend muss aber wieder rechts in die nicht gerade ahnmächelige steile Verschneidung gequert werden, wo ein Cam gelegt werden kann und an der man sich athletisch hochackern muss.
Der Ausstieg aus dem Riss-/Verschneidungssystem links hoch ist heikel. Beim Bolt lohnt es sich dann, den Seilzug-Ecken unten auszuräumen (falls man den Bolt links aussen verwendet hat), da nun nochmals sehr schwere und anhaltende Plattenkletterei folgt (wir würden hier 6c+ geben). Eine lange und schöne aber auch sehr anspruchsvolle Seillänge.
L2, 6c, Links herum und dann hoch, Ruedi befindet sich schon nach dem Riss-/Verschneidungssystem.
L2, 6c, Dieselbe SL im Zoom. Der obere Teil führt durch eine steile und sehr anspruchsvolle Platte. 
L3, 6a+, 30m, Das erste Dächli klettert sich noch gut, anschliessend kommt ein Abseilstand an dem vorbeigeklettert wird. Danach folgt ein zweites, eigentlich grossgriffig scheinendes Dächli. Das Problem ist jedoch über die etwas splittrige, grifflose Platte davor an das Dach zu gelangen wobei dort Groundergefahr auf das Bödeli droht. Hier ist es wichtig, dass der Sichernde aufmerksam und eng sichert. Die Schwierigkeit des Dach-Ausstiegs kann schwer abgeschätzt werden, hält sich aber in Grenzen, sodass man oben erleichtert den Bolt klinken kann. Diese Stelle empfanden wir mindestens im Bereich 6b.
L3, 6a+, Die Crux am oberen Dächli. Der Fels ist an dieser Stelle bräunlich und etwas splitterig, was man aus dieser Perspektive nicht erkennen kann.
L4, 6c, 35m, Gleich vom Stand weg ist es knifflig und sehr schwer mit einer längeren Crux-Passage über 3-4 Bolts hinweg, welche m.E. die schwerste Passage der Route ist (7a). 
Links querend gelangt man dann an ein athletisches Dach, welches sehr anstrengend aber grossgriffig ist und im ausgesetzten Quergang mit einem Cam abgesichert werden muss. Im abflachenden Teil - ausser Sichtweite des Sichernden - folgt noch ein Platten-Runout im 6b-Bereich.
Gegen Ende der SL muss dann nochmals eine schwere athletisch-technische Stelle (6c bis 6c+) gemeistert werden, wobei sich für den Vorsteiger zusätzlich der Seilzug bemerkbar macht. Wiederum eine sehr anspruchsvolle Seillänge, welche wir beide nicht sauber klettern konnten.
Am Stand mussten wir eine Wartepause wegen Regen von 1/4 h einlegen (geschützt vom Regen unter einem Dächli). Zum Glück war es nur ein Schauer und der Fels trocknete auch relativ rasch wieder ab.

L4, 6c, Die gut gesicherte aber sehr schwere längere Crux-Passage.

L4, 6c, anschliessend quert man nach links in die eindrückliche aber sehr athletische und anstrengende Überhangzone.
Ein Regenschauer über uns und im Sarganserland zwingt uns zu einer kurzen Wartepause.
L5, 6b, 30m,  Anfangs noch leichter folgt in der Platte kurz vor der Mitte die zwingende Crux, welche wir eher mit 6c bewerten würden. Oben dann etwas einfacher zum Stand. Schöne SL.
L5, 6b. auch diese Seillänge ist nicht geschenkt.
L6, 6a+, 35m, Diese etwas einfachere Seillänge weist weite Abstände auf und ist etwas brüchig; man hätte sich hier ein paar Bolts mehr gewünscht. Das ist dann auch die einzige SL, welche wir beide einwandfrei sauber onsight klettern können. Auch hier könnte man aber im Anfangsteil mit 6b bewerten. Im Nachstieg ist auch dies eine schöne Seillänge.
L6, 6a+, Anfangs bereits schwere Stellen, oben ist vorsichtiges klettern in etwas brüchigem Fels angesagt.
Um ca. 16:30 sind wir dann beide oben. 
Ohne die Regen-Wartepause hatten wir beinahe 6 1/2 Stunden für die nur 6 SL! Dies sagt doch einiges aus über die recht anhaltenden Schwierigkeiten mit denen wir zu kämpfen hatten. Wir haben uns allerdings die Zeit genommen und versucht, auch die schwierigen Stellen frei zu klettern (mit Hänger), man hätte hier teilweise sicher schneller mit A0 weiterklettern können.
Vielleicht waren wir beide ja auch nicht so in Form an diesem Tage (?).
Jedoch: Insgesamt fanden wir die Route mindestens so anspruchsvoll wie die rechts verlaufende 'Miss Marple' (6c+; ohne die 7b-Stelle) und sicher wesentlich schwieriger als die 'Wachmeister Studer' (6b+).
Zudem: vor 1 Woche waren wir an der Föhnmauer die Nemesis, 7a, klettern, welche wir ähnlich schwer empfanden wie einzelne Passagen dieser Route.
Gelände am Einstieg. Die Sonne scheint wieder!
Mit 5x Abseilen sind wir wieder zurück am Einstieg, pickniken, packen unsere Sachen zusammen und wandern zurück über die Gemsweid zur Rieterhütten.

Facts:
Gonzen, oberer Wandteil
Aischans Weg, 6 SL, 6c (6b obl.), 210 m, Aischan Rupp / Thomas Wälti, 1996
Material: 10 Express, Camalot 0.1-2, Bandschlingen, 2 x 50m Seil
Unsere Einschätzung: Anspruchsvolle und hart bewertete Route; wir empfanden sie meist ein "+" bis 1 französischer Buchstabe schwerer gegenüber der Originalbewertung; d.h. 6c+ oder 7a. Die Absicherung ist in den schweren Passagen gut bis sehr gut (xxx/xxxx), sonst knapp gut (xxx), wobei auch ab und zu selber abgesichert werden muss. Die Bolts sind trotz des Alters in einwandfreiem Zustand.
Schönheit: sicher 4*, Ruedi fand diese Route etwas schöner (homogener) als 'Miss Marple'.

Topo
- Sehr gutes Originaltopo von Thomas Wälti auf www.megusta.ch/topos.php

Wissenswertes:
Der Name der Route hat Thomas Wälti zum Gedenken an Aischan Rupp gegeben; man lese hierzu den Text im Originaltopo.
Aishan habe ich flüchtig gekannt. Im Sommer 1993 war ich mit ihm klettern in der Kletterhalle Sargans (das Wetter war schlecht, wir wollten eigentlich im Rheintal klettern). Ich habe während dem Klettern dieser Route ab und zu an Aischan gedacht...


Fazit
'Aischans Weg' ist eine sehr schöne, abwechslungsreiche, homogene und anspruchsvolle Route mit Platten aber auch athletischen Stellen an einigen Dächlein und einem Riss. Wir können die Route sehr empfehlen, sie sollte jedoch bzgl. der Schwierigkeiten nicht unterschätzt werden.

Sonntag, 24. August 2014

Zervreilahorn - Nanouk (7a+)

Tour Datum: 17.08.2014
Aller guten Dinge sind 3. Nachdem wir vor 1 Woche die 'Braveheart' und vor 1 Monat die 'Con todo guerrero' geklettert sind wollten wir nun noch die  schwierigste Sportkletterroute am Zervreilahorn, die 'Nanouk' klettern. Die Beschreibung "Ein Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte des Kletterns im Valsertal!" klingt vielversprechend und unsere Erwartungen wurden auch erfüllt.

Da wiederum viele Gebiete ziemlich nass waren entschieden wir uns ein weiteres Mal fürs Zervreilahorn. Die Planung war somit auch schon klar. Angaben bezüglich Zustieg etc. sind im Bericht Con todo guerrero zu finden; hier vor allem einige Bilder von der Route und eine Beschreibung der Seillängen. 


Beim Einstieg der Nanouk hat es 1 Bolt mit einem Maillon Rapid, der Routenname ist nur noch schwach zu lesen. Kurz vor 9 Uhr sind wir gestartet.
SL1, 6a+, 25m,  Anfangs unangenehm noch etwas nass und man muss selber absichern. Nach dem Bolt zuerst links, dann rechts halten aber nicht ins Gras queren. Im Riss kann ein Cam gelegt werden.
Nanouk, SL1, 6a+, Hans in der Startseillänge
SL2, 7a+, 40m,  In den Rissen (vor allem unten) leider teilweise etwas nass vom Schnee, der liegen blieb und schmolz. Als ob diese SL nicht schon schwierig genug ist. Anfangs noch einfacher kommt schon bald eine erste schwere kurze Piaz-Stelle in einem etwas grasigen Riss. Oben dann eine erste Crux mit einer steilen und feingriffigen Fingerriss-Piazstelle, aber auch anschliessend ist es anhaltend streng bis zum Stand. Erwartungsgemäss hatten wir in dieser Seillänge (wenige) Hänger, konnten sie aber immerhin frei klettern. 
SL2, 7a+, Ruedi am Piazzen
SL2, 7a+, oben erkennt man gut den kleingriffigen und anstrengenden Riss
SL3, 7a, 40m,  eine eindrückliche Hammerseillänge! Nachdem man von der letzten SL sicher warme Unterarme bekommen hat wird man nun in einem steilen, langen Riss/Verschneidungs-System auch in den Oberarmen und Oberkörper stark gefordert. Anfangs noch einfacher auf Platten quert man dann schwierig zum Riss rechts hinüber. Im leicht überhängenden Verschneidungsteil sind spezielle Techniken gefragt um hochzukommen; hier muss man zudem auch selber mit Cams absichern.
Dann folgt ein stumpfer und steiler längerer Piaz, welcher die letzte Kraft aus den Armen saugt. Die Bolts sind hier recht eng aber angesichts der Schwierigkeiten angemessen gesetzt
Am Schluss rechts hinaus auf (endlich) wieder gute Tritte in weniger steilem Gelände. Ruedi schafft die SL Rotpunkt (sozusagen ein Alzheimer-onsight) - Gratulation! Ich hatte im Nachstieg in den letzten anstrengenden Piaz-Stellen die Kraftausdauer (oder Technik) leider nicht mehr um ohne Hänger durchzuziehen. 
SL3, 7a, Allzuviel hilft die Kante oben nicht; ab hier ist vor allem Piaz angesagt.
SL3, 7a, Blick in den oberen Teil aus der Kletterpostion
Nanouk SL3, 7a, mit dem Zervreilasee. Aus dieser Perspektive ist die Steilheit besser erkennbar: oben der Riss, unten der Verschneidungsteil (Aufnahme beim Abseilen über die Fahnenroute vor 4 Wochen) 
SL4, 6a+, 20m, Bis zum ersten Bolt droht Grounder-Gefahr auf eine Stufe, ich habe noch einen halb zuverlässigen Cam gesetzt; besonders schwer oder heikel ist die Stelle jedoch nicht. Oben dann einfacher und man kann selber noch absichern.
Bis zum Stand muss man ziemlich weit auf einem Grasband nach links queren (nicht rechts hoch). Vermutlich könnte man die nächste SL gleich anhängen, wobei dann aber sicher Massnahmen gegen Seilzug notwendig sind.

SL5, 6a, 15m,  Nach einer kurzen Platte mit Bolt wird es einfacher. Wenn man in den oberen Bolt eine lange Exe hängt kann die nächste SL gleich angehängt werden.

SL6, 6c,  Ruedi klettert nach SL5 gleich weiter. Es folgt ein steiler, schwieriger Riss bei welchem nicht offensichtlich ist, wie man ihn am besten klettert. Ruedi piazt links, ich rechts, wobei meine Variante wohl etwas einfacher ist.
SL5, 6a (unten) und SL6, 6c zusammengehängt.
SL6, 6c nochmal ein Piaz-Riss, hier noch im unteren Teil.
SL7, 6c/+ ( 7+/8-), 30m, Eine super schöne und interessante Seillänge. Zuerst Risse (selber absichern) dann Platten mit Strukturen. Die Wegfindung ist hier nicht ganz einfach, aber mit etwas Geduld kann ich die SL doch noch onsight klettern. 
SL7, 6c/+,  der untere Teil gut strukturiert; oben wird es plattiger
SL7, 6c/+,  der obere Teil dieser schönen SL
SL7, 6c/+, Auch am Ausstig nicht einfach
SL8, 7a+, 30m, Eine sehr anspruchsvolle Hammerplatte. Nun folgt die imposante ziemlich strukturlose grosse Platte über welche wir bei den letzten Begehungen im linken Teil abgeseilt sind. Anfangs bereits nicht einfach folgt die harte Crux nach 3 Bolts. Man sucht vergebens nach einigermassen guten Griffen und Tritten. Irgendwie gehts dann nach mehrmaligem ansetzen doch indem man etwas links und rechts klettert. Dann muss man obligatorisch an einem feinen Fingerkuppen-Querriss ziemlich trittlos noch nach rechts queren um zu den guten Strukturen zu gelangen (Bolt). 
Im einfacheren Mittelstück kann man dann selber was legen und es hat gute Rastpunkte. Anschliessend nochmal sehr anspruchsvoll einem feinen Riss in der Platte nach hoch bis zum Stand. 
Eine wirklich harte Platten-Seillänge. Ich würde hier eher mehr als 6c obligatorisch geben (6c+); vielleicht könnte man sich aber schon mit diversen A0-Tricks und 6c obl. durchmogeln. 
Wir können diese Platte mit einigen Hängern und auschecken jedoch schon frei klettern (nicht die ganze SL Rotpunkt).
SL8, 7a+, Ruedi  kurz vor der Crux in dieser eindrücklichen und sehr schweren Platte. Im linken Teil geht die Abseilpiste der Fahnenroute runter.
SL8, 7a+,  der obere Teil mit dem feinen Riss, aufgenommen vom mittleren Teil.
SL8, 7a+,  von oben; hier muss man voll fighten um sich am Fels halten zu können (wir jedenfalls...).
SL9, 6c+, 25m, Von unten sieht die Platte sehr imposant und abschreckend aus. Im oberen Teil klettert man dann aber rechts der dort sehr glatten Platte, was dann doch relativ gut geht (am Pfeiler) .
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich 3 mal auf einen Bolt gestanden bin (unten weil ich keinen Sturz auf Ruedi am Stand riskieren wollte; das war ja noch ok) und einmal eine Exe gehalten habe. Irgendwie hatte ich einfach keine Geduld mehr um eine frei kletterbare Lösung zu finden und wollte auch nicht zum Schluss noch stürzen (es ist aber ein gutes Sturzgelände). Im Nachhinein habe ich mich dann doch darüber geärgert...
SL9, 6c+, Hans schon nach dem ersten schweren Teil rechts der Platte am Pfeiler
SL9, 6c+,  die schöne Platte vom Ausstiegsstand gesehen.
SL9, 6c+,  der Ausstieg mit dem Zervreilasee
Nach total gut 5 1/2 Stunde sehr anspruchsvoller und anstrengender Kletterei sind wir um ca. 14:30 auf dem Gipfel angekommen.

Mit unserer Begehung sind wir angesichts der Schwierigkeiten zufrieden. Ruedi kletterte die Route nach ca. 10 Jahren zum zweiten Male. Wir beide und vor allem ich waren in den 3 schwersten Seillängen am oder manchmal auch über dem Limit und froh über die gute Absicherung. Eine Onsight/Rotpunkt-Begehung hatten wir nicht erwartet, aber immerhin kamen wir überall gut durch und haben das meiste frei geklettert (Ausnahmen siehe oben).  

Wir haben auf dem Gipfel etwas kleines gegessen und die schöne Aussicht genossen und sind dann über die Nanouk abgeseilt, da einige Nordgrat-Seilschaften bereits am Abseilen über die Fahnenroute waren. 
Achtung: ein 50 m Doppelseil reicht hier an einer Stelle nicht; man muss ca. 8 m auf dem ausgesetzten Band absteigen (T5) oder an einen anderen Stand abseilen.

Facts:
Zervreilahorn,  Südostwand
Nanouk, 9 SL,
7a+ (6c obl.), 230 m, Roman Hutzli / Michael Illien, 2001
Material: 12 Express, Camalot 0.1-3, Keile, 2 x 50m Seil
Persönliche Einschätzung: Die Bewertungen empfand ich als in etwa angemessen. Die Absicherung ist in den schweren Passagen sehr gut (xxxx), sonst gut (xxx), wobei auch immer wieder selber abgesichert werden muss (jedoch weniger als in der Braveheart). 
Die Bolts sind nach immerhin nun schon 13 Jahren in einem ausgezeichneten Zustand.
Schönheit:  4-5*; die vollen 5* (*****) würde ich nicht ganz geben. Trotzdem eine geniale Route.

Topo
- Kletterführer Vals-Valsertal-Länta vom Panico Verlag (2004)
- SAC Kletterführer Graubünden (2013) 
- Schweiz extrem ost
- Interessanter Erschliessungsbericht  von Michael Illien auf Bericht adventure laentaclimb (Anfangs November!) sowie Fotos Nanouk RP von der ersten Rotpunktbegehung.

Fazit
Die Nanouk ist eine super schöne und eindrückliche Route, welche klettertechnisch sehr anspruchsvoll  bezüglich Rissen im unteren Teil und Platten im oberen Teil ist und sicher als Meilenstein im Valsertal bezeichnet werden kann. Das Ambiente und der Fels sind einfach einmalig.