Seiten

Samstag, 25. Juli 2015

Furka - Graue Wand - Conquest (7a)

Tour Datum: 21.07.2015
Die berühmte Route 'Conquest'  an der Grauen Wand wollten wir schon länger mal klettern und seit der Standplatzsanierung im 2013 gab es keinen Grund mehr der dagegen sprach. Zufällig haben wir an diesem Tage die bekannten Erschliesser Claude und Yves Remy dort angetroffen, welche die Route noch zusätzlich nachrüsteten.
An diesem heissen Sommertag mit Taltemperaturen von über 30 Grad C bot sich entweder eine Nordwand an, oder eine Route in einem hoch gelegen Gebiet. Die ca. 3000 m hoch gelegene Graue Wand schien uns eine gute Wahl zu sein, was sich bestätigen sollte.
Mit dem PW sind wir Richtung Furkapass und zum Parkplatz Tätsch (P.2272, Taxe 7 CHF)  hochgefahren, von wo wir in etwas mehr als 1 Stunde zum Einstieg hochwanderten. Dieser ist im Gegensatz zum Niedermann-Sektor der Grauen Wand problemlos zu erreichen (ohne Steigeisen).


Graue Wand links der Bildmitte, die Route Conquest befindet sich im linken Teil der Wand, welche auch braun ist.
Schon von weit sehen wir, dass eine Seilschaft bereits am Einstieg der Conquest ist. Als wir näher kommen ist eine Person mit Kopftuch im Vorstieg der L1; ich denke noch, dass könnte einer der Remy-Brüder sein.
Eine Seilschaft ist rechts oberhalb von Ruedi bereits in der 1.Seillänge der Conquest....

Als wir dort waren bestätigte sich dies; die Remy-Brüder, zusammen mit einem weiteren Kletterer, rüsten die Route nach und machen zudem noch Fotos für ein neues Buch.

Yves Remy beim Bohren in der 1.Seillänge vor dem Körperriss.
Wir haben in Erwägung gezogen nun leider eine andere Route zu klettern (z.B. die 'Heisse Linie'), aber Claude meinte, es sei kein Problem wenn wir folgten. Wir mussten dann halt noch etwas warten; Claude hatte mit seinem schweren Rucksack mit dem Einrichtungsmaterial natürlich etwas länger in der athletischen ersten Seillänge.

Kurz vor 9 Uhr sind wir dann in die Conquest eingestiegen.

L1, 6a+, 50m, Unten ein schöner Piazriss. Die Crux-Stellen sind gleich nach dem Körperriss sowie oben athletisch/technisch kurz vor dem Ausstieg. Ich bin ohne den Körperriss etwas rechts in der feinen Platte geklettert, was zwar etwas schwerer ist (max. 6c), dafür war's aber kein Knorz (mit dem neuen Bolt muss man wohl nicht mehr im Riss hinten selber legen). 
Yves hat 2 neue Bolts gesetzt (Anfangs und vor dem Körperriss). Ausserdem haben sie den Stand nach L1 um etwa 5 m nach unten rechts versetzt, sodass die Linie begradigt wird und ein 50 m-Seil problemlos reicht.
L1, 6a+, in der oberen Crux Remy's Helfer in einer interessanten Klettersposition, dann folgt Claude mit dem schwerem Rucksack im Piazriss und hart auf den Fersen folgt Ruedi.
L2, 5a+, 50m, Anfangs in einfachem Gelände rechts hoch (mit dem neuem Stand gehts nun etwa gerade hoch). Oben dann Plaisirkletterei mit 2 Bolts. Auch hier sollte selber noch zusätzlich abgesichert werden.
L2, 5a+, schöne Plaisirkletterei; die Sicherungspunkte entsprechend weit auseinander. 
L2, 5a+,  Ruedi im oberen, schöneren Teil.
L3, 5a, 45m, Rechts an den schönen Schuppen hoch (selber absichern) quert man oben nach links (neuer Bolt). Plaisir. 
L3, 5a, nochmals eine schöne Plaisir-Seillänge. Der "Super Fissure" ist rechts des Kletters noch in weiter Ferne. 
L4, 5b, 45m, Anfangs noch Platten, klettert man dann zwischen Blöcken gerade hoch.

L4, 5b, auch diese Seillänge hat kaum Bolts und kann gut selber abgesichert werden.
L5, 6c, 35m, Eine tolle Seillänge mit Platten- und Risskletterei. Die Crux kommt gegen Schluss gleich nach dem schönen Piazriss; hier sind grössere Personen etwas im Vorteil.
Ich empfand diese Länge nicht schwerer als die L1 (d.h. L1 fand ich hart und L5 soft bewertet).
Beim Abseilen haben die Remys noch einen zusätzlichen Bolt ca. 2-3 m vom Stand weg gesetzt.
L5, 6c, oben klettert Claude, Ruedi folgt in dieser genussreichen und schönen Seillänge.
L5, 6c, im oberen Teil im sehr schönen Piazriss. Danach folgt gleich die Crux-Stelle, welche darin besteht via kleinere Griffe den grossen Ausstiegsgriff zu erreichen. 
Blick in den Niedermann-Sektor der Grauen Wand mit Seilschaften in der klassischen  Niedermann-Route. Links davon die Route 'Eisbrecher', welche wir vor 2 Jahren kletterten.
L6, 6a+, 20m, Nachdem man das Band nach links gequert hat, startet der berühmte "Super Fissure", welcher im ersten Teil noch einfacher ist, aber dafür selber abgesichert werden muss (1 Bolt), was aber problemlos möglich ist.


 Der "Super Fissure". Claude und Kollege am Stand von L7, während Yves die Plaisirvariante rechts weg klettert. Die direkte 7a-Route geht gerade hoch.
L6, 6a+, Ruedi im schönen Piazriss (unterer Teil des "Super Fissure"), welcher meist selber abgesichert werden muss.
L7, 7a, 30m, Von diesem Stand geht rechts eine Plaisir-Variante im 6b-Bereich weg, welche die Remys wählten und wo sie mindestens einen zusätzlichen Bolt setzten.
Für uns ging's aber gleich sehr schwer und anstrengend den "Super Fissure" weiter hoch. Ruedi klettert anfangs in Hand-Klemmtechnik und setzt gleich einen Cam (empfehlenswert); mir war das zu schmerzhaft und ich habe in (anstrengender) Piaztechnik diesen Teil geklettert. Vor dem grossen, gutgriffigen Block ist noch eine schwere Stelle zu meistern, bevor man sich etwas erholen kann.
Der Riss spaltet sich nun in 2 Risssysteme auf, welche im oberen Teil bei den letzten Bolts nochmals sehr schwer zu klettern ist, da keine guten Tritte mehr vorhanden sind (Wechsel vom Spreizen im Doppelriss zu Piazklettern). Es hat im Vergleich zum Rest der Route viele Bolts in dieser Seillänge (4x).
Ich fand die Seillänge sehr anstrengend und hart. Wir beide mussten unsere Onsight-Ambitionen leider aufgeben; Ruedi allerdings nur sehr knapp erst in der obersten Crux-Stelle. 

L7, 7a, Ruedi hat den anstrengenden Riss bereits überwunden und kann sich etwas ausruhen. (Sorry für die schlechte Handy-Bildqualität, der Akku meiner Kamera war leer)
 L7, 7a, diesmal Hans im oberen Crux-Teil Es sieht eigentlich gar nicht so schwer aus. aber dort ist es nochmals pickelhart und es benötigt einiges an Technik und Kraftausdauer um zu punkten.
L8, 6a+, 40m, Man querst zuerst rechts und geht dem Riss nach hoch, welcher teilweise ziemlich breit ist. Dann wieder links hoch an den Bolt und nochmals rechts. 
Diese Risse sind gar nicht so einfach und eher unangenehm zu klettern und es ist nicht auf Anhieb klar, ob jetzt spreizen oder Piaz-/Klemmtechnik-Klettern oder gar Plattenkletterei am Besten ist (es gibt wohl auch verschiedene Lösungen). 
Die Remys haben im mittleren Teil noch 1 Bolt nachgebohrt beim Abseilen. 
Es bleiben aber immer noch einige Stellen, wo man einige Meter über der letzten Sicherung klettert und nicht stürzen sollte.
L8, 6a+, in dieser Seillänge ist nochmals volle Konzentration angebracht. Man erkennt gut wie zuerst rechts, dann links, dann wieder rechts und am Schluss wieder links im Riss geklettert wird.
L9, 5b, 40m, Im unteren Teil etwas schwerer, wird es im oberen Teil deutlich einfacher. Der Stand am Ausstieg ist noch mit alten Bolts ausgestattet (nicht saniert). Diese scheinen aber noch in Ordnung zu sein. Trotzdem hat es uns etwas erstaunt dass dieser nicht auch noch saniert wurde. 
Die Standschlingen einiger Stände sind nur aus Bandschlingen (nicht mal Reepschnüre), welche dann schon bald wieder ersetzt werden müssen.

Kurz vor 15 Uhr erreichen beide den Ausstieg. Wir benötigten knapp 6 Stunden, wobei wir zwischendurch etwas warten mussten (max. 1/2 h).
Wir trinken und essen was Kleines und seilen dann ab. Die Remys holen wir ein, welche im Abseilen noch die Risse etwas putzen und da und dort noch einen Bolt setzen sowie den Standplatz nach der ersten Seillänge verschieben.
Am Einstieg essen wir gemütlich z'Mittag und wandern zufrieden zurück zum Parkplatz in Tätsch. 
Das war wieder ein toller Tag im Furkagebiet!

Facts:
Furka, Graue Wand 
Conquest 9 SL, 7a (6b obl.), 350 m, Claude und Yves Remy, 1988, Teilsanierungen/Nachrüstung 2013 + 2015
Material: 12 Express, Camalots 0.3-3, Klemmkeile, 2 x 50m Seil
Absicherung: 3x bis 4x (Crux-SL). 
Nach den Sanierungen von 2013 (Standplätze) und 2015 (einige Zusatzbolts; pro SL im Schnitt ca. 2, die alten vorhandenen Bolts wurden belassen) kann die Route als solide ausgerüstet bezeichnet werden. Es sollte aber auf jeden Fall ein volles Rack für die zusätzliche Absicherung mitgenommen werden, da auch mit den neuen Zusatzbolts keine vollständige Absicherung erreicht wird. Zudem sehen die beinahe 30 Jahre alten Bolts in den Seillängen zwar von aussen recht gut aus, ob sie aber wirklich halten, kann wohl niemand sagen; getestet haben wir nur einen Bolt in der Crux-SL oben! Ob die Zusatzbolts (und auch einige bestehenden Bolts) notwendig sind, will ich nicht beurteilen; es gibt sicher Argumente für weniger und für mehr Bolts. Letztendlich haben die Erschliesser hierzu die weitgehende Entscheidungsfreiheit; in jedem Falle wird es Befürworter und Kritiker geben. Auf jeden Fall aber vielen Dank an die 2 Sanierungsteams von 2013 und 2015!
Schönheit: 4*, für die vollen 5 Sterne ist die Route m.E. zuwenig einheitlich
.

Topo
Schweiz extrem ost (2013)

Fazit:
Die Conquest bietet ausgezeichnete Granitkletterei auf Platten und Rissen. Das Highlight der Route ist der eindrückliche "Super Fissure"; die anderen Seillängen sind aber auch meist sehr schön (L5 hat mir persönlich sogar besser gefallen) und selbst die einfachen Seillängen bieten abwechslungsreiche Plaisirkletterei. Vor allem die Crux-SL ist zwar sehr fordernd, mir schien aber die Route Eisbrecher, welche wir vor 2 Jahren im Gebiet geklettert sind, doch alpiner und ernsthafter und deshalb mindestens ebenso anspruchsvoll.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Alpstein Sigelpfeiler - Bahnersatz (7b)

Tour Datum: 11.07.2015
Mit diesem Bericht möchte ich eine neue, lohnende Route am Sigelpfeiler im Alpstein vorstellen. Die Route 'Bahnersatz' ist im aktuellen Alpsteinführer als Projekt mit 3 Seillängen dokumentiert und wurde in der Zwischenzeit fertiggestellt und umfasst nun 6 Seillängen.
Ich wollte schon länger mal am "Alp Sigel" die klassiche Route 'Sigelpfeiler' und die neue 'Bahnersatz' klettern und wusste von Werner Küng, dass es zudem noch weitere neue Routen hat. Als ich das neue Topo von Werner dann bekam, war ich mir aber nicht mehr so sicher, ob die Bahnersatz überhaupt machbar ist für uns, da die 3 Seillängen, welche vorher bis 6c bewertet waren, nun mit bis zu 7a+ eincheckten und zudem noch eine 7b-Länge folgte. Werner hat mich dann aber doch überzeugt, die Route zu klettern.


Die schöne neue Alp Sigel Bahn.
Zustieg
Von den 2 Möglichkeiten, welche im Alpsteinführer beschrieben sind, wählten wir den Zustieg von Brülisau mit der Alp Sigel Bahn
Da von dieser Seite alles ziemlich flach ist, ist es gar nicht so einfach, die Abseilstelle unterhalb der Scharte zu finden. Von der Bergstation dem Alpweg folgen, bis dieser abwärts zur Alp Sigel führt, nun leicht ansteigend über die Wiese zum Bergweg Richtung Zahme Gocht-Brülisau hoch, diesem ca. 100-200 m folgen bis zu Wanderwegpfeil. Nun links weg und rechts der markanten Rippe und Rinne, teils auf Weg, immer die Säntisantenne im Blick, genau zum Gipfel wandern (ca. 40 Minuten). Beim Gipfel mit dem Gipfelkreuz ist man schon zu weit; das ist der Hauptgipfel P. 1769 m; das Ziel, der Westpfeiler ist aber P. 1743 m. Der Zugang zur Abseilstelle  ist im Topo beschrieben.
Abseilstelle 15m unterhalb des Sattels. Der Westpfeiler und Gipfel sind links davon.

Die 2.Abseillänge ist ziemlich luftig.
Der Sektor Sigelpfeiler
Unser Plan war, zuerst die Bahnersatz und nachher, wenn es wärmer wird den einfacheren Sigelpfeiler (6b) zu klettern. Das Los entschied: Dani S. 'darf' in der ersten Seillänge vorsteigen. Kurz nach 10 Uhr konnten wir im angenehmen Schatten der Westwand starten.

Bahnersatz, 6 SL, 7b (6b+ obl.)

L1, 7a+, 20m, Kaltstart schon ab dem 2.Bolt. Anhaltend schwer und pumpig in schönem kompakten Fels, man sollte sich aber an die Bolts und den Routenverlauf im Topo halten, da es neben der Route teilweise ziemlich brüchig ist. Auch aufgewärmt und RP sicher ein Ausdauerproblem. Wir hatten beide einige Hänger, konnten aber wenigstens alles frei klettern.
L1, 7a+, Dani bereits beim 3.Bolt; hier sollte man nicht in den verlockend einfacheren aber brüchigen linken Teil klettern. 
L2, 6c+, 20m,  Anfangs sind bereits schon die Crux-Passagen in feingriffigem und etwas splitterigem Fels zu bewältigen, oben dann einfacher mit meist guten Strukturen (dort noch 6a-6b).

L2 6c+, unten steil und kompakt, flacht es oben etwas ab.
L3, 7a, 20m,  Super schöne und kompakte, technische und anhaltende Steilplattenkletterei (meist ca. 6c). Die Crux gegen Ende mit Unterseitgriff rechts (sehr harter Zug), wobei es schon schwer ist, diesen zu erreichen. Ich fand das die schönste Seillänge der Route.


L3, 7a, beinahe wie an den Wenden! Aber mehr Bolts.
L3, 7a, Crux-Passage, Dani krallt den Unterseitgriff.
L4, 7b/A0 2 p.a., 20m, Sehr kompakt und strukturlos scheinen die folgenden Platten nicht kletterbar zu sein. Anfangs noch grossgriffig und einfacher mit grossem Abstand zum 2.Bolt (ist aber ok vom Sturzgelände), kommt dann die sehr feine 7b-Platte (A0 gut möglich), welche wir nicht frei klettern konnten. Wenn man genauer schaut hats doch ein paar Strukturen und der Riss rechts hoch ist oben dann auch gut. Werner hat hier eine, gemäss seinen Aussagen, "grossartige" Lösung gefunden (das Highlight). Wir haben (leider) angesichts der abschreckend glatten Platten gar nicht richtig nach einer Lösung gesucht.
Der obere Aufschwung dann mit 2 p.a. (2 Bolts darf man halten). Diese Linie folgt den kompaktesten aber auch schwersten Strukturen. Am Schluss wieder einfacher, ca. 6b.
Nachtrag: Anfangs Juli 2016 durch Daniel Benz Rp geklettert; Vorschlag: 7c+



L4, 7b/2 p.a Die Route geht links hoch durch den kompaktesten Teil des oberen Aufschwungs.
L4 im einfacheren Ausstiegsbereich
L5, 6c, 20m, Anfangs ist der Fels etwas brüchig und hierfür hat es zwischen 1. und 2.Bolt einen zu grossen Abstand, da zudem ein Grounder auf das Band möglich ist (vorsichtig klettern!). Prompt hatte Dani einen Trittausbruch (faustgrosser Stein, den er auch als Griff verwendete); zum Glück hatte er den 2.Bolt schon gehängt. Auch zum 3.Bolt ist der Abstand noch gross. Diese Abstände passen nicht so recht zu dem sonstigen Charakter der Route (sonst super abgesichert). Nach athletischen Passagen folgt oben noch eine obligatorische Steilplattenstelle im 6b/c-Bereich. 
L5, 6c, Anfangs der athletischen Passagen
L5, 6c,  und hier dieselbe Länge im oberen Teil, vor der Steilplatte.
Vor der letzten Seillänge kommt das grosse Band auf dem rechts von der Route einige weitere schöne Seillängen zu finden sind.
L6, 6c, 30m, schöne Seillänge in meist kompaktem Fels. Anfangs athletisch ca. 6b, die Crux-Passage kommt dann in der Mitte in kompakter und steiler Wandkletterei.
L6, 6c, Dani im steilen Aufschwung, welcher grossgriffig und gut zu klettern ist.
L6, 6c, im oberen Teil
Top of  'Bahnersatz'; ziemlich unspektakulär und kontrastreich. Hinten der Hohe Kasten; in dieser Richtung liegt die Bergstation der Sigelbahn.
Dank einer guten Teamarbeit sind wir die anspruchsvolle und schöne Route dann doch noch gut durchstiegen; jeder hatte jedoch so zwei Stürze zu verzeichnen.
Mit beinahe 6 h hatten wir allerdings sehr lange für die nur 6 Seillängen (mit total nur ca. 130 m!), wobei wir fast 1 h in L5 und mit einer Querband-Pause (inkl. Gipfelbuchlesen!) verloren. D.h. gut 5 h hätten wir auch gehabt, wenn alles gut gelaufen wäre, was auch noch lange ist und durch die anhaltend hohen Schwierigkeiten (für uns) zu erklären ist.
Ich konnte alle Stellen ausser der 7b-Passage frei klettern; allerdings mit insgesamt einigen Hängern bei/ab 7a. 
Es war nicht so, dass wir am Schluss total ausgepumpt waren, aber wir hätten jetzt nicht noch, wie ursprünglich gedacht, die Route Sigelpfeiler klettern wollen (abgesehen von der fehlenden Zeit).


Und hier der Blick in die andere Richtung West.
Nach einer längeren Pause und nachdem wir die schöne und für mich ungewohnte Aussicht genossen hatten wanderten wir wieder zurück zur Sigelbahn und haben grad noch eines der letzten Bähnli kurz vor 18 Uhr erwischt.
Vom Sigelpfeiler-Wandfuss Richtung Säntis und Seealpsee. Rechts oben sieht man die langgezogenen Äscher-Felsbänder. 
Facts:
Alpstein, Sigelpfeiler
Bahnersatz 
 6 SL, 7b/A0 2 p.a. (6b+ obl.), 130 m, Manuel Siegl, Sepp Ulmann, 2010 (erste 3  SL), Werner Küng, Sepp Ulmann, 2012 (obere 3 SL).
Nachtrag: Anfangs Juli 2016 durch Daniel Benz Rp geklettert; sein Vorschlag: 7c+

Material: 12 Express, 2 x 50m Seil
Schwierigkeiten: 6c sollte man schon gut klettern können damit es noch etwas Spass macht; mit/ab 7a-Niveau macht es dann erst richtig Spass.
Absicherung: 4x bis 5x (super) mit Ausnahme Anfangs 5.SL. 
Die Absicherung ist sehr durchdacht und solide angebracht, welche meist einen guten Klettergartenstandart erreicht.
Schönheit: 3*, m
eist in sehr kompaktem Fels, gibt es doch immer wieder etwas brüchige Stellen in denen sorgfältig geklettert werden muss.

Die Route eignet sich auch an einem warmen Sommertag, da erst um ca. 13-14 Uhr die Sonne die Westwand wärmt.

Topo
- Alpsteinführer 2011 (Gebietsbeschreibung und Zugang)
- Das aktuelle und sehr gute Topo von Werner Küng kann hier Sigelpfeiler pdf heruntergeladen werden.

Zu erwähnen ist noch, dass im oberen Wandbereich in den letzten Jahren weitere schöne 1-Seillängen-Routen eingerichtet wurden (siehe Topo).
Vielen Dank an die Erschliesser!


Fazit:
Die Bahnersatz bietet abwechslungsreiche, anspruchsvolle und schöne Kletterei an Aufschwüngen und Steilplatten. Eine empfehlenswerte Route mit einem alpinen und sehr schönen Ambiente im Alpstein.

Samstag, 20. Juni 2015

Hinter Glatten - Let's go (7b)

Tour Datum: 12.06.2015
Schon lange war ich nicht mehr am Klausenpass zum Klettern, wo wir aufgrund der Wettersituation den Hinter Glatten wählten. Insbesondere auch wegen einem Verhauer, den wir leider hatten, beschreibe ich hier die Tour 'Let's go'.
Erst beim Hochfahren zum Pass haben wir aufgrund der Schnee- und Wetter-Verhältnisse entschieden, wo wir klettern wollen; Butzli, Chli Glatten oder Hinter Glatten waren die Wahl.
Schon von der Passstrasse aus war ersichtlich, dass der rechte Wandteil des Hinter Glatten sehr nass ist, der linke Teil jedoch - soweit erkennbar - schon trocken. Parkiert haben wir bei der letzten Kurve (P.1888), knapp 1 km ostseitig der Passhöhe. Wir brauchten etwa 45 Minuten für die rund 330 Höhenmeter Zustieg (T4/T5-Gelände).


Hinter Glatten mit der Route Let's go (rot) sowie der "Verhauer"-Seillänge (schwarz)
Nachdem wir uns orientiert und vorbereitet hatten sind wir um 9:30 in die vermeintlich richtige Route eingestiegen.
L1 Verhauer, ca. 6b, ca. 30 m rechts von "Let's Go", 
Die erste Hälfte relativ brüchig, oben dann doch wesentlich besserer Fels und schöne Kletterei.
L2 Verhauer, Nun sieht man keine weiteren Bolts mehr, nur ca. 10 m weiter oben kommt eine alte Reepschnur mit einem Karabiner drin. Dort kann man sich provisorisch sichern und das Gelände ist nicht allzu schwierig, sodass zurückklettern möglich ist. Wir treten den Rückzug an und seilen dann vom Stand ab.

Der Verhauer (altes Projekt?) ist im Extrem Ost als gestrichelte Linie eingezeichnet, aber im GLClimb gar nicht (obwohl es den Verhauer aufgrund des alten Materials wohl schon länger gibt). Schade, dass wir das Extrem-Ost-Topo nicht genauer angeschaut haben.


Die "Verhauer"-Seillänge im unteren Teil, ca. 6b. Sie führt bis ca. 15 m unterhalb des grossen Daches.
Der Verhauer hat uns total 1 3/4 Stunden gekostet! Das ärgert uns schon, da die Wetterlage nicht sehr stabil ist (Gewitter-Gefahr auf den Abend).
Man muss schon sehr gut schauen, bis man den Einstieg der Let's go findet, da die alte, graue Schlinge unten am Stand im Felsen bestens getarnt ist und auch der erst Bolt kaum sichtbar ist. Nun den, am Schluss konnten wir doch noch in unsere geplante Route einsteigen.


Let's go, 6 SL, 7b (6b+ obl.)

SL1, 6c, 35m,  Anfangs noch einfach, folgt man nach dem ersten Dächli logischerweise der grossen Schuppe gerade hoch (mittlerer Cam legen); der Bolt ist dann aber rechts davon und kann kaum mehr erreicht werden. Dann folgt ein anhaltender, schwerer Mittelteil im 6c Bereich, bevor man nach links an den ausgesetzten und steilen Pfeiler queren muss (unübersichtlich). Bis zum Stand nochmals schwere aber sehr schöne Kletterei.
Sehr schöne und anspruchsvolle SL. Im GLClimb noch mit 6b+, würden wir wie im 'Extrem Ost' auch 6c bewerten.


"Let's go" SL1, 6c, nach dem anhaltenden Mittelteil muss links an den Pfeiler gequert werden, dessen Steilheit und Ausgesetztheit hier gut sichtbar ist.
SL2, 6b+, 40m, Unten noch nicht die Topfelsqualität (leicht brüchig) folgt sehr schöne und abwechslungsreiche Kletterei mit einem für Kalk super schönen, breiten Riss. Die Schwierigkeiten sind auf eine Einzelpassage beschränkt, vielfach ist 6a-Gelände. Sehr schöne SL.


SL2, 6b+, Teil 1: nicht immer ganz kompakter Fels und  relativ weite Boltabstände...
SL2, 6b+, .... folgt im 2.Teil ausgezeichneter und abwechslungsreicher Fels incl. eines breiten Plaisir-Risses.
SL3, 6c+, 35m, Die Querung rechts an den Pfeiler noch nicht so schwer, wird es dann aber stetig anspruchsvoller. Im Mittelteil etwas splitterig und hierfür für mein Gefühl zu knapp abgesichert; hier sollte man sich sicher sein im Vorstieg. Der Pfeiler dann athletisch in grandioser Kletterei und gut abgesichert an meist grossen Griffen, welcher einiges an Ausdauer erfordert. Kurz vor dem Stand noch ein No-Hand-Rest unter einem Dächli; der Stand kommt aber gleich. Ruedi zieht OS durch; Gratulation! Sehr schöne und anspruchsvolle SL.


Stand SL3, Blick Richtung Nordost erkennt man gut den nassen Wandteil des Hinter Glatten wo die anderen Routen sind.
SL3, 6c+, unterschiedliche Felsstrukturen mit abwechslungsreicher Kletterei sind in dieser ausgezeichneten SL anzutreffen.
SL3, 6c+,  Zoom in den überhängenden Pfeilerteil am Schluss der SL, welcher bestens abgesichert ist.
SL4, 3a, 35m, nur Anfangs guter Fels (1 Bolt) dann einfaches Gelände mit Gras und Blöcken. Achtung: in diesem brüchigen Gelände muss man sehr darauf achten, keine Steine auszulösen. Im GLClimb fälschlicherweise als 7a bewertet (wohl ein Typo-Fehler); wir konnten noch nie so leicht eine 7a punkten ;-). Ist aber wohl doch eher 4a als 3a.

SL5, 7b, 47m, Anfangs sind die ersten 2 Bolts für uns noch frei kletterbar, dann müssen wir bei 2 Bolts über die feingriffige Überhangzone A0 machen; hier ist zweifellos die Crux-Passage. Oben dann einfacher, aber mit weiteren Sicherungsabstände und am Schluss vor dem Quergang noch eine schwere Stelle, welche aber gut abgesichert ist. 
Sehr schöne, lange und anspruchsvolle SL.

SL5, 7b, die feingriffige steile 7b-Passage ist gut zu erkennen.
SL5, 7b, auch im oberen Teil hervorragender Fels. Man beachte den rostfreien Bolt (gut 20 Jahren alt). 
SL6, 6a, 35m, Ziemlich anhaltend in diesem Schwierigkeitsgrad, teilweise würde ich auch eher 6a+ geben, sowie weite Boltabstände, welche kaum entschärft werden können. Obwohl meist sehr guter Fels hat es dazwischen doch auch etwas weniger festen Fels, aber auch diese Seillänge ist sehr lohnend. Der Ausstiegsstand ca. 2-3 m unterhalb des flachen grossen Plateaus.

SL6, 6a, Auch die letzte SL bietet nochmals schönen Fels, allerdings sind die Boltabstände recht weit.
Wir waren um 11:15 eingestiegen und sind um 16:00 am Ausstieg; d.h. wir hatten doch total ca. 4 3/4 Stunden, was auf die langen und für uns schweren Seillängen zurückzuführen ist. Insgesamt waren wir doch noch zufrieden und konnten trotz des Verhauers die ganze Route ohne Regen klettern.
Ausstieg von "Let's go"; Blick Richtung Südwest mit dem Klausenpass. Nordseitig liegt noch viel Schnee.
Ausstieg von "Let's go"; Blick auf die Klausenpassstrasse, welche sich wie ein Gedärm hochwindet.
Am Ausstieg sind wir dann auf dem flachen Plateau ca. 100-200 m Richtung Nordost hinübergequert zu einem Steimannli wo eine Abseilstelle ca. 3-4 m tiefer war (vrmtl. die Route Königswasser). Oben haben wir aber zuerst noch etwas Pause gemacht und sind dann luftig abgeseilt. Am Wandfuss dann rüber zu den Rucksäcken gequert und ausgiebig unseren Lunch gegessen. Auch beim Abstieg zur Passstrasse wurden wir nicht verregnet.

Facts:
Klausenpass, Hinter Glatten
Let's go, 6 SL, 
7b (6b+ obl.), 230 m, Thomas Pfenninger / Claudia Müller, 1993/94
Material: 10 Express, Camalot 0.5-2, evtl. Keile, 2 x 50m Seil
Die Bolts sind auch nach gut 20 Jahren äusserlich in einem sehr guten Zustand.
Persönliche Einschätzung: Die Bewertungen vom Extrem Ost empfand ich als in etwa angemessen. Die Absicherung ist in den schweren Passagen sehr gut (xxxx), sonst eher knapp gut (xxx), wobei auch ab und zu selber abgesichert werden muss. 
Schönheit:  4*; Die meisten Seillängen sind sehr schön; die Felsqualität ist jedoch nicht überall einwandfrei und eine Schutt-Zwischenseillänge über das Band stört den Kletterfluss etwas.

Topo
- Schweiz extrem ost (2013); sehr gutes Topo!
- GLClimb.

Fazit
Let's go ist eine lohnenswerte und abwechslungsreiche Route in meist bestem Fels. Es ist jedoch alpines Gelände, d.h. es hat auch einige etwas splittrige Stellen, die man sicher bewältigen können sollte, zumal in den einfacheren Passagen im 6a-Bereich grössere Boltabstände warten, welche nicht immer selber abgesichert werden können. Achtung: der richtige Einstig ist nicht einfach zu finden (siehe oben).