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Samstag, 20. Juni 2015

Hinter Glatten - Let's go (7b)

Tour Datum: 12.06.2015
Schon lange war ich nicht mehr am Klausenpass zum Klettern, wo wir aufgrund der Wettersituation den Hinter Glatten wählten. Insbesondere auch wegen einem Verhauer, den wir leider hatten, beschreibe ich hier die Tour 'Let's go'.
Erst beim Hochfahren zum Pass haben wir aufgrund der Schnee- und Wetter-Verhältnisse entschieden, wo wir klettern wollen; Butzli, Chli Glatten oder Hinter Glatten waren die Wahl.
Schon von der Passstrasse aus war ersichtlich, dass der rechte Wandteil des Hinter Glatten sehr nass ist, der linke Teil jedoch - soweit erkennbar - schon trocken. Parkiert haben wir bei der letzten Kurve (P.1888), knapp 1 km ostseitig der Passhöhe. Wir brauchten etwa 45 Minuten für die rund 330 Höhenmeter Zustieg (T4/T5-Gelände).


Hinter Glatten mit der Route Let's go (rot) sowie der "Verhauer"-Seillänge (schwarz)
Nachdem wir uns orientiert und vorbereitet hatten sind wir um 9:30 in die vermeintlich richtige Route eingestiegen.
L1 Verhauer, ca. 6b, ca. 30 m rechts von "Let's Go", 
Die erste Hälfte relativ brüchig, oben dann doch wesentlich besserer Fels und schöne Kletterei.
L2 Verhauer, Nun sieht man keine weiteren Bolts mehr, nur ca. 10 m weiter oben kommt eine alte Reepschnur mit einem Karabiner drin. Dort kann man sich provisorisch sichern und das Gelände ist nicht allzu schwierig, sodass zurückklettern möglich ist. Wir treten den Rückzug an und seilen dann vom Stand ab.

Der Verhauer (altes Projekt?) ist im Extrem Ost als gestrichelte Linie eingezeichnet, aber im GLClimb gar nicht (obwohl es den Verhauer aufgrund des alten Materials wohl schon länger gibt). Schade, dass wir das Extrem-Ost-Topo nicht genauer angeschaut haben.


Die "Verhauer"-Seillänge im unteren Teil, ca. 6b. Sie führt bis ca. 15 m unterhalb des grossen Daches.
Der Verhauer hat uns total 1 3/4 Stunden gekostet! Das ärgert uns schon, da die Wetterlage nicht sehr stabil ist (Gewitter-Gefahr auf den Abend).
Man muss schon sehr gut schauen, bis man den Einstieg der Let's go findet, da die alte, graue Schlinge unten am Stand im Felsen bestens getarnt ist und auch der erst Bolt kaum sichtbar ist. Nun den, am Schluss konnten wir doch noch in unsere geplante Route einsteigen.


Let's go, 6 SL, 7b (6b+ obl.)

SL1, 6c, 35m,  Anfangs noch einfach, folgt man nach dem ersten Dächli logischerweise der grossen Schuppe gerade hoch (mittlerer Cam legen); der Bolt ist dann aber rechts davon und kann kaum mehr erreicht werden. Dann folgt ein anhaltender, schwerer Mittelteil im 6c Bereich, bevor man nach links an den ausgesetzten und steilen Pfeiler queren muss (unübersichtlich). Bis zum Stand nochmals schwere aber sehr schöne Kletterei.
Sehr schöne und anspruchsvolle SL. Im GLClimb noch mit 6b+, würden wir wie im 'Extrem Ost' auch 6c bewerten.


"Let's go" SL1, 6c, nach dem anhaltenden Mittelteil muss links an den Pfeiler gequert werden, dessen Steilheit und Ausgesetztheit hier gut sichtbar ist.
SL2, 6b+, 40m, Unten noch nicht die Topfelsqualität (leicht brüchig) folgt sehr schöne und abwechslungsreiche Kletterei mit einem für Kalk super schönen, breiten Riss. Die Schwierigkeiten sind auf eine Einzelpassage beschränkt, vielfach ist 6a-Gelände. Sehr schöne SL.


SL2, 6b+, Teil 1: nicht immer ganz kompakter Fels und  relativ weite Boltabstände...
SL2, 6b+, .... folgt im 2.Teil ausgezeichneter und abwechslungsreicher Fels incl. eines breiten Plaisir-Risses.
SL3, 6c+, 35m, Die Querung rechts an den Pfeiler noch nicht so schwer, wird es dann aber stetig anspruchsvoller. Im Mittelteil etwas splitterig und hierfür für mein Gefühl zu knapp abgesichert; hier sollte man sich sicher sein im Vorstieg. Der Pfeiler dann athletisch in grandioser Kletterei und gut abgesichert an meist grossen Griffen, welcher einiges an Ausdauer erfordert. Kurz vor dem Stand noch ein No-Hand-Rest unter einem Dächli; der Stand kommt aber gleich. Ruedi zieht OS durch; Gratulation! Sehr schöne und anspruchsvolle SL.


Stand SL3, Blick Richtung Nordost erkennt man gut den nassen Wandteil des Hinter Glatten wo die anderen Routen sind.
SL3, 6c+, unterschiedliche Felsstrukturen mit abwechslungsreicher Kletterei sind in dieser ausgezeichneten SL anzutreffen.
SL3, 6c+,  Zoom in den überhängenden Pfeilerteil am Schluss der SL, welcher bestens abgesichert ist.
SL4, 3a, 35m, nur Anfangs guter Fels (1 Bolt) dann einfaches Gelände mit Gras und Blöcken. Achtung: in diesem brüchigen Gelände muss man sehr darauf achten, keine Steine auszulösen. Im GLClimb fälschlicherweise als 7a bewertet (wohl ein Typo-Fehler); wir konnten noch nie so leicht eine 7a punkten ;-). Ist aber wohl doch eher 4a als 3a.

SL5, 7b, 47m, Anfangs sind die ersten 2 Bolts für uns noch frei kletterbar, dann müssen wir bei 2 Bolts über die feingriffige Überhangzone A0 machen; hier ist zweifellos die Crux-Passage. Oben dann einfacher, aber mit weiteren Sicherungsabstände und am Schluss vor dem Quergang noch eine schwere Stelle, welche aber gut abgesichert ist. 
Sehr schöne, lange und anspruchsvolle SL.

SL5, 7b, die feingriffige steile 7b-Passage ist gut zu erkennen.
SL5, 7b, auch im oberen Teil hervorragender Fels. Man beachte den rostfreien Bolt (gut 20 Jahren alt). 
SL6, 6a, 35m, Ziemlich anhaltend in diesem Schwierigkeitsgrad, teilweise würde ich auch eher 6a+ geben, sowie weite Boltabstände, welche kaum entschärft werden können. Obwohl meist sehr guter Fels hat es dazwischen doch auch etwas weniger festen Fels, aber auch diese Seillänge ist sehr lohnend. Der Ausstiegsstand ca. 2-3 m unterhalb des flachen grossen Plateaus.

SL6, 6a, Auch die letzte SL bietet nochmals schönen Fels, allerdings sind die Boltabstände recht weit.
Wir waren um 11:15 eingestiegen und sind um 16:00 am Ausstieg; d.h. wir hatten doch total ca. 4 3/4 Stunden, was auf die langen und für uns schweren Seillängen zurückzuführen ist. Insgesamt waren wir doch noch zufrieden und konnten trotz des Verhauers die ganze Route ohne Regen klettern.
Ausstieg von "Let's go"; Blick Richtung Südwest mit dem Klausenpass. Nordseitig liegt noch viel Schnee.
Ausstieg von "Let's go"; Blick auf die Klausenpassstrasse, welche sich wie ein Gedärm hochwindet.
Am Ausstieg sind wir dann auf dem flachen Plateau ca. 100-200 m Richtung Nordost hinübergequert zu einem Steimannli wo eine Abseilstelle ca. 3-4 m tiefer war (vrmtl. die Route Königswasser). Oben haben wir aber zuerst noch etwas Pause gemacht und sind dann luftig abgeseilt. Am Wandfuss dann rüber zu den Rucksäcken gequert und ausgiebig unseren Lunch gegessen. Auch beim Abstieg zur Passstrasse wurden wir nicht verregnet.

Facts:
Klausenpass, Hinter Glatten
Let's go, 6 SL, 
7b (6b+ obl.), 230 m, Thomas Pfenninger / Claudia Müller, 1993/94
Material: 10 Express, Camalot 0.5-2, evtl. Keile, 2 x 50m Seil
Die Bolts sind auch nach gut 20 Jahren äusserlich in einem sehr guten Zustand.
Persönliche Einschätzung: Die Bewertungen vom Extrem Ost empfand ich als in etwa angemessen. Die Absicherung ist in den schweren Passagen sehr gut (xxxx), sonst eher knapp gut (xxx), wobei auch ab und zu selber abgesichert werden muss. 
Schönheit:  4*; Die meisten Seillängen sind sehr schön; die Felsqualität ist jedoch nicht überall einwandfrei und eine Schutt-Zwischenseillänge über das Band stört den Kletterfluss etwas.

Topo: 
- Schweiz extrem ost (2013); sehr gutes Topo!
- GLClimb.

Fazit: 
Let's go ist eine lohnenswerte und abwechslungsreiche Route in meist bestem Fels. Es ist jedoch alpines Gelände, d.h. es hat auch einige etwas splittrige Stellen, die man sicher bewältigen können sollte, zumal in den einfacheren Passagen im 6a-Bereich grössere Boltabstände warten, welche nicht immer selber abgesichert werden können. Achtung: der richtige Einstig ist nicht einfach zu finden (siehe oben).

Samstag, 7. März 2015

Selun Brisi Schneebrett

Tour Datum: 6.3.2015

Der Brisi ist eine beliebte, mittelschwere Skitour, welcher gemeinhin bezüglich der Lawinengefahr als relativ sicher eingestuft wird. Es gibt einige, welche behaupten, auf dem Brisirücken sei es sicher und sie hätten noch nie ein Schneebrett dort gesehen; ich widerspreche dann jeweils. Hier nun der Beweis. 

Eigentlich wollte ich an diesem ersten schönen Tag nach einer längeren Schneefallperiode mit Lawinenstufe 'erheblich' (slf-Archiv vom 201503060800) nur auf den Selun und dann vielleicht noch ins Frümseltäli, aber es kam anders.

Selun

Von Starkenbach (Posthaltestelle) bin ich um ca. 9:15 hochgelaufen. Auf dem Weg im steilen Wald waren die Verhältnisse sicher; da es kalt war bestand keine Schneerutschgefahr und zudem war der Weg nirgends eisig und auch noch nicht verfahren.
Brisi, Frümsel und der flache Selunrücken vom Vorderselun aus.
Vom Vorderselun bis weit den Selunrücken hoch hatte es 20-30 cm schönen Pulverschnee, im oberen Teil dann war er wie üblich teilweise hart und abgeblasen. Der Selunrücken ist nie gefährlich, da er die Steilheit von 30 Grad kaum übersteigt.
Blick vom Selun Richtung Westen, man beachte die grossen Wächten vorne von den starken Winden der letzten Tage.
Vom Selun Richtung Osten mit Walensee und Seeztal, links der Brisi.
Auf dem Selun habe ich dann bei schönstem Wetter die super Aussicht genossen und gemütlich zu Mittag gegessen. Die Abfahrt war dann Anfangs etwas ruppig (wie üblich) mit einem Steinkontakt, dann in eher schwerem Schneebrettschnee und in den flacheren Teilen super Pulverschnee; also insgesamt für den Selun sehr gute Verhältnisse. Auf dem Vorderselun habe ich mich aufgrund der guten Verhältnisse und da ich nicht die langweilige und eher unschöne Waldwegabfahrt nach Starkenbach machen wollte, entschlossen, noch Richtung Frümseltäli hochzugehen. Bis Strichboden und dann östlich hinab nach Rugg/Wildmannlisloch, ca. 1580 m, wo ich die Felle anzog und einer eben von 2 anderen Skitourengänger gut angelegten Spur folgte.
Chalttal mit Frümsel und Selun. Hier gehts nochmal hoch. Bei sicheren Verhältnissen kann man rechts im Bild bereits früher in die Mulde abfahren.
Bis ca. Punkt 1862 m hoch und dort Richtung Nord-West hinunter querend bis unterhalb des Brisi (von unten rechts) auf ca. 1650 m gefahren. Zwischen Selun und Brisi gibt es einige grössere, teilweise steile Bachtobel welche bei diesen Verhältnissen besser gemieden werden.
Unterhalb des Frümsels Richtung Brisi. Hier bin ich links runter gefahren. Die Spur rechts führt in exponiertes Gelände unterhalb steilen Frümselhängen.
Beim Hinabfahren habe ich den Brisi-Rücken genauer angeschaut und sah, dass bereits wenige Skitourenfahrer runtergefahren sind und vor allem war in der Mulde ein kleiner Lawinenkegel sichtbar. Statt ins Frümseltäli hab ich dann entschieden auf den Brisi zu gehen.  

Brisi

Den Brisi kenne ich gut und weiss, dass im linken meist abgeblasenen Teil (von unten gesehen) eigentlich fast immer ein lawinensicherer Weg möglich ist, wobei das Hauptproblem vielfach darin besteht, dass der Rücken sehr hart oder gar eisig ist (ich ging schon mit den Steigeisen hoch). Bei der Schlüsselstelle unten an der Fels-Steilstufe waren die Verhältnisse sehr gut; insbesondere war ein Schneebrett rechts davon schon abgegangen (dies ist eine bekannt kritische Stelle). Auch der Rest des Rückens war auf einer guten Spur problemlos zu begehen (ohne Harscheisen). Wie am Selun hatte es allerdings auch hier teilweise kompakte Schneebretter von 20-30 cm Dicke, welche von den starken Winden und dem Schneefall der letzten Tage herrührten; die typischen Warnsignale für eine Triebschnee-Situation wie vom Lawinenbulletin gemeldet. Die vorhandene Aufstiegsspur war aber sicher gelegt (dafür etwas viele Spitzkehren).
Schöne Stimmung auf dem Brisi Richtung Walensee und die Glarner Alpen.
Hier haben die Dohlen das Sagen!
Auf dem Brisi erneut eine herrliche Rundsicht. Nun war ich gespannt auf die Abfahrt. Man fährt meist links die Mulde hinunter, wobei Anfangs die steilen Passagen (deutlich über 30 Grad) bei 'erheblich' tunlichst gemieden werden sollten. Der windgepresste Schnee von ca. 20-30 cm auf harter Oberfläche war gut fahrbar. Vorsichtshalber bin ich zwei bereits existierenden Spuren nachgefahren, welche vom Gelände gut und relativ sicher gewählt waren. In der Mitte der Mulde (auf ca. 2040 m) rechts (von oben gesehen) dann das kleine Schneebrett (ca. 100 m x 20 m) mit dicker Abrissstelle (1-2 m) und unten teilweise relativ grossen Schneebrett-Teilen.

Brisi-Mulde Schneebrett-Anrisstelle auf ca. 2040 m. Hier wurde lokal eine sehr dicke Schneebrettschicht verfrachtet.
Das kleine Schneebrett vom selben Punkt aus.
Der untere Teil des Schneebrettes; die grossen Klötze stammen wohl von der dicken Anrisstelle.
Haben dieses Schneebrett die Vorgänger heute ausgelöst? Ganzverschüttet wird man wohl eher nicht, aber verletzten könnte man sich schon! Bei noch mehr Neuschnee (z.B. 50 cm) wäre es jedoch entsprechend gefährlicher. Viel befahrene Hänge gelten gemäss der aktuellen Lawinenkunde als weniger gefährlich weil die Oberfläche zerfurcht ist. Allerdings kann bei sehr vielen Befahrungen (am Brisi kann es auch mal 50 Skitourengeher an einem Tag haben) der Hang so abgefahren sein, dass er wie auf einer Piste glatt wird und sich grössere Gleitflächen bilden können, wie dies heute der Fall war. 
Danach bin ich rechts hinüber gefahren und im Aufstiegsbereich den Rest des Rücken hinuntergefahren. Der Felsabsatz konnte gut überwunden werden (nach links hinaus); vor 3 Wochen mussten wir noch dem Sommerwanderweg nach, da es links direkt hinunter zu wenig Schnee hatte. Bei viel Schnee ist dieser Bereich sehr kritisch; mir sind hier 2 Unfälle aufgrund von Schneerutschen bekannt, wobei ein Sturz über den ca. 20 m-Felsriegel sehr unangenehm sein kann.
Brisi-Rücken mit dem Schneebrett im oberen Bildbereich. Unten die ebenfalls kritische Felsriegel-Schlüsselstelle. Im steilen Gipfelbereich ist ein dritter, lawinenmässig kritischer, Bereich zu erkennen. 
Nach dem Rücken hatte ich dann nochmals super Pulverschnee. Bei genügend Schnee kann man direkt nach Horb hinunterfahren, was heute möglich gewesen wäre. Da ich in Alt St.Johann abgemacht habe, fahre ich jedoch auf der Langlaufloipe nach Selamatt. Um ca. 17 Uhr war ich dann wieder im Tal. 
Das war ein herrlicher Tag mit für einmal noch unverspurten schönen Abfahrten!

Fazit: Obwohl der Brisi sehr viel befahren wird, können Lawinen zwar selten aber doch ab und zu auftreten. Aufgrund der Steilheit des Rückens, welcher meist 30 Grad, teilweise aber auch steiler ist, erstaunt dies eigentlich nicht. 
Selun (2204 m) und Brisi (2279 m) lassen sich gut kombinieren wenn man die mind. 2'000 Hm nicht scheut; die beschriebene Variante ergibt ca. 2'200 Hm. (Ok, man könnte es von der Sellamatt her auch einfacher haben). 
Zwischen Selun und Brisi muss auf die steilen Bachtobel geachtet werden (Schneebrett-Gefahr), weshalb dieses Gelände bei schlechter Sicht besser gemieden wird (ausser man geht nach einem genauen GPS-Track).

Donnerstag, 20. November 2014

Gonzen - Aischans Weg (6c)

Tour Datum: 19.09.2014
Die Route "Aischans Weg" am Gonzen hatte ich schon längere Zeit auf meiner Wunschliste. Von den vielen schönen Touren, welche ich dieses Jahr unternehmen konnte, habe ich diese Tour ausgewählt, da sie im Internet noch kaum beschrieben ist und ich im nass-grauen November genug Zeit zum Schreiben habe. 

Da die Verhältnisse keine Tour in höheren Regionen zu lies entschieden wir uns für diese relativ kurze Route im oberen Wandteil des Gonzens.


Im lesenswerten Megusta-Topo ist der Zustieg sehr gut beschrieben. Von der Rieterhütten P.1576 geht man horizontal bis zur Abbruchkante bei der Wang, wo man beim grossen dörren Baum in exponiertem Gelände (T5) die Gemsweid hinuntersteigt, um aufs Band zu gelangen. Es sind teilweise alte Fixseile zur Sicherung vorhanden, welche man an gewissen Stellen gerne verwendet.
Dann quert man auf Wegspuren auf einem exponierten Band zu einem Couloir und zu abschüssigen Platten danach, welche man links gut umgehen kann.   

Es kann aber auch über die Route zum Einstieg abgeseilt werden, was im Megusta-Topo empfohlen wird.
Beim dörren Baum unten gehts in die Tiefe, hinten der obere Wandteil des Gonzen in welchem die Route verläuft.
Nach dem Couloir sollte man auf dem grünen Band in der Mitte links nach aussen queren. Früher ging ich auch schon mal die Platte gerade hoch und hinunter, was aber heikel ist.
Unser Kletterstart war dann um ca. 9:45
Blick in die L1, 6c; Aischans Weg führt hier in der Mitte gerade hoch unmittelbar rechts des braunen Dächli.
L1, 6c, 38m,  Anfangs ein Dächli, das schwerer aussieht als es dann ist. Die harte Platten-Crux kommt ca. beim 4.Bolt, wo wir unsere Onsight-Hoffnungen leider schon aufgeben mussten. Man kann hier auch gut A0 machen (wir nehmen uns aber Zeit die Stelle auszuchecken). Oben wird es dann etwas einfacher (6a) und die Sicherungsabstände weiter, wobei noch gut ein Cam in den schönen Querschlitzen gelegt werden kann. Eine sehr schöne aber anspruchsvolle Seillänge.
 L1, 6c, Ruedi in der plattigen Crux-Stelle
L2, 6c, 40m, Ziemlich unangenehm muss auf einer Platte mit feinen Querschlitzen links leicht hochquerend der erste, recht weit entfernte Bolt im 6b-Gelände erreicht werden ( Friend oberhalb des Standes setzten und verlängern, was aber die Pendlergefahr nur minimal entschärft).
Nach dem 2.Bolt geht es dann in ein Riss-/Verschneidungssystem hoch, wobei der Bolt links in der Wand dazu verführt, dorthin zu klettern, aber wegen starkem Seilzug nicht zu empfehlen ist. Anschliessend muss aber wieder rechts in die nicht gerade ahnmächelige steile Verschneidung gequert werden, wo ein Cam gelegt werden kann und an der man sich athletisch hochackern muss.
Der Ausstieg aus dem Riss-/Verschneidungssystem links hoch ist heikel. Beim Bolt lohnt es sich dann, den Seilzug-Ecken unten auszuräumen (falls man den Bolt links aussen verwendet hat), da nun nochmals sehr schwere und anhaltende Plattenkletterei folgt (wir würden hier 6c+ geben). Eine lange und schöne aber auch sehr anspruchsvolle Seillänge.
L2, 6c, Links herum und dann hoch, Ruedi befindet sich schon nach dem Riss-/Verschneidungssystem.
L2, 6c, Dieselbe SL im Zoom. Der obere Teil führt durch eine steile und sehr anspruchsvolle Platte. 
L3, 6a+, 30m, Das erste Dächli klettert sich noch gut, anschliessend kommt ein Abseilstand an dem vorbeigeklettert wird. Danach folgt ein zweites, eigentlich grossgriffig scheinendes Dächli. Das Problem ist jedoch über die etwas splittrige, grifflose Platte davor an das Dach zu gelangen wobei dort Groundergefahr auf das Bödeli droht. Hier ist es wichtig, dass der Sichernde aufmerksam und eng sichert. Die Schwierigkeit des Dach-Ausstiegs kann schwer abgeschätzt werden, hält sich aber in Grenzen, sodass man oben erleichtert den Bolt klinken kann. Diese Stelle empfanden wir mindestens im Bereich 6b.
L3, 6a+, Die Crux am oberen Dächli. Der Fels ist an dieser Stelle bräunlich und etwas splitterig, was man aus dieser Perspektive nicht erkennen kann.
L4, 6c, 35m, Gleich vom Stand weg ist es knifflig und sehr schwer mit einer längeren Crux-Passage über 3-4 Bolts hinweg, welche m.E. die schwerste Passage der Route ist (7a). 
Links querend gelangt man dann an ein athletisches Dach, welches sehr anstrengend aber grossgriffig ist und im ausgesetzten Quergang mit einem Cam abgesichert werden muss. Im abflachenden Teil - ausser Sichtweite des Sichernden - folgt noch ein Platten-Runout im 6b-Bereich.
Gegen Ende der SL muss dann nochmals eine schwere athletisch-technische Stelle (6c bis 6c+) gemeistert werden, wobei sich für den Vorsteiger zusätzlich der Seilzug bemerkbar macht. Wiederum eine sehr anspruchsvolle Seillänge, welche wir beide nicht sauber klettern konnten.
Am Stand mussten wir eine Wartepause wegen Regen von 1/4 h einlegen (geschützt vom Regen unter einem Dächli). Zum Glück war es nur ein Schauer und der Fels trocknete auch relativ rasch wieder ab.

L4, 6c, Die gut gesicherte aber sehr schwere längere Crux-Passage.

L4, 6c, anschliessend quert man nach links in die eindrückliche aber sehr athletische und anstrengende Überhangzone.
Ein Regenschauer über uns und im Sarganserland zwingt uns zu einer kurzen Wartepause.
L5, 6b, 30m,  Anfangs noch leichter folgt in der Platte kurz vor der Mitte die zwingende Crux, welche wir eher mit 6c bewerten würden. Oben dann etwas einfacher zum Stand. Schöne SL.
L5, 6b. auch diese Seillänge ist nicht geschenkt.
L6, 6a+, 35m, Diese etwas einfachere Seillänge weist weite Abstände auf und ist etwas brüchig; man hätte sich hier ein paar Bolts mehr gewünscht. Das ist dann auch die einzige SL, welche wir beide einwandfrei sauber onsight klettern können. Auch hier könnte man aber im Anfangsteil mit 6b bewerten. Im Nachstieg ist auch dies eine schöne Seillänge.
L6, 6a+, Anfangs bereits schwere Stellen, oben ist vorsichtiges klettern in etwas brüchigem Fels angesagt.
Um ca. 16:30 sind wir dann beide oben. 
Ohne die Regen-Wartepause hatten wir beinahe 6 1/2 Stunden für die nur 6 SL! Dies sagt doch einiges aus über die recht anhaltenden Schwierigkeiten mit denen wir zu kämpfen hatten. Wir haben uns allerdings die Zeit genommen und versucht, auch die schwierigen Stellen frei zu klettern (mit Hänger), man hätte hier teilweise sicher schneller mit A0 weiterklettern können.
Vielleicht waren wir beide ja auch nicht so in Form an diesem Tage (?).
Jedoch: Insgesamt fanden wir die Route mindestens so anspruchsvoll wie die rechts verlaufende 'Miss Marple' (6c+; ohne die 7b-Stelle) und sicher wesentlich schwieriger als die 'Wachmeister Studer' (6b+).
Zudem: vor 1 Woche waren wir an der Föhnmauer die Nemesis, 7a, klettern, welche wir ähnlich schwer empfanden wie einzelne Passagen dieser Route.
Gelände am Einstieg. Die Sonne scheint wieder!
Mit 5x Abseilen sind wir wieder zurück am Einstieg, pickniken, packen unsere Sachen zusammen und wandern zurück über die Gemsweid zur Rieterhütten.

Facts:
Gonzen, oberer Wandteil
Aischans Weg, 6 SL, 6c (6b obl.), 210 m, Aischan Rupp / Thomas Wälti, 1996
Material: 10 Express, Camalot 0.1-2, Bandschlingen, 2 x 50m Seil
Unsere Einschätzung: Anspruchsvolle und hart bewertete Route; wir empfanden sie meist ein "+" bis 1 französischer Buchstabe schwerer gegenüber der Originalbewertung; d.h. 6c+ oder 7a. Die Absicherung ist in den schweren Passagen gut bis sehr gut (xxx/xxxx), sonst knapp gut (xxx), wobei auch ab und zu selber abgesichert werden muss. Die Bolts sind trotz des Alters in einwandfreiem Zustand.
Schönheit: sicher 4*, Ruedi fand diese Route etwas schöner (homogener) als 'Miss Marple'.

Topo: 
- Sehr gutes Originaltopo von Thomas Wälti auf www.megusta.ch/topos.php

Wissenswertes:
Der Name der Route hat Thomas Wälti zum Gedenken an Aischan Rupp gegeben; man lese hierzu den Text im Originaltopo.
Aishan habe ich flüchtig gekannt. Im Sommer 1993 war ich mit ihm klettern in der Kletterhalle Sargans (das Wetter war schlecht, wir wollten eigentlich im Rheintal klettern). Ich habe während dem Klettern dieser Route ab und zu an Aischan gedacht...


Fazit: 
'Aischans Weg' ist eine sehr schöne, abwechslungsreiche, homogene und anspruchsvolle Route mit Platten aber auch athletischen Stellen an einigen Dächlein und einem Riss. Wir können die Route sehr empfehlen, sie sollte jedoch bzgl. der Schwierigkeiten nicht unterschätzt werden.