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Freitag, 9. August 2013

Furka - Chli Bielenhorn - Psychides (7a+)

Tour Datum: 26.-28.7.2013  / 3.Tag 28.7. (Sonntag)
Nachdem wir am 2.Tag in der Grauen Wand mit dem Eisbrecher eine eher alpine Route geklettert sind, gingen wir an das Chli Bielenhorn um eine für uns anspruchsvolle Route zu klettern.
Die Wetterprognosen waren für diesen Tag mässig gut, es war unklar, wann die Schlechtwetterfront am Nachmittag genau kommen wird und es sah auch schon am Morgen nach Schauer aus. Deshalb entschieden wir uns für ein Gebiet mit einfacher Rückzugsmöglichkeit und für eine Route aus welcher gut abgeseilt werden kann. 
Wir fahren zum Siedelenbach (P.2280m Aufstieg zur Siedelenhütte) und wandern anfangs auf dem Hüttenweg, dann aber in meist  weglosem Gelände (ca. T4) auf ziemlich direktem Weg zum Wandfuss des Chli Bielenhorn. 


Chli Bielenhorn Südwand, am Einstieg Schneefelder aber Pickel oder Steigeisen sind nicht notwendig.
Ich hätte aufgrund der Angaben im 'extrem ost' die Sacremotion (7a)  geklettert, aber Ruedi kannte die schon und wollte die Psychides versuchen; er hat die 1.SL damals schon versucht (sie war aber nass).
Chli Bielenhorn Wandansicht; links im grossen Riss die Sacremotion, rechts die Psychides
Am Fusse der Wand hatte es noch Schnee, aber direkt an der Wand konnte man gut in einem 1 m breiten Spalt im Fels sichern.
Einstieg Psychides: Blick nach Westen. Das Wetter machte einen ziemlich unsicheren Eindruck.
Die Route Psychides ist gross und rot mit 'Psy' angeschrieben.
Um 9:40 startet Ruedi, der Riss-Spezialist gleich in die schwerste Seillänge der Route.

Sl1 7a+, 45m Anfangs noch einfacher im Bereich 6a bis 6b folgt dann bald schon die erste knifflige Stelle. Es müssen sehr abwechslungsreich die verschiedensten Rissklettertechniken angewendet werden und es ist nicht immer so klar, was nun die beste Technik ist, wobei vielfach eine Piazztechnik erfolgreich ist.
Vor der Mitte geht Ruedi mit dem Körper in den Riss rein um einen Cam zu legen. Der Riss wechselt oben von vertikal nach diagonal-rechts hoch und wird immer kleiner. Vor der Crux-Stelle ist ein längerer athletischer Piazz notwendig welcher viel Kraft kostet. Die Crux dann ein Fingerrissklemmer mit schlechten Plattentritten.
Sobald man die senkrechte Schuppe rechts greifen kann, hat man die Hauptschwierigkeiten geschafft und es geht im oberen Teil im ca. 6b-Gelände weiter. Sicher eine harte, athletische und auch technisch nicht einfache SL, welche OS nicht einfach zu haben ist. Die Crux-Passage ist aber sehr gut mit Bolts ausgerüstet und kann problemlos mit A0 überwunden werden.
Ruedi schafft es ohne Hänger bis zur Crux; Gratulation!  Ich habe keine Chance und bereits unten einen Hänger (noch unnötig). An der Fingerrissklemmer-Crux bin ich auch zuwenig schmerztolerant und nehme die Express zur Hilfe.
Psychides SL1, 7a+, unterer Teil; links hat Ruedi einen Cam in den Riss gesetzt um einen Grounder zu vermeiden, wegen der Seilreibung, nach dem Hängen des 1.Bolts, aber wieder entfernt.
Psychides SL1, 7a+, kurz nach dem Körperriss in dem ein Cam gelegt werden kann.
Psychides SL1, 7a+,  Es ist nicht immer klar, was besser ist: oben oder unten auf der Platte stehen/piazzen?
Psychides SL1, 7a+, Ruedi kurz vor der Crux. In diesem Teil ist das Piazzen sehr anstrengend da steil und auch nicht mehr grossgriffig.
Psychides SL1, 7a+, Crux; mit Piazzen gehts hier nicht mehr weiter, man muss in einen Fingerrissklemmer wechseln und zum stehen in der steilen Platte hat es fast nichts.
Psychides SL1, 7a+, nach der Crux; wenn der Riss wieder vertikal wird, hat man es fast geschafft.
Sl2 6b, 40m Nun wechseln Platten, Schuppen und kurze Risse ab. In der Mitte der SL sind die Platten etwas brösmelig; Vorsicht ist geboten um einen längeren Sturz zu vermeiden. Ich fand es eine relativ harte 6b.
SL2 6b, Ruedi am Ende des brösmeligen Teils; sonst schöne und abwechslungsreiche Kletterei.
Sl3 6a, 35m Plaisir-SL in welcher aber einiges selber abzusichern ist.
Blick in die schöne Sl3, 6a
Sl4 6c, 30m schon kurz nach dem Start kommt die Crux mit einem stumpfen grifflosen Riss; ich sehe die Lösung nicht und mache ein A0. Auch Ruedi muss einen Hänger in Kauf nehmen, findet dann aber eine frei kletterbare Lösung: Rechts aussen zusätzlich einen anderen Riss verwenden, welcher zwar unten auch stumpf ist, aber oben dann etwas besser zum greiffen ist.
Oben dann ein längerer Quergang nach rechts leicht nach oben, welcher aber mit einem Cam gesichert werden kann und in einem immer feiner werdenden Fingerriss endet (nur Mut; es kommen dann schon wieder bessere Griffe!).
SL4 6c, Crux; aus dieser Perspektive erkennt man den stumpfen und steilen Riss leider nicht gut. 

Sl5 5c, 15m Ein Quergang nach links oben. Anfangs grossgriffig nach links oben am Schluss eher plattig nach links.
SL5 5c, An dieser Stelle steil aber grossgriffig
Sl6 7a, 45m Hier trifft man auf die einfacheren Routen, welche direkt in der Verschneidung hochführen. Achtung: nicht gerade hoch den Bolts nach, sondern leicht rechts halten und den Psychides-Bolts folgen. Anfangs gehts noch leichter links von der Verschneidung nach hoch. Die Crux dann die Querung nach links als Boulderstelle; oben muss ein stumpfer Untergriff geblockt (oder aber evtl. mit sehr kleinen Griffe in der Platte) und auf Reibung in die trittlose Platte gestanden um weit links aussen die grosse Schuppe zu erreichen. Oben dann steil und technisch anspruchsvoll und abwechslungsreich teilweise an  feinen Seitgriffen und recht anhaltend, aber auch hier super mit einigen Bolts abgesichert (ca. 6c+). Gegen Schluss dann etwa einfacher (ca. 6b) aber athletisch-grossgriffig doch noch ein rechtes Stück bis zum Stand. Eine lange und anspruchsvolle SL, welche die 7a sicher verdient.
Psychides, SL6, 7a, Vor der Crux-Querung nach links.
Psychides, SL6, 7a, Crux-Querung nach links; unter dem linken Unterbein von Ruedi sieht man den stumpfen Untergriff, links vom Fuss die Schuppe welche man erreichen muss. Die Stelle kann problemlos mit A0 überwunden werden. Anschliessend ist man aber noch lange nicht durch!
Sl7 6b, 35m Zuerst leicht rechts etwas überhängend aber gutgriffig hoch. Die Crux beim 3.Bolt. da der 2.Bolt rechts ist und der 3.Bolt links ist, lohnt es sich den 2.Bolt auszuhängen (wegen Sturz-/Saltogefahr übers Seil aber auch wegen der Seilreibung). Dann eine exponierte Linksquerung auf einer Platte oberhalb des Sichernden (welchen man aber nicht sieht); zwar mit relativen guten Griffen aber es steckt kein Bolt und man kann nichts selber legen.
Unter dem Dach auf der Platte steckt ein Bolt, ich habe aber im Dach noch einen Cam gelegt, da nicht klar ist, wo (und wie schwierig) es weitergehen soll. Es geht nicht direkt das Dach hoch sondern nach links oben: ein Fingerklemmer mit Rechts und dann kommt man mit links hinten an sehr gute Griffe ran. Dann den Rissen nach gerade hoch.

Sl8 6a+, 35m  Zuerst ein langes Riss-System mit  viel piazzen wobei Camelots auch selber zu legen sind, athletisch und anspruchsvoll (eher 6b). Am Schluss sind wir dann nach links aussen (zuerst hoch und dann links) an den Stand der Sacremotion gequert (wegen der Abseilpiste).
Psychides, SL8, 6a+ Ruedi in der steilen Piazzkletterei an Rissen der letzten Seillänge. 
Um 14:40, nach 5 Stunden schöner und abwechslungsreicher Granit-Kletterei sind wir am Ausstieg. Das war zwar kein OnSight (was wir auch nicht erwartet hatten), aber immerhin haben wir den Ausstieg gut erreicht. In den SL's mit Schwierigkeiten von 6c und darüber hatten beide Hänger, aber notfalls kann man die Bolts gut zur Hilfe nehmen; die Bewertung 6c obligatorisch schien uns ok.

Wir seilen über die gute Abseilpiste der Sacremotion (links in Aufstiegsrichtung der Psychides) in etwa mehr als einer 1/2 Stunde ab.
Es gelingt uns auch noch vor dem Regen zur Passstrasse abzusteigen, inkl. einer längeren Lunchpause. Erst um ca. 17 Uhr, als wir schon in Andermatt sind, beginnt es zu regnen.

Facts:
Furka - Chli Bielenhorn - Psychides, 7a+ (6c obl.) - 8 SL  280 m  - Claude und Yves Remy 1985, saniert 2012 - ****, xxx
Material: 10 Exen, Cams 0.3-2, Bandschlingen
Topo: Schweiz Extrem Ost
N.B. Psychides: Die Echten Sackträger (Psychidae) sind eine Familie der Schmetterlinge.

Fazit: Eine sehr schöne, alpine, abwechslungsreiche und anspruchsvolle Route mit einem eindrücklichen Riss in der ersten Seillänge. Es muss/kann in den Passagen bis 6b viel selber gesichert werden, wenn es schwerer wird ist die Route aber sehr gut mit Bolts ausgestattet (xxxx). 
Die Psychides ist gegenüber der Sacremotion steiler/athletischer und gemäss Ruedi auch schöner.

Dienstag, 6. August 2013

Furka - Graue Wand - Eisbrecher (6b+)

Tour Datum: 26.-28.7.2013  / 2.Tag 27.7.
Nachdem wir uns am 1. Tag am Hanibalturm an den Granit gewöhnt hatten, gingen wir an die Graue Wand um eine alpinere und anspruchsvollere Route zu klettern.

Die Conquest mit dem berühmten  "Super-Fissure" wäre eigentlich eine sehr interessante Route aber gemäss 'schweiz extrem ost' mit altem, schlechten Material ausgerüstet (Nachtrag: am 15.8.2013 wurden die Standplätze saniert).
Wir sind deshalb in den rechten Teil der grauen Wand hochgestiegen und haben die Kalypso, 6c (6b obl.) von den Remy-Brüder in Betracht gezogen, doch angesichts der eher wilden Absicherung in der ersten Seillänge (welche wir einsehen konnten) haben wir dann die Route 'Eisbrecher' gewählt. 
GraueWand; der linke Teil mit der Conquest ist an der Sonne während der rechte Teil mit dem Vorbau unten noch im Schatten ist, von wo die Route Eisbrecher auf dem höchsten Punkt des Vorbaus startet (man kommt von rechts her an den Vorbau).
Vom Parkkplatz Tätsch sind wir kurz nach 7 Uhr via Albert-Heim-Hütte (unten vorbei), dann dem Bach entlang und an den Wandfuss der Grauen Wand gestiegen, im steileren Schlusshang mit Pickelhilfe (Vorsicht vor dem grossen Bergschrund!)Nachdem wir am Vorbau auf der rechten Seite bis an den höchsten Punkt geklettert sind (T5-Gelände) und uns gut vorbereitet hatten, konnten wir um 9:40 starten. 
In der klassischen Niedermann-Route hatte es bereits einige Seilschaften; die anderen, schwereren Routen in diesem Sektor werden eher selten begangen.

Sl1 6a (Accept) Ruedi wählte die Einstieg-SL von der Route Accept (die 1.SL von Eisbrecher ist 5c), weil er die Eisbrecher schon vor 30 Jahren geklettert hat und auch noch was neues kennenlernen wollte ;-) Gleich ein schwieriger, langer Riss (von unten sieht er harmloser aus) mit Handklemmer und oben dann stumpf und zudem müssen teilweise selber Cams gesetzt werden. Für Ruedi mit seinen USA-Kletter-Erfahrungen kein grösseres Problem, für mich aber doch schon das erste Mal anspruchsvoll.
Accept SL1, 6a (Einstiegsvariante zum Eisbrecher) Ruedi bei der Handklemmer-Stelle im langen Riss.
Sl2 6a+ Anfangs noch etwas einfacher leicht links hoch; ein Cam und eine Zackenschlinge muss man selber legen. Anschliessend eine difficiler Rechtsquerung in den Riss, wobei man besser tief halten und queren sollte (ich stieg zuerst diagonal hoch). 
Der 1.Bolt dann beim Riss nach ca. 12-15 m vom Stand aus. An die grossen Boltabstände und das selber Absichern muss man sich nach den Hanibal-Plaisir-Routen zuerst wieder gewöhnen! Oben dann wieder etwa einfacher dem Riss nach hoch. 
Sl3 6b+ Die Crux-SL der Route: auf einer Reibungsplatte diagonal links hoch. 2 Varianten: Entweder oben durch auf Reibungsplatte (zuerst hoch, dann links) oder unten an dem auslaufendem Riss nach piazzen (Reepschnur in Bolt vorhanden für diesen Fall).
Wir wählen den oberen Weg und schaffen es knapp im OS auf der difficilen Platte. Auch für den Nachsteiger ist die Querung anspruchsvoll. Die Absicherung mit Bolts ist hier gut.
Eisbrecher SL3 6b+, Ruedi bei der difficilen Platten-Crux
Eisbrecher, Stand SL3, Blick nach Osten in die Niedermann-Route wo ein Kletterer am Werke ist (in der unteren Bildmitte)
Sl4 5c+ Abwechslungsreiche Schuppen und Platten in denen viel selber abzusichern ist. 
SL4, 5c+, Platten und Schuppen. Unten sieht man den Vorbau; auf dessen linken Seite steigt man in steilem Schneefeld zu den Einstiegen hoch.
Sl5 6a, 35m  Weiter in schönen Rissen und Platten hoch. Wo Bolts notwendig sind, hat es auch welche, wenn auch wenige. 
Sl6 6a+, 15m Ruedi hängt diese SL mit SL5 zusammen was gerade knapp 50 m ergibt.
Sl7 6b, 35m Diese SL führt im grossen ZickZack sehr schön in abwechslungsreicher Kletterei hinauf.
SL7, 6b Crux-Stelle
Sl8 6b+ Gegenüber der anderen 6b+-SL ist diese SL athletischer mit einigen Rissen aber nach unserem empfinden doch eher etwas einfacher.
SL8, 6b+  kurz vor der steileren Passage
Sl9 6a Zuerst gerade hoch, dann kommt man links auf ein breites Grasband. In der Wand danach steckt unten und oben ein Bolt. Kurz vor dem oberen Bolt eine etwas grössere Schuppe, von wo aber der Bolt nicht erreicht werden kann. An dieser Platten-Stelle mit gefühlter 6b-Schwierigkeit wäre ein gefährlicher Grounder aufs Band die Folge; ich zögere. Mit der Cheet-Express konnte ich dann doch noch knapp den Bolt einhängen und die Stelle angstfrei klettern. Der Bolt ist einfach zu hoch gesetzt; als ob er Toprope eingerichtet worden wäre. Ruedi war der Ansicht, dass dies eine andere Remy-Route sei - aber welche? - und ich weiter links in einfacherem Gelände hätte klettern sollen; Martin Scheel würde nicht so bohren (das denk ich auch). Nachtrag: Gemäss dem Originaltopo ging die Route dort wirklich weiter links mit der Schwierigkeit 5 weiter und nicht die Platte hoch. Vermutlich wurde diese Variante beim Sanieren so eingebohrt (geändert). Schade das hier 'falsch' (gefährlich) gebohrt wurde.
SL9, 6a  Ruedi kurz vor der schwierigen Grounder-Plattenstelle, vor dem schlecht gesetzten Bolt. Die Originalroute des Eisbrechers ging rechts davon im 5-er Gelände.
Sl10 6a, 40m Sehr schöne Seillänge in Rissen und Schuppen
SL10, 6a  sehr schöner Fels; auch hier muss viel selber gesichert werden.
Sl11 5c+, 40m Ziemlich anspruchsvoll für eine 5c+ aber sehr schön.
SL12 5a Die letzte SL quert rechts hoch; in der Mitte noch eine etwas schwerere Stelle.

Um 14:50, nach gut 5 h sind wir nach einem sauberen Team-OnSight auf dem Grat.
Es beginnt zu regen und vor allem surren 2 Haken ca. 2 m höher auf dem Gipfel, da kleinere Gewitterwolken im Gebiet sind und ein leises Grollen hörbar ist. Meine Kamera surrt beim hochhalten auch, worüber ich natürlich ziemlich erschrecke und sie sofort tiefer halte!
GraueWand, Eisbrecher, Ausstiegsgrat, ein kleines Gewitter naht; die oberen Bolts und die Kamera surren beängstigend.
Wir wollen sofort abseilen, doch blockiert noch eine Seilschaft von der Niedermann-Route die Abseilstelle. Dann beginnt es zu regnen/graupeln und wir seilen möglichst schnell in etwas mehr als 1/2 Stunde über die super Abseilpiste ohne Verhänger ab. Der Regen ist nicht allzu stark, wir sind aber doch froh um unsere Jacke. Das Abseilgerät wird super gekühlt durch die regennassen Seile!
Blick in die regennasse Wand beim Abseilen im unteren Teil
Unten angekommen scheint die Sonne schon bald wieder und wir verpflegen uns gemütlich und geniessen die schöne Gegend. 
Vorsicht beim Abstieg am Vorbau: Zwischen der Wand und dem Vorbau ist es ziemlich brüchig und die Gefahr ist gross, dass man Steine auslöst und andere Absteigende gefährdet (beim Aufstieg ist dies weniger problematisch da die Niedermann-Route, wo die meisten Leute klettern, unten startet, aber die Abseilpiste endet oben am Vorbau). Bei uns haben 2 andere Absteigende relativ grosse Steine von oben ausgelöst. Am besten wartet man bis niemand mehr in der Rinne ist.
Graue Wand, Abstiegsrinne zwischen Wand und Vorbau. Vorsicht: etwas brüchig
Der weitere Abstieg im weichen Schnee (Temperaturen im Tal über 30 Grad) war dann problemlos.

Facts:
Furka - Graue Wand - Eisbrecher 6b+ (6a+ obl.) - 12 SL  400 m  - Martin Scheel & Co. 1982, saniert 1997 - ***, xx
Material: 10 Exen, Camalots 0.3-2, Bandschlingen, evtl. Klemmkeile 2-10, Pickel und evtl. Steigeisen (falls harter Firn) für den Zustieg.
Absteigen: Abseilen über die Route wäre möglich, aber einfacher/direkter über die zentrale Abseilpiste.
Topo: Schweiz Extrem Ost (aktuell),  Originaltopo (nicht mehr ganz aktuell)

Fazit: Schöne, alpine Route mit abwechslungsreichen Rissen und Platten, wobei Risse und Schuppen überwiegen. Es kann und muss viel selber gesichert werden. Die wenigen Bolts sind aber durchdacht gesetzt  (bis auf einen; siehe oben SL9) . Für die damalige Zeit ein Highlight. Die Route weicht an einigen wenigen Stellen gegenüber der Originalroute ab. 

Sonntag, 4. August 2013

Furka - Hanibalturm - Kassensturz+Hanimoon

Tour Datum: 26.-28.7.2013  / erster Tag 26.7. (Freitag)
Dieses Wochenende war heisses Wetter angesagt und wir wollten wieder einmal in alpinem Granit Mehrseillängenrouten klettern. Wir entschieden uns dann schlussendlich für das Furkagebiet mit Zielen am Hanibalturm, der grauen Wand sowie am Chli Bielenhorn.
2.Tag: Bericht Grauen Wand / Eisbrecher (6b+)  
3. Tag: Bericht  Chli Bielenhorn / Psychides (7a+)
Da Ruedi A. und ich uns am ersten Tag  etwas an den Furka-Granit gewöhnen wollten und auch nicht allzu früh dran waren, sind wir an den Hanibalturm bei der Siedelenhütte in gut 1 Stunden von der Refuge Furka hochgestiegen um ein bis zwei der Plaisir-Routen zu klettern. Unten am Turm hatte es noch ziemlich Schnee und teilweise nasse Felspartien (Vorsicht), der Pickel war aber nicht notwendig (wenn kalt/harter Schnee evtl. schon).


Hanibalturm

Hanibalturm - Kassensturz, 6c

Wir wollten eigentlich zuerst die etwas einfachere Hanimoon klettern, aber es hatte zu viele Leute in der Route, sodass wir die Kassensturz wählten. Um 11:30 sind wir eingestiegen.

SL1, 5c+ Bereits vor dem 1.Haken auf einer Platte muss die angegebene Schwierigkeit geklettert werden und der Haken ist ziemlich unerfreulich recht hoch oben. Soll das ein Eintrittstest (gefährlicher Grounder) sein?
Der Rest der Route ist dann vor allem bei den Schwierigkeiten Plaisir-mässig gesichert.
Kassensturz SL1, 5c+ Ruedi bereits nach der Grounder-Potenzial-Plattenstelle
SL2, 6a Nun steilt die Wand auf und es wird etwas athletischer.
SL3, 6b Sehr schöne abwechslungsreiche SL, eher soft bewertet.
SL3, 6b Hans an einer Piaz-Stelle, super kompakter Fels
SL4, 6b+ Von Beginn weg steil und athletisch in Rissen hoch. Es lohnt sich etwas die Übersicht zu behalten. Klettergartenmässig mit Bolts gesichert obwohl auch Cams gelegt werden könnten. Einer dieser Bolt wäre in der Einstiegs-SL am Anfang nach 3-4 m sicher besser investiert gewesen!
Kassensturz SL4, 6b+ , athletisch und mit Standard 'super 'gesichert
SL5, 6a+ relativ kurze SL mit sehr schönem, technisch einfachem Piaz.
Kassensturz SL5, 6a+, Schöne Piaz-Passage
SL6, 6c Die 6c ist eine Passage am Anfang über ca. 10 Meter in Rissen mit einer Handklemmer-Crux am Schluss. Anschliessend einfacher.
SL6, 6c Ruedi kurz vor der Handklemmer-Crux
Team-OnSight in 2 Stunden.

Facts:
Furka - Hanibalturm P.2882m - Kassensturz 6c (6b obl.) - 6 SL  170 m  - ***/****, xxxx
Material: 12 Exen, 2x50m Seil, kleinere Cams können wenige Male eingesetzt werden.

Fazit: Sehr schöne Plaisir-Route wobei die 1.SL unten bezüglich der Absicherung aus dem Rahmen fällt.

Die Hanibank auf dem Turm oben dann überfüllt, sodass wir sofort um ca. 13:35 wieder abseilten und unten etwas tranken und assen.

Ich wollte noch die Hanimoon von Marcel klettern, Ruedi hätte eine etwas schwerere Route bevorzugt.

Hanibalturm - Hanimoon, 6a+

Die Hanimoon war nun frei und wir sind um ca. 14:30 eingestiegen.
Auf eine detaillierte Beschreibung verzichte ich hier; die Route ist mit interessanten Hintergrundinfos sehr gut von den Erstbegehern beschrieben.
Hier noch ein paar Fotos:
Hanibal, Hanimoon, SL1 5c+, plattig 

Hanimoon, SL3 6a Ruedi in Aktion in der sehr abwechslungsreichen Route


Hanimoon, SL5, 6a, oberer Teil mit der einfachen aber speziellen Quarzleiter.

Die Hanibank auf dem Hanibalturm haben wir nun für uns; das obligate Pic... Der Fahrplan wird jedes Jahr von den Hanicity-Verwalter ausgewechselt und die Bank gepflegt!
Team-OnSight in 1:40 Stunde.
Oben angekommen haben wir dann diesmal die berühmte Hanibank für uns alleine ;-)

Facts:

Furka - Hanibalturm - Hanimoon 6a+ (5c+ obl.) - 5 SL  170 m  - Dettling, 2009 - ****, xxxx

Material: 12 Exen, 2 x 50m Seil

Topo: siehe Erstbegehung 

Fazit: sehr schöne, homogene und abwechslungsreiche Plaisirroute welche durchdacht abgesichert ist.

Nach gemütlichem Fotoshooting und Verpflegung seilen wir über die Route ab und wandern zur Refuge Furka zurück.

Der Hanibalturm ist ein sehr lohnendes Ziel zum angewöhnen auf anspruchsvollere Routen im Gebiet.